vom Zimmer, Herr Jesus! – Was er mich mit seiner augenbliklichen Schwärmerei in Verlegenheit sezte! – Sie kam mir so unvermutet. – – Gott was ist dies für ein widersprechendes geschöpf! –
Mich dünkt, er ahndet den Verlust meiner Liebe und weis sich dabei nicht zu helfen. Das heisst wohl ein elendes wankendes Gefühl, wenn man etwas eben so leicht vergöttert, als es leichtsinnig beleidigt. – Doch genug hievon; so etwas ist nicht für Deine Ohren. Ich will Dir lieber sagen, dass ich Dich mit der wärmsten Zärtlichkeit liebe, dass unsere kleine Trennung beim ersten Wiedersehen soll eingebracht werden, so viel für heute von Deiner besten
Nina.
XXXIII. Brief
Tausend Küsse zum guten Morgen Herzliebchen? – Du hast gewiss gut geschlafen? – Wer könnte nach so seligen ungestörten Stunden daran zweifeln? – –
Ja wohl waren wir ungestört, ungesehen von unsern Feinden, glücklich in der frohen Heimat der natur, unter der Aufsicht eines Schöpfers, der uns liebt, und den wir wieder lieben! –
Siehst Du Friz, wenn sich zwei Menschen mit einem Herzen, und mit hellem Kopf treffen, so kann ihnen die Unterhaltung nie ausgehen. – Für uns sollten die Stunden immer länger dauern, als für andere Leute, weil wir uns so vieles zu sagen wissen. Unter tausend Paar Liebenden drükt gewiss neun und neunzig Paar die Langeweile, wenn sie sich so oft sehen, wie wir uns sehen. Aber wir ... O du lieber Himmel, wir sind unersättlich im Wunsch der ewigen Daur unsers Umgangs. Was Du mich gestern wieder so brav unterhieltest, mit welcher Engels-Güte Du das Bild des unglücklichen Scharks entwarfst! –
O Friz, es kann Dich nicht kränken, ich gestehe Dir, ich habe bis zwölf Uhr darüber nachgedacht, und konnte dem Elenden eine Träne nicht versagen, der wie ein Knecht seiner Leidenschaften dem nahen Abgrund zuläuft! – Gott! – Warum muss denn gerade ich mit einem weichen empfänglichen Herzen so etwas erleben? – Ich bin gestern äusserst schwermütig darüber geworden, und doch geht Deine Ruhe, und meine Gesundheit vor! – Ich darf dieser Schwermut nicht nachhängen, weil ich ihn ohnehin nicht retten, nicht bessern kann, ohne mich selbst zu stürzen. – –
Friz! – Lieber guterziger Friz, bedaure ihn, Du bist ja gewohnt edel und brüderlich gegen Verirrte zu handeln. – – Und nun kein Wörtchen von dem mehr.
Hast Du Freund K... heute noch nicht gesehen? – – Haben Deine Eltern nichts gesagt? – – Hast Du meine Briefe gut aufgehoben? – Bring doch immer den Schlüssel mit, wenn Du zu mir kömmst, sonst könnte es wieder neuen Lerm absezzen, wenn Du den Schrank offen liessest und man meine Briefe fände. – –
Deine beste Nina.
XXXIV. Brief
Holder, guter, sanfter Friz! – Gerade zehn Uhr, und ich bin sehr ärgerlich, weil mir Schark wieder nicht von der Seite weichen wollte. – – –
Nun will ich Dir aber mit inniger Wärme gute Nacht wünschen und Dich bitten, morgen so früh als möglich zu kommen. – Noch eins! Freund K... war heute bei mir, und klagte über Deine Spässchen, die Du immer mit ihm treibst, nekke ihn doch nicht so unbarmherzig den guten Jungen, oder wenn Du ihn nicht in Ruhe läst, satirisiere ich Dich dafür. – Wir sprachen lange von Dir, frage ihn einmal, wie ich wieder schwärmte? – jetzt schläfst Du gewiss schon, Du Liebling meines Herzens! – Ruhe sanft von den Küssen Deiner lieben Nina eingewiegt, zwar nur noch ein Traum, aber doch ist es süss so etwas zu fühlen und zu träumen! – Gute Nacht Trauter! –
Nina.
XXXV. Brief
zwölf Uhr vorbei, aber im Bette es aushalten, das kann ich nicht! – Ich las den Aufsatz Deiner Philosophie, sprang aus dem Bette, riss dies Briefchen auf, und muss Dir, herrlicher Junge, sagen, was ich fühle! – So viel ist gewiss, dass ich bei Durchlesung dieses Aufsazzes laut weinte, die hände gegen den Himmel rang, und den Allmächtigen mit Innbrunst um Deinen Besiz anflehte! – Gott! – Was bist Du für ein Engel, der bloss kommen musste, um durch Deine erhabenen Begriffe von Gott mir Beruhigung zu geben. – Du bist also mein Führer, mein Tröster, mein Freund, mein Gatte, mein Lehrer, fasse diese Wonne, wer da will, ich kann sie nicht fassen? – Ich bin zu voll, zu unerschöpflich von dem Bild einer glücklichen Zukunft angefüllt! – O Friz, und das alles schriebst Du, das alles empfandest Du? – –
Teurer Jüngling! – Deine reine erhabne Seele fliegt weit über die meinige hinaus in den geläuterten Begriffen von menschlicher Bestimmung! – Ich bin durch das schicksal verstimmt worden, gutes fühlendes Herz liegt in mir, aber keine völlige Aufklärung der Begriffen, die mich im Leiden hinlänglich beruhigen könnten. – Sieh, ich bin so aufrichtig, dass ich selbst vor Gott nicht aufrichtiger sein könnte, aber wer auch an Deiner Seite nicht ganz Christ wird, der ist gewiss für immer verloren! –
Lass mich, Besster, an Deinem Busen Tränen der Wehmut weinen! – Dass ich Dich so lange entbehren musste, dass Du erst jetzt kamst, um meine Seele zu stärken zu jener Ergebenheit, die in Deinen Armen mich einst ruhig wird