1788_Ehrmann_010_30.txt

konnte mich unmöglich mässigen....

Holbaur.

(Wie ein wahrer Wollüstling.) Guten Tag! – – Guten Tag, mein Engel! Wie gehts, wie befinden Sie sich? – –

Ich.

Dies brauchen Sie doch wohl nicht erst von mir zu erfahren, Scharks Vertrauter ist ja ohnehin von allem unterrichtet, was bei mir vorgeht. – –

Holbaur.

Wie so meine schöne Göttinn? – –

Ich.

Herr! – Ich verbitte mir diese vertrauliche Sprache. Uebrigens mögen Sie sich ihre Frage selbst beantworten, ich bin nicht gewohnt, Mannsleuten, die in Weiberrökken stekken, Vorwürfe zu machen. –

Holbaur.

Also wohl gar böse auf mich? – – Ei, ei, womit hätte ich mir denn dieses Unheil zugezogen? – – Hat vielleicht Schark seine Klappereien auf mich schieben wollen, wovon er der Urheber ist? – –

Ich.

Er, oder Sie, Sie, oder Er, das gilt mir gleich. Es ist immer schändlich, wenn sich Mannsleute mit Ohrenbläsereien abgeben. –

Holbaur.

Keine Regel ohne Ausnahme, nicht allzeit, meine Besste, sind Warnungen Ohrenbläsereien; besonders wenn sie das Wohl eines Freundes betreffen. –

Ich.

Seit wenn sind Sie denn so gewissenhaft gegen Ihre Freunde geworden? – – Ist Schark ein unmündiger Knabe, dass Sie ihm mit teuflischer Bosheit Grillen einhauchen mussten? – – Was kümmert Sie meine Bekanntschaft mit G...? – –

Holbaur.

(Herausplazzend.) O sehr viel Madame! – Sehr viel kümmert mich Ihre Bekanntschaft mit G....! – (Sich wieder fassend.) Denn sehen Sie, der junge Mann taugt gar nicht für Sie, er wird Sie gewiss nicht heiraten, ich kenne die Verhältnisse, worunter er schmachtet, und ich wette mein Leben, er muss seiner Familie nachgeben. – –

Ich.

O sagen Sie doch lieber: ich wünsche es, dass er seiner Familie nachgiebt; denn an Ihren Bemühungen fehlt es gewiss nicht, wenn er es nicht tut. – O ich kenne Ihre Sprache, die sich nach allen Tönen zu stimmen weiss! – –

Holbaur.

Aber mit Ihrer erlaubnis, meine Schöne, doch immer mit Wahrheit und Aufrichtigkeit begleitet. – –

Ich.

Bei Gott! – Ich bin mehr vom Gegenteil überzeugt.

Holbaur.

Wie so? – Wie so? – – Sie würden doch Ihre schönen grossen Augen stark aufreissen, wenn ich Ihnen jetzt gleich mit der untrüglichsten Wahrheit versicherte, dass der junge G... mit einem überaus reizenden Mädchen in sehr engem Verständniss .....

Ich.

Nicht ausgeredt Verläumder! – Oder bei Gott, Sie sollen mich kennen lernen!!! –

Holbaur.

Schon wieder brausen? – – Ichich ... wollte ja nur sagen dass G... leztin mit einigen Frauenzimmern sehr vertraut schäkkerte. –

Ich.

(Mit Wut) Lügen! – Höllische Lügen sind das! – Ich kenne sein Herz, noch eine verdächtige Silbe von ihm, und ich werfe Ihnen alles an Kopf, was mir unter die hände kommt! – –

Holbaur.

Hu! – Hu, was Sie eifersüchtig sind! – Ist dann der alberne Junge auch so viel wert? – –

Ich.

(Ganz ausser mir.) Elender, kein Wort weiter! – – Kein Wort weiter, das rate ich Dir; und nun fort aus meinem Zimmer, niederträchtiger Ehren-Bandit! – – (Hier weigerte er sich mich zu verlassen.) Dann griff ich Ihn rükwärts bei den Haaren und schleppte ihn bis zur tür, laut schreiend würde ich ihm bis über die Treppe gefolgt sein; wenn mich nicht Röschen mit Gewalt zurück gehalten hätte. – Friz, ich bitte Dich um Gotteswillen, schaffe mir vor dem Kerl Ruhe, sonst vergreife ich mich noch an ihm! – Deine

Nina.

LV. Brief

Das war wieder eine jammervolle, schrökliche Nacht! – Friz, ende Deine eifersüchtigen Vorwürfe wegen Schark, oder Du bringst mich in's Grab! – –

Hatte ich nicht gestern mit dem Buben Holbaur Verdruss genug? – – War das von Dir vernünftig sich so zu vergessen, und mir bittere Dinge zu sagen? Musstest Du auch noch kommen und mir den lezten zufriedenen Gedanken wegstehlen? – Ueberdenke heute bei kälterem Blute unsere Lage, vergiss nicht einen blick auf die Folgen zu werfen, die daraus entstehen könnten; und zittere! – –

Du kennst meine Rasereien, wenn ich anfange; Du weisst, zu welchen Torheiten ich fähig bin, wenn Dein Misstrauen und Dein beleidigter Stolz fortfährt auf mich loszustürmen. Ist es denn meine Schuld, dass ich noch hier bin? – Ist es nicht die Schuld der Umstände, dass meine Abreise noch auf wenige Zeit verschoben werden muss? – Und kann ich meine Base zwingen, dass sie dem Schark unser Haus verbietet? –

Noch mehrere solche ungerechte Vorwürfe, Friz, und ich stehe weder für Scharks, noch für mein Leben! – Der Gedanke, dass meine feurige Liebe von Dir verkannt wird, machte mich so hart, so wahnsinnig, dass mir mein Leben um eine Steknadel feil würde! – – Ich habe Schark mit aller Gewalt zu einer Zänkerei zwingen wollen, ich hätte ihn gerne aus Verzweiflung mit Vorsaz verleitet, mir ein Messer in's Herz zu stossen, so sehr war ich meiner Lage müde! – Zum Glückke donnerte ihn meine Wut zusammen, dass er