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dies Wörtchen so

viel zur Sache tut. –

Soll mich doch wundern, was das schnippische eitle Kreatürchen von meinem Brief sagt? – – Ei dass Dich! – So muss ich Dich denn völlig erkämpfen? – – – Warte nur, aufgeblasner Junge, vielleicht kommt auch noch die kämpfende Reihe an Dich. – Das Mädchen würde doch nicht uneben für Deinen Brausekopf taugen, wenigstens liefe er nicht Gefahr untätig zu werden. – Ihr Hochmut und ihre Eitelkeit würde ihm schon zu schaffen geben. – Hu! – Hu! – Da gäbe es ein abscheuliches Leben unter euch zweien! – – Immer spötteln, und nichts als spötteln, wirst Du denken. – Ja warum bekam ich auch so vielen Anlass zum spotten. – Es würde mir eine flegmatische Sünde scheinen, Dir nicht auch ein bischen Eifersucht merken zu lassen. Eifersucht? – Ha! – ha, ha, hi, hi, zu so etwas gehört ein anderer Gegenstand, als so ein dummes rohes Gänschen. – Nimm hin diesen Kuss von

Deiner

gutlaunigten Nina.

XXXVII. Brief

Abends.

Kann man sich etwas tolleres denken! – Kaum bist Du fort, morgen kömmst Du wieder, und doch sizze ich schon wieder da und schreibe an Dich. – Höre, Friz, wenn das Ding so fort geht, so wird unsere Liebe zum grössten staates-Geschäfte. – Es ist ja fast keine Stunde im Tag, wo wir nicht an einander schreiben, oder verstohlner weise beisammen sizzen, oder andere Leute plagen, dass sie uns wechselseitig von einander erzählen, oder an einander denken, träumen und schwärmen. Ha! – Wahrlich so geht es ja allerliebst! – So unersättlich in der Liebe war ich in meinem ganzen Leben noch nie, bis der niedliche kleine Sprudel-Kopf kam, und Feuer in mein Herzchen warf. – –

Was hältst Du nun vom heutigen Tag? Das war ein rechter Durcheinander von beiderseitigen Launen. – Weist Du auch, dass Du wieder alle augenblicke auf dem Punkt stundest, Deine gewöhnliche Laune zu bekommen? – Weist Du auch, dass ich Mühe hatte Deine kleinen Wallungen zu dämpfen? – – Du TrozKopf! – Du Starr-Kopf! – Du Eigensinniger, Du Brauser, – Du – – – Du – – – – – – – – – – – – – ssern wollte, und stopfte ihr mit einem Duzend überraschenden Mäulchen den Mund. – – –

XXXVIII. Brief

Guten Morgen Herzens-Mann! – Guten Morgen! Hast Du auf den gestrigen schönen Abend wohl geschlafen? – Ich nicht ... aber doch träumte mir von Deiner Liebe, o sie erschien mir in Engels-Reinheit! – –

So glänzend wie die schöne-Morgensonne, und so voll Trost für künftige Glückseligkeit, dass ihr unmöglich ein Sturz drohen kann. – Du feuriger Biedermann, wie Du gestern Abend so beredt, so innig das Wort nahmst! – Und doch drang mir eine von Deinen Reden etwas ins Herz; studiere doch meine Empfind samkeit besser. – Es ist wahr, ich beleidige durch grillenhaften Kummer den Bessten auf der Erde, aber wenn man in der Liebe immer ist betrogen worden, und nie, bei Gott, nie betrogen hat, o dann zittert man über den blossen Schatten! –

Die Treue Deiner Liebe wiegt mich zwar in den entzükkendsten Wonne-Taumel ein, aber desto schröklicher würgt mich dann der Gedanke Deines Verlusts, wenn er gerade zur nämlichen Zeit in mir unwillkührlich aufsteigt. – Trage Geduld mit mir, bald hört dieser Kummer auch auf. – Noch habe ich eine harte Prüfung, Abwesenheit auszustehn, aber dann entweder Tod, oder glücklich, ungestört an Deiner Seite, geschworen sei es!! 1 –

Du stellest Dir meine Abwesenheit immer leichter vor, täusche Dich nicht, Holder, sie ist hart, und sie wird Dich vieles kosten! – Denn jetzt sind wir an die lieben göttlichen Stunden unsers Umgangs zu sehr gewöhnt. – Gott gebe Dir mit mir Stärke, und so wollen wir harren bis sie reif wird die Glückseligkeit unserer Vereinigung. – Nun lebe wohl, innig geliebter Friz, das wünscht Dir Deine liebende

Nina.

XXXIX. Brief

Guten Morgen teurer Gatte! – Guten Morgen, nebst einem warmen Mäulchen. Ich habe heute Nacht wieder mein gewöhnliches schicksal erlebt, folglich gar, auch nicht eine Stunde geschlafen. – Bist Du jetzt wieder gelassner? – Ist Deine kleine gestrige Wildheit vorüber? – – Hast Du keinen Verdruss gehabt? – Alles kümmert mich, was Dich angeht, so bald ich keine Gewissheit davon weiss. –

Gestern Abend war ich recht boshaft, nicht wahr? – Warum hast Du aber auch so mit mir gebrausst? – Du weist doch, dass ich es nicht leiden kann. – Gewöhne Dir es doch aboderich fange mich wieder an zu schminken, ganz gewiss tue ich es Dir zu Leide, wenn Du Dich nicht besserst. – Hörst Du! – – –

Uebrigens ist es recht gut, Herzchen, dass wir bald in eine andere Lage kommen, es wird Dich wohl auch, wie mich, recht sehr darnach verlangen. – Ich wenigstens kann diese Abänderung kaum erwarten. – An einem andern Orte können mir doch Deine Verwandten Deinen ahnenmässigen Adel nicht mehr vorwerffen, auch ihr Reichtum wird mir nicht ferner unter die Nase gerieben werden. – – Kurz das Vorurteil, das unsere Verbindung bis jetzt so unmenschlich hinderte, wird an einem