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wegging und staunte! – Nenne es immer sträfliches Extrem; aber wer brachte mich dazu? – – Wer ist sträflicher, ich, oder Du? – – Gott! – Was hast Du mir für herzangreifende Vorwürfe gemacht! – Du sprachst mir alles Gefühl ab, nanntest mich eine Lieblose, eine Undankbare, und das bloss, weil mir ein unbedeutendes Wort über Schark entwischte, dass Du zu seinem Vorteil auslegtest. – Du bist wahrlich überzeugt, dass ich die wenige Nachsicht, die ich gegen Schark brauche, bloss aus Politik brauchen muss; Du musst davon überzeugt sein, sonst würde ich Dich verachten, wenn Du mich ohne diese Gewissheit lieben könntest. – –

O Friz! – Friz, ist es möglich, dass Du so lange Zeit aus Liebe nachzugeben wusstest, und jetzt auf einmal überfällt Dich eine höllische Eifersucht? – Sei sanft, sei vernünftig, um Deines guten Herzenswillen bittet Dich Deine

gattin. –

LVI. Brief

Teurer Friz! – So süss auch gestern unsre Versöhnung war, so hat sie doch den tiefen Gram, der mich seit einigen Tagen wieder so schröklich drükt, nicht ganz aus meiner Seele getilgt! – Ich taugte wohl besser in's Grab, als an Deine Seite, wo Dir das Bischen Vergnügen durch tausend Schiksale vergällt wird. – Kein Tag, keine Stunde geniessen wir ganz ruhig, mitten unter dummen und bösen Menschen verstreichen unsere schönsten augenblicke, und mit ihnen unsere Gesundheit.

Ich bin ausser mir, wenn es nicht bald zu Ende geht! – Ich kann diese Verfassung, beim Allmächtigen sei's geschworen, nicht länger ertragen! – Und doch muss ich alle Stärke zusammen suchen, um den Ausgang abzuwarten? – – – O wenn Du mich liebst, so verschone mich diese Zeit über, versezze mir nicht den lezten schröklichsten Todesstoss, durch Dein Misstrauen! – – Sei barmherzig, bei Deinem Ehrengefühl beschwöre ich Dich, sei barmherzig! – Sei mein Führer, mein Tröster, sei gut, sei gedultig, sei Mann, ich will Dir es tausendfach lohnen! – Die Wehmut lässt mich heute nicht weiter schreiben.....

Nina die gekränkte.

LVII. Brief

Innig geliebter Gatte! – Endlich ist meine Laune wieder etwas heiter. – Was dachtest Du heute wohl von mir? – Meine Augen haben, dünkt mich, mehr gesprochen, als sonst, wenigstens hiengen sie wonnetrunken sehr lange an den Deinigen. Siehst Du, wie mein Zutrauen wächst? – – Folge fein meinem Beispiel, hörst Du? – – –

Friz, wie viele Briefe hast Du wohl schon von mir, ich habe von den Deinigen über fünfzig Stükke. – Es sind lauter teure Pfänder Deiner Liebe, redende Beweise Deiner Zärtlichkeit, und feurige Versicherungen Deiner Standhaftigkeit, nie sollen sie aus meinen Händen kommen diese reizende Gemälde Deiner schönen Seele! – –

Heute habe ich auch wieder Deine Haarflechte frisch geflochten, die ich Dir mit eigner Hand aus Deinen langen Haaren heraus schnitt. – O diese Haarflechte ist gerade so weich, wie Dein Herz! – Mein Röschen ist ein loses Ding, sie machte mich mit ihren Schäkkereien fast närrisch, immer schrie sie, während als ich die Haarflechte frisch auskämmte, geben Sie doch Acht, es tut Ihrem Friz ja weh! – Dann zukte ich wieder während dieser Arbeit mit einem lauten Schrei, worüber sie sich fast zu tod lachte.

Ich bin dem Mädchen recht gut, weil sie ziemlich viel von Dir zu sprechen weis, Stunden lang schwazt sie mir von Dir vor, ist das nicht ein gutes, braves Röschen? – – Komme morgen recht frühe, damit ich Dir Millionenmal sagen kann, wie sehr Dich liebt Deine

Nina.

LVIII. Brief

Trauter, als mich der gütige Schöpfer schuf, war Liebe und ihre Glückseligkeiten seine erste Gabe, die er mir mitteilte, und in die Seele hauchte. – Liebe empfand ich schon lange mit allem ihrem Kummer, aber ihre Glückseligkeit entfernte sich von mir, bis ich den Redlichsten, bis ich Dich kennen lernte. –

Du hast nicht Unrecht, wenn Du behauptest, dass ich noch nie so geliebt worden bin. – O Du Vortreflichster, lass mich mein Glück öffentlich ausschreien, lass meinem vollen, mit Wonne angefüllten Busen Luft, damit ich die Gefühle meiner seligsten Hofnungen hinsagen kann den eiskalten Geschöpfen, die meine Entzükkungen nur bloss in der Ferne anstaunen dürfen! – –

Dank Dir für den heutigen Tag, den ich wieder so ganz Liebe, an Deiner Seite hinbrachte. – Ich trug eine schwere Last im Herzen, als Du kamst, aber wie ein Engel des Trostes hobst Du mir sie weg und spieltest mich in eine Laune, die ich nicht um ein Königreich vertauscht hätte! –

O Du Guter, was Du nachgiebig und sanft sein kannst, wenn Du nur willst. – Du hast zwar ganz Recht, dass Du nicht alle Tage so bist, sonst würde ich immer mit mir selbst hadern, dass ich Dein herrliches Betragen nicht erwiedern könnte. Heute war ich wieder in Deinen Armen so verloren im Taummel der reinsten Freude und auch so ganz ohne Furcht, ohne bange Ahndung, dass ich mich beinahe in einer andern Welt dünkte! – Gewiss unterhielten wir uns wieder herrlich! – Es war kein augenbliklicher Sinnenrausch, wie bei den meisten Liebenden, der uns entzükte, Vernunft, Seele, alles nährte sich dabei, und muss sich ewig dabei nähren. –

Nicht wahr lieber Friz, wir wollen