davon abhalten können! – Die Liebe hat sich an mir vergriffen, sie warf mir einen teil mehrerer Zärtlichkeit zu, als andern Weibern, alles macht mir Freude, was ich mit Deinem Andenken heiligen kann, die natur, die Menschen, alles ist mir jetzt lachender, weil Du für mich lebst. – O die Menschen ohne Liebe müssen wohl recht elend sein! – Nichts in der Schöpfung zu haben, an was man sich ketten kann, Ha! – Das ist wohl recht sehr traurig! –
Und wie fühlst denn Du Dich, Trauter? – Sage mir doch morgen mit tausend Küssen, dass Du das nämliche fühlest. – Traurig wünscht Dir nun Deine Nina gute Nacht – aber eben so liebevoll, wie an unserem Brauttage. –
Nina.
XX. Brief
Nein, Friz, so einen Tag, wie der heutige, möchte ich nicht wieder erleben! – Wie es mich so schröklich auf dem Herzen presste; wie Dein bedaurungswürdiger Kampf mich erschrökte! – Gott im Himmel, ich trage es nicht länger! – Ach! – Schone meiner, Friz, sonst muss meine Gesundheit wanken. Du warst zwar zurückhaltend und bescheiden, aber Deine Leiden drangen doch in mein Herz. – Ich fühlte, dass Furcht und Angst meine Seele peinigten, ich fühlte, dass sie verloren sein würde meine Ruhe, wenn Du nicht der Rechtschaffene bleiben würdest, für den ich Dich hielte, – Heimlich fluchte ich meiner Lage, dem schicksal und mir selbst, Du konntest meinen Kummer nicht bemerken, weil Dein eigner Dich zu sehr betäubte. Die Träne, die ich weinte, war bitter über die Entdekkung unserer beiderseitigen Schwäche. – Himmel! – Wie unglücklich wäre ich, wenn meine Sinnen sich verirrten, eh wir ganz beisammen sind! – – –
Furcht würde mich peinigen, Verzweiflung mein Herz zerreissen, ich würde es lebhaft vor mir sehen, das Grab unserer Liebe! – – O wenn Du mich liebst, kniefällig beschwöre ich Dich, mir diesen Gram zu ersparen! – Edler, guter, biederer, teutscher, junger Mann, halte es nicht für Ziererei, es ist bloss zitternde Furcht, Dich durch zu frühe Verbindung zu verlieren. – Bei diesem kummervollen Herzen, bei dieser von leidenschaft gespannten Brust, bei meinem verwirrten Kopf, schone Dich, schone mich! – Du warst zwar nicht unbescheiden, nicht zudringlich, aber, um Gottes willen, lass mir Deine Kämpfe nicht wieder so leicht bemerken! – Lass mich ruhig an Deiner Seite Deine Seelen-Vorzüge geniessen, wenn Du mich liebst, wenn Du nicht haben willst, dass ich mich zu tod gräme! – Mitleiden könnte mich bemeistern, ich könnte mich verirren zu meiner Qual, zu meinem Elende! – Ha! – Wie es mir jetzt schon so Angst ist! –
Das war heute seit unserer Bekanntschaft der schröklichste Tag! – Die schröklichste Schwermut, die ich je fühlte! – O Friz, wenn Du fühlen könntest, was ich heute litte! – Hilf mir tragen, sonst sinke ich zu Boden! – –
Bedenke einmal mein Elend bei der Bekanntschaft mit einem Menschen, der mich betrügt, erniedrigt, mit einem Herzen voll leidenschaft für Dich. Friz, rufe Deine Vernunft zu hülfe, sonst verlierst Du das Weib, das Deine Tage segnen soll! – Sei klug, überdenke die Gefahr, und tue, was Dir Deine Moral eingiebt. – Mein Mädchen ist Zeuge meines Zustandes, trostlos lag ich heute im Sessel, trostlos ohne Dich, bloss in der Gesellschaft meines Kummers! – Und Du, guter Jüngling, wusstest nicht, fühltest nichts von meinem Zustande? – Wärst Du gegenwärtig gewesen, Mitleid hätte Deine leidenschaft übertäubt, Du würdest sie in Ketten geschlossen haben, die Triebe Deiner natur! –
Wenn ich doch nur weinen könnte, ich möchte mein Schnupftuch zernagen, ich möchte die Stadt durchlaufen um mein Blut abzukühlen! – Friz, reiss es heraus dies elende Herz, das Empfindungen nährt, die mich elend machen! –
Fliehe mich! – – – Doch nein, um Gotteswillen nicht! – Heute leidet mein Verstand, ich merke es. – Wärst Du nicht, ich wollte der Liebe entwischen, ich wollte ihm Erleichterung schaffen diesem tirannischen Körper. – Heiland! – Was ich schwärme! Ins Tollhaus, ins Tollhaus mit einer solchen Närrin! – – Würde die rohere Gattung der Menschen sagen, wenn sie mich jetzt sähe. – Der Kopf ist mir auch so verstimmt, rette mich, ich beschwöre Dich, Du hast meine Seele auf Deiner Rechnung! – Fort zu Bette mit der armen kämpfenden
Nina.
Morgens.
Ich bin matter, Friz, aber nicht viel ruhiger, Gott, noch so eine Nacht, wie die vorgestrige und die heutige, mit so einem Tag begleitet, wie der gestrige, dann bin ich gewiss weg! – –
Ich habe wieder geträumt, dass ich in Deinem haus war, und dass mir Deine Mutter erniedrigend begegnet wäre; der Vater aber seie milder gegen mich gewesen. – Als ich erwachte, war das Kopfküssen nass von meinen Tränen. – Es spannt mich heute wieder schröklich auf der Brust, schikke mir Deinen Arzt, aber um Gotteswillen kümmere Dich nicht! – Es ist meine gewöhnliche Schwermut durch leidenschaft und Tränen aufgewekt. –
Morgen sehe ich Dich, und solltest Du auch nur auf einige Minuten kommen können. Bleib heute zu haus, Du würdest mit mir nicht allein sein können.