1788_Ehrmann_010_18.txt

hätte ich doch die Deinigen nicht geglaubt! – Und mir drohen? – Die Elenden! – Mir? – Ha! kommt nur ich will euch empfangen! – Ihr sollt die Wut eines liebenden Weibs kennen lernen! – – Zittern sollt ihr, oder weichen! – Eigennuz, – – Verdammtes, höllisches Laster, Du schufst Barbarei in des Menschen Gehirn!!! – –

Verkuppeln wollen sie Dich also? An wen denn? – Warum nennst Du mir die glückliche Prinzessin nicht, der Du Falschheit auftischen solltest, weil Dein Herz mein gehört! – Merk Dir's Jüngling, es gehört mein, und sollte ich seinen Besiz durch Blut erringen! Mögen dann die Dummköpfe über meine Heftigkeit lachen, das kümmert mich nicht! – Ich halte mich in der Liebe an Mutter natur, sie schuf unser Herzen ohne politische Neben-Absicht, bloss zur Liebe, und ich will ihre Rechte so lange verteidigen, bis Menschen-Bosheit meine Kräften durch Gewalttätigkeit schändet!!! –

Aber dazu werden es doch Deine Verwandten nicht bringen, der Monarch hat Ohren, und ich habe Mut und Entschlossenheit ihm Dinge zu entdekken, die er als Mensch verteidigen muss! –

Narren sind das, kalte Narren, die Hindernisse in der Liebe nicht zu übersteigen wissen. –

Ich wundere mich nicht über das Gespötte, das sie über die Beharrlichkeit meiner stolzen Seele treiben werden, ich wundere mich nicht, dass sie Standhaftigkeit und grosse Leidenschaften für überspannte Torheit halten. Wie kann ihr Schnekken-Blut in eine edle feurige Wallung kommen, um männliche Vestigkeit zu begreifen? –

Glaube sicher Friz, wer über unsere geschichte lacht, wer sie für unbegreiflich hält, der ist gewiss in der Liebe keiner Beharrlichkeit fähig! – Helden haben ihr entusiastisches Feuer, Patrioten ihren wahren Eifer, biedere Bürger feste Treue, und warum sollten Wahrhaftliebende keine Beharrlichkeit haben? – – Vorausgesezt, dass sie überzeugt sind, ohne NebenAbsicht zu lieben, so bald sie untersucht haben, ob es nicht bloss jugendliche Uebereilung ist, worunter feurige sehnsucht nach Genuss stekt, so bald sie wissen, dass die natur sie an einander kettete, so bald sie bei gegenseitiger Untersuchung einer reinen Kritik fähig sind; – Kurz, so bald zwei Köpfe zusammen kommen, denen es nicht an Menschenkenntniss fehlt, die lange vorher unter freundschaftlicher Beobachtung die gegenseitige Gemütsart untersuchten. – – Warum sollten solche Menschen nicht dem Vorurteil trozzen können? – Blinde Liebe, die bloss Eigensinn, Wollust, kindische Uebereilung, oder Empfindelei zu ihrem grund hat, artet leicht in ausschweifende RomanenZüge aus, aber geprüfte Vereinigung zweier denkenden Köpfe muss sich nicht stören lassen, wenn es der Dummheit einfällt, Bande zu zerreissen, die nicht aus Uebereilung geknüpft sind. –

Dass die unbesonnene Jugend bei Hindernissen in der Liebe nur zu oft eigensinnige, unvernünftige Streiche macht, will ich Deinen Verwandten gerne glauben. – Aber so etwas tun doch nur meistens AlltagsKöpfe, die ihr Ideal aus einem Roman entlehnten, und von ihren lüsternen Sinnen bei dem ersten anblick des geliebten Gegenstandes schon so berauscht werden, dass in ihnen keine moralische Besorgniss mehr wegen der Harmonie des Karakters aufsteigt. – Dann bereuen solche junge Leute bei ungestörter Freiheit meistens ihre Wahl. – Bei uns ist aber das der Fall nicht, wir brauchen weder Schulmeister, noch Gouvernante, um unsern harmonischen charakter untersuchen zu lassen. – Aus Erfahrung sind wir überzeugt, dass wir für einander taugen, kennen unsere Leidenschaften, empfinden wechselsweise die Güte unserer Herzen, rechnen nicht auf Nebenabsichten, und weh dem, der uns je trennen soll! – – So denkt Deine

Nina.

XXIX. Brief

Dass doch der Schurke Holbaur mir alle Schlangenbisse des Schiksals zuerst mit vermertem Gifte hinterbringen muss! – – –

Um Gottes Barmherzigkeit willen Du bist eingesperrt, und schreibst es mir nicht! – – Warte guterziger Lügner, Du sollst mir dafür büssen! – Schon war ich im Begriff in Dein Haus zu stürzen, und mit einem Mord-Gewehr mir den Weg dazu zu bahnen! – Wenn mich der sorgfältige Heuchler Holbaur und mein Mädchen nicht davon abgehalten hätten. – –

jetzt bewacht mich Röschen und erlaubt mir kaum an Dich zu schreiben, weil sie Wahnsinn befürchtet. – Als ich von dieser Nachricht ausgetobt hatte, kam Schark und fand mich noch sinnlos! – Vermutlich hat ihm Röschen eine andre Ursache vorgesagt, denn er ging wieder fort, ohne sich viel um mich zu bekümmern, dabei tat er aber auch sehr wohl, denn sein anblick würde mich noch kränker machen.

Höre nun meine Unterredung mit Holbaur und urteile von meinem damaligen Zustande. –

Holbaur.

(in sehr guter Laune.)

Guten Morgen schönes Weibchen! – Guten Morgen! – Warum so finster? – –

Ich.

(In sehr übler Laune.)

Damit Sie etwas zu fragen haben. –

Holbaur.

Glauben Sie, dass ich sonst keine Beschäftigung habe, als mich für mein gutes Herz hudeln zu lassen?

Ich.

Wenn Ihnen eine andere Beschäftigung mehr Vergnügen gemacht hätte, so wären Sie gewiss von mir weg geblieben. – Ihr gutes Herz kommt mir gerade so vor, wie ein wurmichtes angefülltes Stük Fleisch, das einem Unglücklichen in der äussersten Not zum Lekker-Bissen aufgedrungen wird. – –

Holbaur.

Sie sind doch heute grässlich verstimmt! – Wissen Sie es etwa schon? – –

Ich.

Was soll ich wissen? – Was? – Sollten meine angstvollen Ahndungen. – – –

Holbaur.

Sie sollen hören