1788_Ehrmann_010_16.txt

G... ist ein guter Junge, ob er gleich zuweilen ein Bischen brausst! –

Ich.

Das mag Sie wohl von fernern Plaudereien abhalten, denn sie wissen doch recht gut, dass sich G... nicht auf der Nase tanzen lässt. –

Holbaur.

O, er war immer mein Freund, und erst heute sprachen wir beide von Ihnen mit der wärmsten Entzükkung. – (Hier fiel mir die Unterredung ein, die Du einst mit ihm hattest, als er Dich von mir abwendig zu machen suchte. Und ich hätte den satanischen Lügner gerne bei dieser Heuchelei zum Zimmer hinaus geworfen; aber die Politik hiess mich schweigen. – Sonst stekt sich die Kanaille noch hinter Schark und schmiedet neue Kabalen. –)

Ich.

Dass mein Freund G.... mir gut ist, weis ich, ob aber Sie es so gut mit mir meinen, ist eine andere Frage? –

Holbaur.

O wüssten Sie....

Ich.

Stille mein Herr, ich höre draussen rufen! – (Hier trat nun gerade mein Mädchen ins Zimmer.) Siehst Du Friz, nun ist es deutlich und klar, der Bube hat Absichten auf mich. – O dürfte ich ihm doch das nächstemal die tür weisen! – Aber denn verfolgt er uns noch ärger, besonders jetzt, da er schon beinahe von unserer Liebe überzeugt ist. – Ich kann den zudringlichen Kerl auch gar nicht mit Spott vom Halse bringen, er fühlt keine Grobheit, kümmert sich um nichts, am wenigsten um finstere mürrische Gesichter. O es ist eine abscheuliche Sache um einen Mann ohne Ehrengefühl! – Deine beste

Nina.

XXV. Brief

Friz, lass mich auf der Stelle wissen, wo Du heute mit Deinem Freund hingegangen bist? – Ich sah euch beide nicht über die Brükke gehen, und es war mir nicht wohl bei der Sache. Augenbliklich fuhr mir allerlei durch den Kopf, bis mich Röschen versicherte, sie hätte Dich in dein Haus sehen gehen. – Dann wurde ich wieder etwas ruhiger. –

Bei allem dem bin ich heute so guter Laune; sieh Liebchen, wenn ich Dich da hätte, ich erdrükte Dich mit lauter Küssen! – Du bist doch ein allerliebster Junge! – Ein Engel, ein Liebling, ein vortreffliches Wesen, das mich lebendig zur Seligkeit hinreisst! – – Nimm hin diesen Kuss auf die Rechnung der reinsten feurigsten Liebe. –

Du glaubst also, ich soll gegen Holbaur nicht zu rasch handeln? – Ist das nicht eine elende Welt, in der man dem Laster noch gute Worte geben muss, damit es uns nicht ganz zu grund richtet! – – Bei Gott, Friz, ohne Deine Schadloshaltung möchte ich in dieser elenden Welt nicht mehr länger leben! – In einer Welt, wo der Schurke einen Freiheitsbrief trägt zur Bosheit! – Mache, dass wir bald vereinigt werden, damit ich nicht mehr ursache habe, mir vor dergleichen Leuten Zwang anzutun. So viel von Deiner guten

Nina.

XXVI. Brief

Nachts um halb 12 Uhr.

Schon so spät, und doch würde ich mich hassen, wenn ich, ohne Dir einen Kuss aufzudrükken zu Bette gehen könnte. jetzt sollst Du auch hören, was ich heute diesen schröklich langen Tag alles machte. –

Ungefähr um vier Uhr ging ich zu meiner lieben Freundinn Sch...! Dass sie mich mit Freuden empfieng, weist Du ohnehin. – – Ich traf, wenn ich mich nicht irre, im Dahingehen Deine Schwester, wenigstens war es ein Mädchen mit grossen schwarzen Augen, gerade so wie die Deinigen.

Um sieben Uhr musste ich wieder zu haus, weil ich Schark versprochen hatte, mit ihm spazieren zu gehen. Aber vorher drang die Freundinn Sch... schon in mich, mit ihm zurück zukehren, und bei ihr zu speisen. –

Mit welcher Laune ich spazieren ging, wirst Du leicht erraten, Ja und Nein, war alles, was Schark aus meinem Mund hörte. – Und während dieser eintönigen Unterhaltung kehrten wir wieder zur Freundinn zurück. Beim Nachtessen unterhielt ich mich recht artig. Schark brummte im Zuhausegehen nach seiner gewöhnlichen Art, weil es dem verzärtelten Grobian ber Himmel nur bald rette mich von diesem geschöpf! – –

Aber nun Liebchen, schläfst Du vielleicht recht sanft, träumst von mir, und bist zufrieden, selig! – O ich kenne Dich aller Welt Schwärmer, ich kenne Dich, warte nur Du Erzküsser! – Warte nur! – Ich möchte jetzt in dieser Stimmung recht gerne zu Dir eilen. Aber es ist ohnmöglich, es ist ohnmöglich! – O könnte Dich mein klopfender Busen aufwekken, könnte Dir mein vor Liebe wallendes Herz beweisen, wie feurig ich Dich liebe! –

Alles ist so feierlich still, kein Neid würde mich jetzt belauschen; wenn ich doch allmächtig wäre, und nur auf wenige Minuten zu Dir hinschleichen könnte! – Nu, das heiss ich träumen, das heiss ich umsonst fantasieren! – –

Auch habe ich heute wieder den halben Tag durch, doch ohne Dich zu nennen, bei der Sch... von Dir gesprochen. – Was das liebe Weib Dir gut ist! – Die Geister harmonieren, schrie sie voll Entzükken über meine Schilderung von Deinem charakter. – O was das wieder meiner leidenschaft schmeichelte! – Und doch war meine Schilderung nur ein Schatten gegen der Liebe meines besten Frizens. –

Nun kommt der Schlaf bei mir angestiegen, ich muss ihm wohl nachgeben