1788_Ehrmann_010_19.txt

, was mit ihrem G... vorgeht. – Aber ich kenne ihre Hizze, und will lieber schweigen. –

Ich.

Herr, Sie sind ein Abgesandter der Hölle! – Wenn Sie mich noch länger peinigen! – – Doch was brauche ich auch bei Ihnen um Nachricht zu betteln (aufspringend) Frizens wohnung ist ja nicht ferne. – – –

(Hier lief ich zur tür, aber der Bube hielt mich

zurück.)

Holbaur.

Gelassen Madame! – Und mir keine ferneren Vorwürfe, oder Schark erfährt ihr ganzes Betragen! – (jetzt fuhr mir Schauder durch den ganzen Leib, und die Furcht einer neuen Kabale machte mich zittern! –)

Ich.

(mit verbissnem Grame) Nun so reden Sie doch endlich, oder die geschichte nimmt ein grässliches Ende! –

Holbaur.

Sie haben sehr übel getan, mich nicht zu ihrem beiderseitigen Vertrauten zu machen. – Doch zur Sache. – Freund G... sollte eine reiche Wechslers Tochter heiraten, und als er sich widersezte, sperrten ihn seine Eltern ein. –

Ich.

Jesus Maria! – Mein Friz eingekerkert! – Mein Friz, wie ein Missetäter gefangen! – Und das wegen mir! – Gott! – – (häufig rollten hier meine Tränen.)

Holbaur.

Also auch so verliebt wie er? – – Ei! – Ei! – –

Ich.

Ja Plagteufel! – Ja! – Und damit Du siehst, dass ich Dich, und Deinesgleichen nicht fürchte ... (Ich wollte mich von Ihm loswinden, aber er war stärker.)

Holbaur.

Gelassen Weib! – Oder Schark....

Ich.

Ha! – ha! – wie mir der eigennitzige Satan Moral predigt! – – Lass mich Kerl! lass mich! .... Mein lautes Geschrei brachte die Hausleute und mein Mädchen ins Zimmer, der Heuchler gab mich für wahnsinnig aus, man bemächtigte sich meiner, ich sank in Ohnmacht, und als ich erwachte, war mein erstes Wort Friz! – Um Gotteswillen gebt mir meinen Friz!!! –

Mein Röschen hatte vom Doktor den Auftrag, mir sehr gelinde zu begegnen, das arme Mädchen zitterte, weil ein neuer Anfall sich meiner Sinnen bemeisterte! – – Ich bin jetzt zum fernern Schreiben zu matt, ich kann Dir also bloss noch sagen, Friz, um Deiner Nina willen sei standhaft, lass Dich nicht beugen! – Wenn Du anders meine Seligkeit nicht verscherzen willst!!! – Deine ewig, ewig

treue Nina.

XXX. Brief

Haben Sie Dich endlich wieder losgelassen Deine tigermässigen Eltern? – Es war auch hohe Zeit, sonst hätten Sie ihre Tirannei zu spät bereuen können! – Dass man doch das Gefühl gewisser tierischer unbeseelter Menschen bloss mit Gewalttätigkeit erweichen kann? – – Ich möchte das Gesicht Deiner Mutter gesehen haben, als Du vor ihren Augen Deine Terzerolen laden wolltest. – –

Nicht wahr, Du wolltest Pillen einnehmen, um Dich einer Tieger-Welt zu entreissen, wo Eigennuz und Ehrgeiz Deine Mörder ohnehin geworden wären.

Sei versichert, ich würde Dir gefolgt sein wenn mir auch meine weibische Zagheit den Mut zu dieser selbstmörderischen Reise versagt hätte, so würde doch die Krankheit, die ich mir auf den Hals zog, gewiss meine Retterinn geworden sein, der Gram hat im Elende auch seine süsse Hofnungen. –

Noch glaubt mich der Doktor nicht aus der Gefahr, weil von Zeit zu Zeit Konvulsionen und Blutsturz zurückkehren. Ohne meine äusserst starke natur hättest Du Deine Nina schon nicht mehr. Eile heute so geschwind als Du kannst, zu mir, auch jetzt muss ich wieder vom Schreiben wegeilen, sonst lermt der Doktor, weil er mir ausdrüklich jede Nerven-Anstrengung verboten hat, komme, Deine Nina erwartet Dich. – –

XXXI. Brief

Dass Du mich so lange nicht besuchen darfst, will mir gar nicht behagen, um so weniger, da meine Gesundheit fast wieder hergestellt istIndessen will ich mir auch das auf einige Zeit gefallen lassen, aber nur auf einige Zeit, wenn es Dir Ruhe schafft, ob es gleichwohl die grässlichste Marter ist, von Dir entfernt seufzen zu müssen! – Dies Leben muss sich bald ändern, oder bei Gott, ich schreie es auf dem öffentlichen Markt aus, dass Du mein gehörst, und dass ich Dich in Ewigkeit nicht lasse!!! – Wenn das Volk diese Neuigkeit genug gehört hat, dann wird es aus Gewohnheit müde werden, davon zu plaudern, selbst Deine Verwandten werden die Unmöglichkeit einer Trennung einsehen, und schweigen! – Verschone mich doch mit Deiner kalten raisonnierenden Moral, Du kennst ja doch Deine feurige

Nina.

XXXII. Brief

Lieber teurer Friz, es ist doch gut, dass die Drangsalen in der Welt auch wieder mit Ruhe abwechseln, wenn sie zu sehr an Schmerz grenzen. – I c h schlief heute Nacht herrlich, und meine Gesundheit ist nun auch wieder völlig hergestellt. –

Hat Dir Dein Freund K... nichts gesagt? – Er und Röschen haben mir gestern die Langeweile vertrieben, ich quälte ihn ziemlich, er musste mir immer von Dir erzählen, und sagte mir doch nie genug.

Morgen kommst Du erst um halb drei Uhr, ich sage Dir dann mündlich die Ursache, aber ja nicht später. Wie war es Dir denn gestern? – – Ich hätte Dich bald durch Deinen Freund holen lassen, wenn ich nicht neue Verdriesslichkeiten besorgt hätte, auch ging Schark lange nicht