1788_Ehrmann_010_29.txt

schäkkern, alles wechselt so artig unter uns ab; das werden Tage werden! – – Das werden! – Freue Dich Lieber, freue Dich, ich will mich auch freuen, und nun Millionen Küsse zur guten Nacht von Deiner

Nina.

Eine verwünschte Nacht war das. Friz, eine schlaflose, abscheuliche Nacht! – – Erst um ein Uhr legte ich mich zu Bette und vergass die Fenster zu zumachen, da flog das Ungeziefer herein und quälte mich die ganze lange Nacht durch. – Du weisst, dass mein Zimmer auf's wasser geht, und aus dieser Ursache fast immer mit stechenden Mükken angefüllt ist, wenn ich nicht gleich mit Sonnen Untergang die Fenster zuschliesse. – – In Zeit drei Stunden war mein ganzes Gesicht angeschwollen und kein Auge konnte ich vor Schmerz schliessen, dann kam über alles dieses noch ein starkes Donnerwetter dazu und schrökte mich auch ein Bischen! Als sich das Wetter verzogen hatte, sprang ich mit rasendem Zorn aus dem Bette, und legte mich auf den harten grossen Sopha, dahin dachte ich mir, werden gewiss die Mükken nicht so leicht kommen, weil der Sopha im Nebenzimmer steht, aber umsonst, auch da fanden mich die heisshungrigen Tiere, Du kannst leicht denken, wie es mir auf diesem harten Lager behagte? – – Ich glaubte, alle Knochen zu verlieren, konnte es durchaus nicht länger aushalten, schlug Licht, und beschreibe Dir jetzt die tolle Nacht. – Der Schlaf drükt meine Augen sehr schwer, aber was mich noch am meisten ärgert, ist das abscheuliche Schnarchen meines Nachbars, der an der Seite seines leiben Weibchens, wie ein Kloz ruhig fort schläft, seine zähe Haut fühlt das giftige Beissen des Ungeziefers nicht. – Wie er so glücklich ist, der flegmatische Dummkopf, dass seine kalte Seele so kummerfrei die gütige Gabe des süssen Schlafs geniessen kann, der mir nicht gegönnt ist. – O ich bin ärgerlich bis zum Unsinn! – Gestern Abends plagte mich ein zweifüssiges Insekt, und diese Nacht saugen viele hundert andere mein Blut heraus. – Wärest doch Du nur da, dann wollte ich noch gerne alles dulden, ich wollte mir mein wundes Gesicht von Deinen Küssen abkühlen lassen, aber so bin ich mit Röschen ganz allein in der melankolischen Morgendämmerung, höre das halblaute Gezwitscher der aufwachenden Vögel und grüsse Deine lieben grossen geschlossnen Augen mit dem feurigsten Kuss eines guten Morgens in meinen Gedanken. –

Wache doch auf, Herzens-Junge! – Wache auf! – – Deine Nina ruft Dir! – Faullenzer, wie gut Dir der Schlaf schmekt, wie Du Dich wieder herumdrehst, und nicht ahnden willst meine Küsse. Ha! – Eigennüzziger, das tust Du mit Fleiss, damit ich wakker drauf los küssen soll, und Du Deinen Vorteil dabei findest.

Aber warte, jetzt will ich Dich anfangen zu kneipen, bis Du aufwachst. – Wenn ich nicht schlafen soll, darfst Du auch nicht schlafen, wenn mich die Mükken beissen, sollst Du Dich auch beissen lassen, wenn ich küssen und schäkkern will, so sollst Du auch mit mir küssen und schäkkern, oder Du bekömmst Schläge, ja ... ja, Schläge, ich bin heute stark genug dazu, denn meine Glieder ruhten ja aus. – –

Müsste ich heute nicht ausgehen, ich legte mich am hellen Tage schlafen, und schliefe bis Du kämst und mich durch Küsse aufwektest. Sei nicht böse über diesen kindischen Brief, Du kennst ja meine Launen, äusserst munter, oder äusserst traurig! – Vergiss Dein gutes Weibchen nicht. – –

LIII. Brief

O Du herrlicher, herrlicher, lieber Friz! – – Was heute unser Umgang wieder so häufig abwechselte und sich in selige Unterhaltungen einteilte, in Unterhaltungen, um die uns eine Welt beneiden würde, wenn sie Zeuge sein könnte von den göttlichen Stunden, die wir durchleben. – –

Dank Dir, Guter, für Dein Gefühl, mit dem Du zu Hausse gingest und an mich schriebst, aus einem Herzen schriebst, worin Engelsgüte wohnt. –

Hier gebe ich Dir wieder eben so viele Küsse zurück, sie kommen von Deiner Nina, die ihr Glück durch Deine Liebe zu tief fühlt, um es beschreiben zu können. – – O Du edelster, guterzigster, anbetungswürdigster, junger Mann! – Um den mich Engel beneiden müssen, gewiss beneiden, Du übest Deine Wohltaten im Stillen aus. O die gestrige gute Handlung, die Du vor meinen Augen unternahmst, hat Dir in meinem Herzen ein ewiges Denkmal errichtet! – Ha! – Du guter, guter Friz, lass mich an Deinem Busen aller anderer Menschen Bosheit vergessen, die mich mein ganzes Leben hindurch so oft kränkte! – –

Aber vergiss ja nicht über jede Stunde unsrer Unterhaltung nachzudenken und dabei ein Herz, wie das meinige, zu untersuchen, dessen Liebe ewig, ewig, nur für Dich glühtUm diese Aufmerksamkeit bittet Dich Dein gutes Weibchen. – –

Gott segne unsre Liebe; schlaf wohl und sanft, teuerster, liebenswürdigster Gatte! – Träume alle Auftritte unserer Liebe wieder lebhaft zurück, die wir heute mit einander genossen und teile dann Dein Entzükken in Gedanken mit Deiner

Nina.

LIV. Brief

Schwerlich, lieber Friz, wird sich der Schurke Holbaur wieder unterstehen mein Zimmer zu betretten; meine Hizze hat mich übermannt, ich habe ihm derb die Wahrheit gesagt, wie Du aus folgender Unterredung sehen wirst. – Nun mag er Galle speien der Elende, so viel er will, ich