1788_Ehrmann_010_21.txt

hinschlummern lassen ins andere Leben! – Heute kann ich gewiss wieder nicht schlafen! – Dass Du auch so viel Gutes an Dir haben must, um mich zum entzükkenden Taumel hinzureissen. O Du Holder, Trauter mit Deiner reizenden Seele! – Ich küsse Dich hier vor Gott! – – Nina ewig die Deinige.

XXXVI. Brief

Mein Besster!

Werde nicht stolz, junger Herr, wenn ein unbesonnenes schamloses schlecht erzogenes Gänschen so beherzt um Deinen Besiz buhlt! – Bald wird es um Dich eine blutige Fehde absezzen, wenn ihr mein Brief den Mut nicht abgekühlt hat, mir fernere Grobheiten zu schreiben. – Lies Beilage nebst der Antwort und lache! – – –

Madame!1

Ich kann nicht unterlassen Ihnen zu sagen, dass ich Ihnen über die Verführung meines Bräutigams herzlich feind bin! – Sie wenden alles an, meinen Friz immer mehr und mehr an Sie zu lokken, und das ist für ein honnettes Frauenzimmer (wie Sie sein wollen) gar nicht räsonnabel. – Dann der junge Mann wird mir, und nicht Ihnen zu teil werden, seine Eltern haben es den meinigen heilig versprochen. – Nebst allem dem bin ich reich und schön, das sind gewiss Qualitäten, die Sie nicht besizzen, – und von ihrer blossen Vernunft werden Sie gewiss schmale Bischen zu essen bekommen, besonders wenn Sie fortfahren, aus den vermaledeiten gelben Blättern zu studieren, dann werden Sie ohnehin kein Glück noch Segen erhalten. – Auch sagte man mir, Sie wären um einige Jahre älter, als Frize, und hätten viele Blatter-Narben im gesicht, sehen Sie also, dass Sie mir lange nicht an die Seite stehen dürfen. – Ich weiss recht gut, was recht und billig ist, und ich sage Ihnen, Sie werden am Ende bei der Historie doch den Kürzern ziehen. –

Folglich wollte ich Ihnen meine stolze Madame wohl raten, den jungen Menschen nicht ferner zu verführen, oder Sie sollen sehen, wie weit es unsere adeliche Familie treiben kann! – Sie müssen jetzt Friz als meinen versprochnen Bräutigam betrachten, und Ihnen keine fernere hoffnung machen, das sagt Ihnen ....

Eleonora von .....

Antwort.

Mademoiselle! – –

So mannsüchtig, unbesonnen, pöbelhaft Ihr Brief auch immer ist, so will ich mir doch die Mühe nehmen, ihn zu beantworten, und noch dazu Saz für Saz. –

1.) Wie kann ich Ihnen einen Bräutigam verführen, wenn Sie noch keinen besizzen? – – Ist Ihnen aber mit einem Wesen gedient, das weder Herz noch Neigung für Sie fühlt, je nun, dann rate ich Ihnen sich statt Ihren Bräutigam eine leblose Statue zu kaufen, denn Friz h a t gar nicht Lust sich auf solche Art verhandeln zu lassen. – – –

2.) Muss ich Ihnen schwören, dass es mich nicht die geringste Mühe kostete, Friz an mich zu lokken, er kommt von selbst gerne, weil er mich liebt. – Einen Liebhaber, der mich freiwillig besucht, empfangen, ist gewiss ehrbarer, als ihm nachlaufen, oder sich ihm durch Briefe aufdringen.

3.) Ob der junge Mann Ihnen oder mir zu teil wird, ist gar keine Frage mehr, denn jedes geschöpf wird frei geboren, und darf sich eine gattin nach eignem Willen wählen, Eltern haben hierinnen nichts zu befehlen. –

4.) Dass Sie reich und schön sind, ist ein Ungefehr, und in den Augen eines Denkers eine pralende Bettelei, die nur zu leicht die Glückseligkeit einer Ehe stören kann. Der sich selbst fühlende Mann heiratet lieber ein edeldenkendes Mädchen, als eine vergoldete Schönheit, die ihm in der Ehe durch ewigen Vorwurf seine Tage trüben könnte.

5.) Wenn ich Vernunft besizze, so soll Sie für mich ein ewiges Kapital bleiben, das mich mit Beihülfe eines Gatten für Mangel schüzzen wird. – Ob ich denn an seinem liebevollen Busen bürgerlich oder adelich leben werde, können nur Dummköpfe ahnden, die an Ueberfluss gewöhnt sind. –

6.) Mademoiselle müssen sehr wenig gelesen haben, dass Sie das Wort Belles-Lettres nicht auszusprechen wissen. Ich empfehle Ihnen einige gutgewählte Bücher von dieser Gattung, damit Sie aufhören, aus Vorurteil Ihre Nebenmenschen zu verdammen.

7.) Dass ich um einige Jahre älter bin, als Friz, und Blatter-Narben im Gesicht trage, ist ganz wahr. – Aber dem ungeachtet kann ich Sie versichern, dass ich diese Kleinigkeit noch nie an meines Frizzens Küssen bemerkte, sie waren immer so feurig, so begeistert, als sie es je an der Seite eines ganz schönen Mädchens sein könnten.

8.) Sie müssen doch nicht wissen, was recht und billig ist, sonst würden Sie selbst sehen, dass gerade diejenigen Mädchen den Kürzern ziehen, die sich selbst beim andern Geschlecht wegwerfen und bloss geben. – – Pfui! – Bei so etwas laufen ja die MannsLeute schon von weitem! –

9.) Bleibt der junge Mensch immer und ewig das Eigentum der stolzen Madame, und wenn sich ihre adeliche Familie auf den Kopf stellte! – Folglich kam ihr Rat bei mir zu spät. – –

10.) Ist Friz eben so wenig Ihr versprochner Bräutigam, als Sie je durch ihre denkart einen andern erhalten werden, wenigstens keinen, der denkt. Frazzen von Ihrer Gattung muss man bedauren, das sagt Ihnen....

Nina von ....

ja, ja, auchvon,

wenn