, und die Mädchen mit ihren kalten eiteln Herzen in den Gänsestall! – Hätte doch mein Lebtag nicht geglaubt, dass es so um die hiesige Jugend aussähe! – Ewigen Dank dem Himmel, dass Du mir noch unverdorben übrig bleibest! –
Doch weiter! – Als Du fort warst, kam Schark, ich sollte Dir zwar Klugheit halber nichts mehr von ihm sagen, aber jetzt muss ich es tun, damit Du doch auch etwas zu lachen bekömmst, denn nun begehe ich doch keinen Meineid mehr, wenn ich mich über ihn lustig mache. – –
Denke Dir nur, wie wir beide so beisammen am Fenster standen, führten die Leute plözlich einen Ochsen vorbei, der ein Bein gebrochen, da lief denn der kindische Bube, wie eine wahre Frazze, dem Spektakel nach, und ich und mein Mädchen lachten uns fast zu tod darüber! – Endlich kehrte er zurück, und es wurde bei uns zu Nacht gespeisst, da hab ich ihm denn mit einer gewissen Kälte abscheuliche Brokken hingeworfen, bis er endlich darüber stuzte, und mich fragte ob ich toll wäre, dass ich ihn so satirisch hunzen könnte? – –
Auf einmal ging er an mein Nacht-Tischchen, und fragte mich wieder, was denn das Geschriebene in dem Buch, (das Du mir geschenket) zu bedeuten hätte? – – Hm! – sagte ich, doch gewiss keine Untreue! – Dann war er mäuschenstille und ging.
Gewiss, lieber Friz, ich verachte ihn täglich mehr, ich fühle, dass er mich durch den Umgang mit seinen Kreaturen schändlich erniedrigt hat, ich fühle, dass ich fort muss, ich fühle, dass sich mein Stolz bei seinem anblick empört, ich fühle aber auch, dass es die Klugheit erfodert, sich zu mässigen.
Mein Gott, wer hätte dies je gedacht? – Aber weg davon! Sage mir, Lieber, was Du jetzt machest: – Gewiss auf Deiner Altane sizzen, ein Pfeifchen rauchen und an mich denken? – – O diese DämmerungsStunde ist so herrlich für die Liebe! – So stille, so hinreissend, so entfernt vom Kummer, so feierlich, so kühl, ach! – wäre ich nur bei Dir! –
Doch fort mit Deiner Nina ins Bett, mit Deinem Bildniss an ihrem Busen, mit Deinem Andenken im Herzen, und so soll ihr leztes Wort gute Nacht Friz sein! – Ha! – Du schöner reizender Name, der meine Glückseligkeit ausmacht! – – – – –
Nina.
Ich muss das geschlossne Billet wieder aufreissen, ich muss Dir den heutigen Traum erzählen, der mich sehr ängstigte! – Herr Gott! – Was ich für unglückselige Affekten besizze! – Bedenke einmal, ich traf Dich mit einem Mädchen bei einer Zusammenkunft! – Um Gottes willen, was ich da in Wut ausbrach!!! – Siehst Du, Friz, auch ohne Genuss kann man vor Eifersucht rasend werden! – Bei Gott! – Ich war ganz unsinnig! – Ich wälzte mich wie eine Verrükte im Traum herum, dann geriet ich in solche Hizze, dass mich das Nasenbluten aufwekte. – Es ist mir heute gar nicht wohl, dieser Traum hat mich entsezlich zusammen geschlagen, und doch sei dem Ewigen knieend Dank gesagt, er war bloss eine Lüge! – Da, Friz, dieser vom Traume nasse Kuss soll Dir beweisen, was ich fühle! – Lebe wohl bis auf Wiedersehen! Deine
Nina.
XIX. Brief
Nachts um zwölf Uhr.
Lieber Teurer! – Endlich von der Gesellschaft zurück, und nun zu Dir mit warmem Herzen, das so sehnlich auch mitten im Getümmel nur nach Dir klopfte. – In der Gesellschaft ging es heute sehr ungezwungen zu, jedes schäkkerte nach seiner Weise. – Die K... sang allerliebste naive Liedchen, ich wizzelte, ihr Mann machte Verse, R... lachte, J... nikte uns Beifall zu, und seine Frau stellte sich auch gar nicht uneben. – Wir assen ziemlich lekkerhaft, aber ohne die geringste Ziererei, gut Teutsch, und blieben bis neun Uhr Nachts beisammen.
Wir Weiber trieben die Männer recht sehr in die Enge, dass sie alle nichts mehr zu antworten wussten, bis endlich zwei Franzosen sich dazu gesellten, da wurde ich auf einmal finster, weil ich ihre Narrheit nicht leiden kann. – Ich glaube diese Windbeutel hüpfen einst noch über den Sarg hinweg. – Die K... bemerkte meine üble Laune und strich den Springern meine Wenigkeit gar zu sehr heraus; bald hätte mich diese Eitle rot gemacht. – Was kümmert mich der Beifall dieser französischen Affen? – Endlich führte mich die Familie J... zu haus, und ich traf ... Wen? – meinen Willen noch einige Gassen durchschlendern, aber überall vermisste ich Dich! Dass Du mir doch gar nie begegnest, wenn ich Dich gerne haben möchte! – Wo bist Du denn jetzt? – Denkst Du auch an Deine Nina? – Ist es Dir auch so sehnsuchtsvoll um's Herz, wie mir? – O lieber Friz, wenn sie nur schon vorbei wären die Tage der unerträglichen Trennung! – –
Noch einmal danke ich Dir für die warmen Küsse, die Du mir heute in die Gesellschaft mitgabst, ich war so munter, weil ich Dich noch zuvor gesprochen hatte. – Ich bin doch ein eigensinniges Ding in Sachen, die mein Herz betreffen, o da sollte mich selbst die Hölle nicht