sagte sie, meine Schwermut verriete Seelen-Krankheit. – Kann sein, sagte ich, und wurde über und über rot! – Aber weisst du was, lieber Friz! Morgen will ich wieder etwas von dir lesen, eh ich ausgehe, und dann dafür ein paar Duzzend Küsse von Deiner guten
Nina.
IV. Brief
Nachts um elf Uhr.
So eben verliess ich ein freundschaftliches Nachtmal; und warum sollte ich dem guten, lieben Friz nicht Rechenschaft vom heutigen Tage geben? Aber zuerst will ich dem Lieben Saz für Saz seinen Brief beantworten. – Dass Sie gestern in etwas von Ihren Grundsäzzen abglitschten, ist Ihnen herzlich vergeben, nur wollte es meinem Stolz nicht schmekken, dass Ihr voriges Mädchen auf reinere Liebe Ansprüche hatte. Mehrere Zurükhaltung ihrer Triebe ist mir bei meiner würklichen Verfassung nötig; weil dies gerade das ist, was mir Standhaftigkeit in der Liebe verspricht, und was Sie so himmelhoch von andern Männern unterscheidet. Wären Ihre Triebe gröber, so würde mir bald der Sturz Ihrer Liebe drohen, aber so glaube ich, dass Sie sich nicht so leicht können von mir reissen; ist Ihnen also meine Ruhe lieb, so handeln Sie, wie bisher. Sie schliefen die vergangene Nacht ruhig? Gott segne diese Ruhe; auch ich schlief so ziemlich; nur war es mir enge um die Brust. Nicht wahr Freund? – Sie können mich nicht weiter mit Nachrichten von Verläumdungen kränken; dafür kenn ich Ihr Herz. Es müssten nur neue Schurkenstreiche dieses Herz ver
Doch wieder zu meinem Kummer zurück, der mir von einer teuflischen Verläumdung aufgebürdet wurde; dieser garstige Verdacht in meinem Wandel ist der erste, der mir seit acht Monaten zu Ohren kam. Ich würde darüber gelacht haben, wenn er nicht gerade an den geraten wäre, der mir das Teuerste auf der Welt ist; bloss um deinen Verlust zittere ich, die übrigen Tränen der Unterdrükkung sind süss; denn Unschuld erleichtert sie. – Aber noch mein Besster! weiss ich keinen dritten Ort, wo wir uns sehen könnten; bei K.... kann es nicht sein. – Lieber gar nicht sehen, als sich mit Zwang sehen. – Holbauer ist ein Schurk, und weiter nichts. Sie haben ihn brav bei der Rase herumgeführt? Vielleicht glaubt er bei mir jetzt seinen Roman anzufangen; aber er wird so abgewiesen werden, dass er sich's gar nicht vermuten wird. Und hiemit genug über diesen Buben. – Weisst Du auch lieber Junge! dass Du die Zierde Deines Geschlechts bist? – O Du verdientest ein besseres Mädchen, als ich bin! – Guter Wille, ein fühlendes Herz, und eine mächtige Standhaftigkeit in der Liebe ist mein ganzer Reichtum. – Aber Gott! Gott! Wenn man deine Plane rükgängig machte! – Wenn Du nicht siegtest! Und wir führen dann so fort, unsere Herzen in einander zu giessen, und unsere Köpfe mit leidenschaft zu erhizzen! – Heiland der Welt, wären wir nicht die Elendesten unter der Sonne! – Friz! Um Gotteswillen mache mir dann keine Vorwürfe; ich habe Dir alles zum voraus gesagt; ich habe Dich nicht mit Kunstgriffen gelokt, Du sankst freiwillig an meinen Busen, und der meinige kämpfte nicht lange. Denn es ist für ein und allemal wahr, wir beide harmoniren bis auf den kleinsten Punkt, das fühle ich, das sage ich mir alle augenblicke. – Schark war eine Frazze gegen Deine Wärme; und nun hätte ich in so weit deinen Brief beantwortet. Aber jetzt zum heutigen Tag zurück, von sechs Uhr bis zehn Uhr hatte ich tödtende Stunden, weil ich auf Nachrichten von Dir wartete. Die Schuld der Zögerung lag zwar nicht an Dir, doch mag Dir meine Unruhe für ein andersmal zur Warnung dienen. Dein Brief war mir dann ganz natürlich willkommen, aber meine Freude trübte mich demohngeachtet bei Tische äusserst! – Ich gestehe es, Schark wandte alles an, um mich aufzuheitern, nur gelang es ihm nicht. – Nun raffte ich mich auf, und ging zur Familie R.... Dort traf ich eine Menge Mädchen und Jünglinge an, die sich an der Seite der Hausfrau munter ihres Daseins freuten; doch sah ich leider keinen Friz unter ihnen, folglich fühlte ich Drang! Mein Gott, was das für eine Unruhe ist! Wie die bessten Menschen mir auch nicht ein Teilchen meiner Leiden ersezzen können! Sonst war mir das gesellschaftliche Leben sehr willkommen. Aber jetzt auf einmal zum schüchternen Kind zu werden. – Sag, wie ging das zu? – Friz Du hast mir den Kopf verdrehet, Du bist mein Ruhestörer! – – Doch weiter. –
Von dieser guten Familie ging ich zur lieben Freundinn Sch.... ihr Junge kam mir entgegen gehüpft, fiel mir um den Hals, herzte und küsste mich! – Der Bube heisst Friz! Friz heisst er! Wie herzlich gerne liess ich mich von ihm küssen! Seine Mutter ist auch ein herzgutes Weib, und liebt mich feurig; ich konnte mich nicht entalten, ich musste ihr etwas weniges von meinen Drangsalen merken lassen; doch ohne Dich zu nennen. "Halten Sie ihn vest, meine Liebe, (sagte sie) halten Sie ihn vest; er mag heissen wie er will, nach Ihrer Beschreibung ist er Ihrer würdig, Sie verdienen gerade eine Seele, wie die seinige. Die übrigen Menschen taugen für Sie nicht. –" Endlich unterbrach man uns, dann lief ich an