Du mich wieder einmal so schwach, wie heute sehen, o dann fliehe mich! – – Sonst könnte es leicht Deine und meine Ruhe kosten. –
Du bist ein Engel in der Bezähmung Deiner Begierden, Du hast Stärke über Dich und mich, aber Du musst nur wollen, und nicht immer durch tolles Schwärmen Dich und mich reizen. Bin ich denn so arm an Unterhaltung? – – Friz, richte Dich wieder so ein, wie Du warst, wenn Du nicht die Glückseligkeit meiner reinen Liebe mit Gewalt stören willst. –
Nenne es Vorurteil, nenne es Grille, nenne es Misstrauen, genug der Aufschub einer engern Verbindung dient mir zur Ruhe und versüsst mir die Stunden einer wonnevollen Erwartung. – Brause nicht wieder über diese Sprache, sonst liebst Du mich nicht absichtlos, dann weh Dir!!! – Ich mache Dir keine Vorwürfe, ich sage Dir bloss mit Aufrichtigkeit, was Du wissen musst. Sei also vernünftig, und erinnere mich auch daran, wenn ich es nicht bin. – –
Ich fühle wieder abscheuliche Kopfschmerzen, ich bin ganz weg heute Abend, und doch wenn ich stürbe, so weis ich mir die Ursache nicht anzugeben, warum ich so zerrüttet bin? – – Lass mich morgen ja nicht lange auf Dich warten, habe Mitleiden mit Deiner armen verstimmten
Nina.
XXIV. Brief
Guten Morgen lieber Herzens-Friz! – Hast Du wohl geschlafen? – Ich so – so –. Die ganze Nacht über dachte ich dem feurigen Grad Deiner Liebe nach, und fand, dass Dir kein anderer Sterblicher das Gleichgewicht halten würde. – Sei nicht böse, Lieber, wenn ich Dich manchmal mit meiner Zärtlichkeit quäle, verkenne nur das Wort Weib nicht in mir, denn schwach bleibt dieses Wort immer, und wenn es auch hundertmal eine Denkerinn ausdrükken kann.
Anhaltendes Unglück hat mir sogar die süsse hoffnung geraubt, mich über etwas mit wahrer Gewissheit freuen zu können! – Es ist nicht meine Schuld, es ist die Schuld des Schiksals, habe Gedult mit mir, Du wirst mich einst besser stimmen, wenn ich an Deiner Seite bin. – Du kennst mich, und was braucht es mehr, als die Wärme Deines schlagenden Busens um ganz Dein zweites Selbst zu werden? – – Ich bin so ein verzagtes Ding, Glückseligkeit in der Liebe ist mir so neu, und ich taumle denn so im Rausch dieser Liebe dahin, ohne es recht fassen zu können. – Du kennst meine Begriffe in der Liebe, weist dass ich durch sie noch nie glücklich war, ist es nun zu wundern, dass sie mir den Kopf schwindeln macht? – Beruhige mich, so gut Du kannst, das ist alles, wofür ich Dir ewig danken will! –
Ist das nicht ärgerlich! Nun unterbricht mich gar jemand!! O ich wollte, dass .... Ich höre Holbaurs stimme. Ha! – Der elende Kerl, soll mir bald vom Halse geschafft werden! – Gieb nur Acht! – –
Hier magst Du unsere wörtliche Unterredung lesen. –
Holbaur.
Madame sind doch nicht böse, dass ich mir die Freiheit nehme, sie zu besuchen? – Seit Ihrer Bekanntschaft mit Schark, bekömmt man Sie ja gar nicht mehr zu sehen; und die schönen Wittwen sollten sich doch auch der Welt zeigen. –
Ich.
Wozu mein Herr, sollte ich mich mehr der Welt zeigen, um mir vorheucheln zu lassen, oder selbst heucheln zu lernen? – Meine Eroberungen sind schon gemacht, und ich zweifle, ob sie mich je reuen werden. –
Holbaur.
Darunter wird doch Schark nicht gezählt? – –
Ich.
Und warum nicht? – –
Holbaur.
Hm! – Ich meine nur so, weil er mich eben so wenig der Mann dünkt, der Sie verdient, als andere, die um Ihre Hand buhlen. –
(Das war auf Dich gemünzt!)
Ich.
Habe ich Sie mein Herr je zum Ratgeber aufgefodert? – Oder sind Sie von ihren eignen Verdiensten so sehr überzeugt, dass sie glauben, andere mit solcher Gewissheit verdunkeln zu können? – Wenn ich Ihr stumpfes Gefühl nicht kennte, bald würde ich Sie aus Neid zum Nebenbuhler fähig glauben. –
Holbaur.
Ich Nebenbuhler? – Holbaur, und Nebenbuhler! Ha! – Ha! – Soll ich Ihnen beweisen, dass ich es nicht bin? –
Ich.
Ich wenigstens erinnere mich nicht, Sie je zu solchen Hofnungen verleitet zu haben. – So viel ich mich erinnere, so haben Sie sich in meine Bekanntschaft eingedrungen, ich duldete Sie gewisser Ursachen wegen ...
Holbaur.
Und daran taten Sie sehr klug, sonst würde ich erst vor wenigen Stunden Anlass gefunden haben, mich an Ihnen zu rächen. – Ob das gleich meine Sache nicht ist. –
Ich.
Sich an mir zu rächen? – – Lassen sie mich doch den Anlass hören; verschobene Rache ist oft gefährlicher, als die Rache selbst. –
Holbaur.
Der Anlass ist ganz natürlich. Sie unterhalten eine Bekanntschaft mit dem jungen G.... Seine älteren und Verwandten sind dagegen, und suchten dieses und jenes, von mir zu erfahren, weil sie wissen, dass ich Sie zuweilen besuche. – –
Ich.
Und warum haben Sie denn das, Dieses und Jenes, nicht erzählt, wenn sie etwas von Diesem und Jenem wissen? –
Holbaur.
Gott bewahre mich, dass ich ihre Freuden stören sollte! – Der junge