durchaus, alle Männer gingen bloss auf den Genuss aus. – – Und ich sagte: nein, und zehenmal nein! – –
Mein Herz sagte mir heimlich, dass diese Frau nie einen Friz müsse gekannt haben, und es wurde mir bei dieser Erinnerung so wohl, so wohl! – – –
Endlich las ich ihr Deine und meine Briefe, aus der geschichte mit deinem ersten Mädchen vor, dann fing sie an recht gütig ihr Näschen zu rümpfen, und schwärmte in feurigem Beifall über deine herrliche Art zu lieben! – Auch schimpfte sie dabei tüchtig über das Bürgermensch, die zu Deiner Speichellekke
"Das mus ein vortreflicher junger Mann sein!" – – Fuhr sie fort – "Aber Sie haben ihn auch mit aller Macht in Ihren Briefen verteidigt. – Unser Geschlecht wird Ihnen gram werden, weil Sie so drauf los ziehen! –"
Ich antwortete – "Ja sehen Sie meine Besste! – Ich kann in der Liebe keinen Betrug dulden, aber bei Gott, auch selbst nicht betrügen!" – –
"O das weis ich, das weis ich! – (Versezte sie) nur hält es etwas lange, bis Sie recht lieben, aber dann gehts auch bei Ihnen zu, wie im himmlischen Paradiese! – Ei, will doch gerne sehen, welcher Sterbliche den Schark wird austilgen können!" – – –
Da lenkte ich ein, sonst hätte sie mich vielleicht gefangen. – Dann zog sie äusserst schalkhaft über Schark los und machte mich lachen. – Auch fragte sie mich, ob ich noch darauf bestünde, mit ihm förmlich zu brechen? – – – Oder ob Schark schon wieder mein einfältiges gutes Herz erweicht hätte? – – "Nein! – sagte ich – ich reise!"
"Aber Sie kommen doch wieder?" – – O ja, stotterte ich. "Nicht wahr, Friz bringt mir dann Ihre Briefe?" – – "Freilich, das wird er gern tun!" – Oder etwa nicht Friz? – Ich dächte doch, das schöne sprechende schwarze Auge einer Dame könnte Dir wohl ein Bischen gefallen. Und wenn sein Weibchen noch dazu abwesend ist, die er bis jetzt nur noch platonisch lieben darf! – Es ist mir, als sähe ich Dich schon gegen ihr über sizzen, hinlänglich schüchtern, um deine Nina nicht zu beleidigen. O du Lieber, Lieber, Götterwonne ist mir der Gedanke an Deine Rechtschaffenheit! – Begreife, wenn Du kannst, meine völlige Verehrung für Deine Grundsäzze, die mich einst zum glücklichsten weib machen werden. Ich fühle der Seligkeiten zu viel, wenn ich in unsere künftige Tage hinblikke, dass mich immer die tiefste Schwermut dabei überfällt. – –
Ob es denn gewiss wahr werden wird, das Bild meiner reizenden Fantasie? – Tödtlich lang werden mir wenigstens die Stunden bis dortin scheinen, o Friz, was ich noch Tränen werde vergiessen müssen, eh ich ganz, um nie wieder zu scheiden, an deinen Busen hinsinken darf! – Gott! – Es liegt viel Wonne in der Erwartung, aber auch viel Leiden in der Trennung. Trennung! – Gott! – Kann ich das Wort denken .... Ein Herz, wie das meinige, Einsamkeit, Liebe, Schwermut, Herr Gott im Himmel! – Die Entfernung von Dir wird mir hart, hart auffallen!!! –
Und doch muss ich, ich muss von Dir fort, um Verdriesslichkeiten auszuweichen, ich muss, weil Du es haben willst, weil Du es gut findest. Nicht die grosse Welt ist es, die ich ungern verlasse, Du weist ja, Friz, dass ich sie hasse. – Aber Dich, Sohn der Liebe, soll ich zurück lassen, unter Deinen Feinden zurücklassen? – Gott! – Ich fange schon wieder zu jammern an, vergieb, und nimm es für gränzenlose Liebe von Deiner bessten
Nina.
XVIII. Brief
Lieber Herzens-Friz, als Du mich verliessest, da wiedmete ich mich so ganz der Seligkeit des Nachdenkens, träumte wieder alle Küsse hindurch, die wir einander schon gegeben, und war so glücklich! – Es vergeht doch kein Tag, wo ich nicht neue gute Entdekkungen an Dir mache. – – Nicht wahr, was meine dumme Zagheit heute wieder für Schimären in die Zukunft schuf, und wie Du sie alle mit Feuer zu meiner Beruhigung widerlegtest.
Bei Gott! – Besster, auch nur Deine heftige Liebe kann Dir alle die Gedult eingeben, ein so furchtsames Ding, wie ich bin, zu ertragen, eine Schwache, die aus lauter Liebe vor jeder Mükke zittert! – Sage mir, Friz, woher kommt denn diese rasende Furcht, Dich zu verlieren? – O es ist Liebe, tiefe noch nie gefühlte Liebe! – Fühlst Du es nicht, Besster, dass ich stündlich unruhiger werde? – – Dass ich sowohl als Du mit tausend Leidenschaften kämpfe, dass ich kindisch mit Dir schäkkere, ungedultig Dich erwarte? – Und dann manchmal an Deiner Seite mit starren Augen gegen den Himmel blikke, um die Dauer dieser Wonne zu erflehen! – Hast Du wohl in Deinen Idealen so ein geschöpf geträumt; bist Du nun zufrieden, Schwärmer, mit Deiner Nina? – Freust Du Dich wohl, dass Dein schon lange gesuchtes Ideal wahr wurde? –
Suche einmal in der hiesigen Stadt so ein Pärchen, wie wir beide sind; schwerlich wirst Du es finden, denn die meisten hiesigen flatterhaften Jungen gehören ins Tollhaus