, die mich unschuldig von sich stossen, es ist hart, Friz, für ein fühlendes Herz, Ungerechtigkeiten zu dulden! – – Lebe wohl, und vergiss nicht Deine liebende gattin. –
XLVI. Brief
Endlich sind meine Ahndungen erfüllt, und der Erzbösewicht Holbaur hat uns bei Schark verraten, folgende Unterredung wird Dich davon überzeugen.
Schark.
(Mit heimlicher Galle.)
Wie kommt's Madame, dass Sie heute nicht ausgehen, Oder ist vielleicht die tägliche Zusammenkunft hier im haus festgesezt? – –
Ich.
(erschrokken)
Zusammenkunft, was für eine Zusammenkunft? –
Schark.
Täubchen, stelle Dich nicht so unschuldig, Dein Gesicht verrät Dich! –
Ich.
(mich fassend.)
Freilich mein Herr, so weit habe ich es in der Verstellungskunst nicht gebracht, wie Sie, möchte es auch so weit nicht bringen; – denn ihre Laster....
Schark.
Donner und alle Wetter! – Was reden Sie da von Lastern? – Wollen Sie mich durch diese Beschuldigungen von meinem Verdacht abbringen? – – Es wird Ihnen nicht gelingen, ich bin zu gut von Ihrer heimlichen Intrigue mit dem jungen G... unterrichtet, und wagt er noch einen Besuch, dann nehme ich meine Rache an Ihnen. –
Ich.
Daran tun Sie sehr wohl, es ist immer leichter sich mit einem hülflosen weib herum zu balgen, als mit der Degenspizze eines ehrlichen Mannes. – Uebrigens haben Sie mir nichts zu verbieten, Sie sind mein Mann nicht. –
Schark.
Aber doch Ihr versprochner Bräutigam, die ganze Stadt ist Zeuge, und mehr brauche ich nicht um überall Recht zu finden. –
Ich.
Die Bande die Sie leichtsinnig zerrissen, kann eine ganze Welt mit all ihrem Reichtum nicht wieder knüpfen. – Mein Herz und meine Vernunft haben ihre eigne Rechte, was kümmert mich das Urteil Anderer, ich wähle für mich....
Schark.
Was, Unverschämte! – Was? Jemand andern wählen als mich? – Wer untersteht sich so etwas zu sagen? – Wer? – – (Hier sprang er so wütend auf mich zu, als ob er mich erwürgen wollte, und lärmte so laut, dass ich um öffentliche Schande in der Rachbarschaft zu verhüten,
nachgeben musste.)
Siehst Du Friz, dass mit dem tollen, brutalen Burschen gar nichts anzufangen ist. – Sag selbst, wer möchte sich ihm widersezzen? – Und wenn ich es auch wagte, was würde es mich nüzzen? – Soll ich mich seinen Misshandlungen bloss geben, obrigkeitliche hülfe anrufen und meinen guten Namen dabei in's Geschrei bringen? – Oder Deine Eltern durch solche Auftritte noch mehr in Harnisch jagen? – Da ist keine andere Rettung übrig, als meine Entfernung. –
Deine Nina. – –
XLVII. Brief
Ich bin gestern im Schreiben unterbrochen worden, Du warst doch nicht böse, dass ich so geschwind abbrach? – Freundinn Sch... kam auf mein Zimmer, und ich musste schliessen. Indessen dauern meine Leiden vom gestrigen Auftritt noch immer fort, o ich war die ganze Nacht durch so krank an Leib und Seele, dass es kein Sterblicher ausser Dir zu fühlen vermag! – Du kennst mein schicksal, Du weist mehr davon, als alle Andern, und Dich musste gerade das Unglück treffen, eine Misshandelte zu finden, sie zu lieben, Tage mit ihr durchzuweinen, die Du Besster unter Freude und Wonne zu verträumen verdienst. –
Nun denn du gütiger Gott im Himmel, lass mich dulden an der Seite eines so gütigen Gatten, eines Biedern, der es sich zur Pflicht machte, mich zu retten aus den Händen eines Undankbaren, der mich im Stillen so grässlich martert! –
Mein Gott, ich spreche jetzt so warm von Rettung, gerade als ob ich bloss an Rettung und nicht an unsere Liebe dächte, die doch bei aller meiner finstern Schwermut so brennend in meinem Herzen wohnt! Vergieb Teuerster, wenn Wehmut mein erstes Gefühl war, ich bin Mensch, ich bin Weib, ich bin schwach, ich habe zu feines Gefühl, ich leide schon lange. – Stüzze mich, halte mich, wenn ich aus schicksal hinsinke zum tiefsten Kummer, der so heimlich in meinem Busen wütet! – Ich weis, dass ich mir um Deinetwillen Selbsterhaltung schuldig bin, ich tue auch alles, was ich kann, aber ist es meine Schuld, wenn es mich bisweilen übermannt? Wenn der Gram in meinem Körper Wirkungen hervorbringt, die zu unterdrükken nicht mehr in meiner Gewalt stehen? – Ich will kämpfen, ich will dulden, ich will leiden, aber lange kann es deswegen gewiss nicht mehr dauern, es muss bald brechen, oder ich werfe mich Dir öffentlich in die arme, kette mich fest an Dich, und Du magst dann tun was Du willst! – Meine Liebe wird Dich zum stärksten, feurigsten Mitleiden auffodern, Du wirst mir dann aus Barmherzigkeit eher den Dolch in's Herz stossen, und mein Leben zu meiner Ruhe enden, wenn Dir das schicksal, oder böse Menschen den Weg mit Gewalt abschnitten, mich zu retten! –
Nimm diesen Kuss mit der wärmsten Träne des Kummers gemischt! – – Komm heute so frühe als möglich – und habe Gedult mit Deiner gebeugten
gattin. –
XLVIII. Brief
Guten Morgen, Lieber, Besster, guten Morgen! – Bist Du nicht wieder besser? – O sage doch zu meiner Glückseligkeit, ja! – – Sag es