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Friz, sonst flieht mich alle Heiterkeit, und dauernder schwarzer Gram wird mein los! – –

Muntere Dich auf, Teuerster! – Muntere Dich auf, bald müssen sich unsere Leiden enden! – – Oder zieht sich die Sache noch in die Länge, so will ich dich bitten, sie mit Gewalt zu enden. – Nicht wahr, Friz, Du willst? – – Mit diesem festen Zutrauen in Deine Tätigkeit will ich mich jetzt beruhigen. –

Als Du gestern fort warst, wollte Holbaur noch zu mir, mein Mädchen wies ihn ab, der Kerl wird immer dringender, bald glaube ich, dass er von Schark bestochen ist. – – Gott im Himmel, glauben denn die Elenden, dass sie mich von Dir abwendig machen können? – – Meine Liebe für Dich ist ja so allmächtig, meine Guteit und Dankbarkeit zu feurig, als dass ich Dich nicht ewig lieben sollte. – Sonst wäre ich ja mehr als Heuchlerinn. –

Siehst Du, wie es mir bei solchen Ueberlegungen gleich im Kopf stürmt! – Wie dieser Kopf meinen Grundsäzzen fest folgen muss, weil mein Herz für Alles ausser Dir eiskalt schlägt.

Aufrichtigkeit unter zwei Liebenden ist die erste Tugend zur standhaften Liebe, und wenn mich der höchste Richter diesen augenblick zu sich riefe, so weis ich nichts, gar nichts, was er und Du nicht wüsstest. – Kurz, wir sind zwo Seelen, die ein Verbrechen an der natur begingen, wenn wir uns je trennten. Ha! – Was trennen! – So etwas ist ja unmöglich, und wenn es von meiner Seite je möglich sein könnte, so wollte ich mir lieber das Gehirn an der Wand zum Voraus versprüzzen, als Dich Liebling der Tugend, Dich, guter, braver, herrlicher Jüngling, zu hintergehen!!! –

Höre diesen Schwur allgewaltige Gotteit! zum Zeichen meiner äussersten Liebe, und Du, höre ihn auch Friz von Deiner teutsch gesinnten

Nina.

XLIX. Brief

Herzens-Mann! – Du warst zwar heute fast den ganzen Tag um mich, aber glaubst Du denn, dass ich darum satt bin? – Gränzenlos ist meine Liebe, gränzenlos mein Sehnen nach deinem Busen, und gränzenlos sind meine Wünsche, nie, nie von Dir getrennt zu sein! – Sage Trauter, warum behagst Du denn meinem Herzen so ausgezeichnet vor allen Andern, – – die mir ehedessen auch von Liebe vorsagen wollten? – Warum bist Du so ganz mein Wiederhall? – Warum sind wir uns allein zwischen vier Mauern so genug? – Ja, so genug, dass auch nicht der kleinste Wunsch nach rauschendem Vergnügen weder in Dir, noch in mir aufsteigt, o Friz, das sind Vorboten unserer künftigen Glückseligkeit, die in vollem Maas auf uns herab strömen wird, wenn kein Zwang uns mehr schrökken kann. –

Liebe fodert Freiheit, Zwang stärkt zwar die eigensinnige Liebe auch, aber sanfte innige Liebe, wie die unsrige, will sich ergiessen können, sie will entfernt sein von der Verläumdung, von der Missgunst. – Der vernünftige Umgang erhöht die Liebe und gibt ihr den wahren Wert einer ewigen Dauer, entfernt sie von der blossen Sinnlichkeit. – – Angestekte Romanen-Helden fühlen meistens nur die sinnliche Neuheit der Liebe, aber denkende Geschöpfe fühlen ihre moralische Wonne und wissen sie durch gegenseitiges Verständniss des Kopfes und Herzens zur Unsterblichkeit zu bringen. – Sage mir doch, lieber Philosoph, könnte wohl eine Liebe, wie die unsrige, jemals aufhören? –

Wenn wir uns auch dem Aeussern nach einmal nicht mehr neu sind, so liegt doch eine Unendlichkeit von neuen Reizen in unseren Köpfen und Herzen, die uns ewig vor Ekkel schüzzen wird. – –

Wenn dieser Saz nicht Wahrheit entielte, unleugbare Wahrheit, wenn ich ihn nicht mit überzeugung tief fühlte, so wollte ich mir lieber heute noch mit einer Steknadel den Puls an der Stirne durchboren! – – Merke Dir diesen Saz, merke Dir ihn! – Beim heiligen Gott beschwöre ich Dich, merke Dir ihn! – Es ist der feurigste, den ich je schrieb, seitdem ich lebe. –

Noch eins: Schark machte es heute Abend wieder so toll, dass ich ihm geradezu meine baldige Abreise eingestand, zum Glück für meine Uebereilung war er zu hochmütig um es zu glauben. – Ist das nicht ein erbärmliches, schwaches geschöpf? Eine viertel Stunde nach dem Streit wusste er von allen Bitterkeiten nichts mehr, die ich ihm gesagt hatte. – Wie oft verbot ich ihm schon das Zimmer, und doch drang er sich durch meine Base wieder ein; nein, da hilft nichts, als meine Entfernung. – –

Gottlob, dass Deine Eltern nun auch wieder etwas ruhiger sind. – Es war doch immer gut, dass wir in der ganzen Sache gelassen und behutsam handelten; dass ich meine angewöhnte Offenherzigkeit ablegte, dass ich meine Liebe zu Dir nirgends verriet. –

Immer war mir sonst der Grundsaz eigen, Liebe nur für Einen Mann ohne Eigennuz sei Tugend, von der man öffentlich sprechen dürfe, aber die Verläumdungssucht hiess mich diese Tugend für mich im Stillen geniessen und sie nicht den Schandmäulern und dem Vorurteil bloss geben. – Gute Nacht besster Gatte! – Gute Nacht! – – –

Deine Nina.

L. Brief

Gerade zehn Uhr, und eben hörte ich auf mit aller Begeisterung an Deiner Philosophie zu deklamiren, dieser Aufsaz ist gar zu herrlich geschrieben, ich kann ihn nicht genug lesen! – Alles ist jetzt Geist, Feuer und