immer so gut mit einander leben? – – So ganz Guteit einander nachgeben, und verbannt sei nun auf ewig aus unsrem Umgang Deine Eifersucht, und meine zu starke Empfindsamkeit! – Nie sollst Du mich wieder so sehen, das verspreche ich Dir heilig.
Noch eins; Schark laurte schon am Fenster, als ich heute zu haus kam, aber merkte nichts. – Gott gebe, dass Du Dich eben so heiter schlafen legest, als ich, dann bin ich glücklich. – Vielleicht träumst Du jetzt, mit einer Pfeife Tobak im mund, von mir? – Tust Du dies gewiss? – O ich fühle es, diese warme Ahndung strömt meinem Herzen zu, und bürgt mir für die Wahrheit meiner Vermutung. – Gute Nacht! – Aller Segen des himmels auf mein Liebchen! – Gute Nacht, sagt Deine
Nina.
LIX. Brief
Innigst Geliebter, ich habe Dir gestern in einer Stunde mehr gesagt, als ich Dir in Jahrhunderten schreiben kann. – Oder war es etwa nicht so, Du unersättlicher Schwärmer? – Warst Du wohl jemals gegen ein anderes Mädchen ein so warmer gefühlvoller Junge? – Ist es etwa für meine Eitelkeit zu viel Triumpf, wenn ich das allerliebste Nein so gerne über diesen Punkt aus Deinem mund höre? –
Wenn man sich der Liebe nicht freuen darf, wenn man über ihre herrlichen Entzükkungen nicht nachdenken soll, o dann ist sie ja bloss Begierde, und ich hasse Begierden ohne die Begleitung eines feinen denkenden Gefühls. – Unsere Liebe hat den ächten dauerhaften gang, wir wollen ihr folgen, aber auch Du lieber Friz, musst Dich ein Bischen ändern. – Lass doch nicht immer Deinen feurigen Kopf und Deine reizbaren Nerven sprechen, sei im vollen Verstand Herr über Deine Leidenschaften, Du kannst es ja, wenn Du nur willst, die Liebe macht Dich biegsam, wenn Du ihr nur Gehör geben willst. – Wir wollen uns doch nicht ferner mit Grillen martern, willst Du? – Ich fodere dies kleine Opfer Deiner Vernunft jetzt durchaus, bis das Verhängniss uns näher vereinigt. – – Das unglückliche schicksal soll nicht Meister über uns werden, nein, durchaus nicht, ich würde mich schämen ihm nachzugeben. – Wir wollen von nun an Zank und alle gefährlichen Auftritte zu verhüten suchen, die Dich und mich gränzenlos elend machen könnten. – Dein Weibchen lebt und atmet ja nur für Dich, für Deine Liebe – –
Nina.
LX. Brief
Du lieber Gott! – Was war das gestern wieder für ein verstimmter Abend! – Es ist gerade, als ob wir beide eine Zeiter verhext würden! – Ich mag Dir Ruhe vorpredigen, so viel ich immer will, es nüzt nichts. – Gott im Himmel, wie können Schiksale Menschenherzen verstimmen! – Ich kannte Dich kaum mehr; Faulheit, weniges Gefühl, zwei Worte, die ich gestern wieder so oft hören musste. – Ein anders minder liebendes Weib hätten diese garstigen Ausdrükke wohl zum Brausen verleitet, aber ich blieb gelassen, weil mein Herz Deine Entschuldigung übernahm. –
Sag Unbesonnener! – Seit wann habe ich denn dies alles verdient? – Warum schreibst Du den Eifer über das ehrabschneiderische Volk auf meine Rechnung? – – Oder noch besser, warum warst Du unvorsichtig genug, mir so etwas zu hinterbringen? – Darf ich meine Gefühle nicht mehr an Deiner Seite ausweinen? – Ich sah Dich stumm und finster, das machte mich verdriesslich, weil ich Dich doch schon so oft bat, Dir in meinem Umgang Gewalt anzutun. – Bin ich denn nicht so viel wert? – Ist es nicht Deine Pflicht, jede Zänkerei in ihrem Ursprung zu erstikken? – Aufbrausen und davon laufen ist dann immer Deine löbliche Gewohnheit, und die Früchten davon, Verzweiflung und schlaflose Nächte für Dich und für mich. – –
Meine ganze Seligkeit liegt bloss in Deinem Blikke, und da dieser eine Zeitlang her so düster ist, so ist es ganz natürlich, dass ich auch verstimmt werden muss. – Bin ich denn von mir selbst so gallsüchtig, gabst Du mir nicht immer den ersten Anlass dazu? – – Ich hoffe, dass Du bald anfangen wirst mein Herz zu schonen. – Der Himmel lasse uns heute wieder Friede finden, das wünscht von ganzer Seele Deine
gebeugte Nina.
LXI. Brief
Liebster, Besster! – Wie hast Du geschlafen? – Das war doch brav, dass Du mich gestern Abend nicht mit blutendem Herzen zu Bette gehen liessest. – Lieber Friz, wenn ich Dir teuer bin, laufe mir nur nicht wieder davon, wenn wir uns ein Bischen zanken, denn das Davonlaufen ist mir unerträglich! –
Leicht, wie eine glückliche Braut, ging ich gestern Abend nach unserer Aussöhnung zu Bette, aber ein Schrekken, der mir durch alle Glieder fuhr, wekte mich wieder plözlich auf! – Dass doch bei jedem Zufall Du mein erster Gedanke bist. – Gott! – Ist das etwa mein Friz! – Schrie ich laut, sprang an's Fenster und hörte die ächzende stimme eines Sterbenden, den man mit einer Wunde vorbei trug. – Sein Röcheln machte mein Blut erstarren, Du lagst mir noch im Sinne, ich horchte aufmerksam um den Ton der stimme zu entscheiden, zum Glückke aber war sie mir fremd diese stimme, und Mitleiden mit dem Sterbenden trat jetzt an die Stelle der Verzweiflung. – –
Demungeachtet folterte mich Ungewissheit, ich brach in lautes Wehklagen aus, meine erhizte Einbildung zeigte mir fürchterliche Dinge, ich sah