Bette, als er plözlich über meine Tränen mit Rohheit zu lachen anfieng. – Jesu Maria! – Was da in mir die Galle kochte! – Ich bat ihn vernünftig zu sein, aber es war zu spät, die Wut riss mich hin! – Gott verzeihe mir es! –
Ich fasste den schändlichen Wollüstling beim Hals, er hielt mir den Arm zurück, ich hätte ihn sonst erwürgt, so sehr war ich ausser mir! – Meine Kniee zitterten, der Gedanke an Dich hielt mich noch zurück! – Dann wankte ich an's Bette, und heulte laut! – Nun wandelte ihn wieder auf einmal die Bossheit an, er drohte mir wütend, ich schwieg, und reizte ihn nicht weiter. – Doch plözlich kam ich wieder von Sinnen, ich suchte ihm zu entwischen, er hielt mich gebietend zurück, und was blieb mir armen Gefangenen übrig, als zu weinen? – – Da sass er nun wie ein sträflicher Sünder, sprachlos, und bat mich seinen Hals-Kragen, den ich ihm in meiner Wut zerrissen hatte, wieder zurecht zu machen. –
Ich musste in dieser beiderseitigen gefährlichen Stimmung zur Mässigung schreiten, sonst wäre es zu grässlichen Auftritten gekommen. – – –
Bei Gott! Wäre Deine Liebe nicht, ich liefe heute noch so weit mich die Füsse trügen! – Um Deinetwillen, Friz, musste ich mich fassen, ich hörte jetzt nichts in meinen Ohren, als Deine stimme, Dein Gebet für mein Wohl! – – –
Meine Kälte empörte seinen Zorn aufs neue, und ich drohte ihm mit Abänderung meiner Lage. Er schien diese Drohung über die Achsel zu werfen, und warf mir mein Unvermögen vor, ich entsezte mich, wie man mit der tugendhaften Armut so handeln kann. – –
Friz, das Laster hat sich an mir verschworen, die ärgste Grausamkeit wird an mir ausgeübt! – Den schwärzesten Betrug tischt man mir täglich auf, und ich wäre die Nina, deren Herz, charakter, Fleiss, Sorgfalt, und Rechtschaffenheit es (wie die Leute sagen) mit einer Jeden aufnehmen dürfte? – – Ich wäre der Zögling edler Eltern, die mich nach ihrem Ebenbilde voll Grossmut und Tugend erzogen? – O es ist eine Lüge! – Sonst würden mich die Menschen besser behandeln! –
Ich bin eine arme, ohne Dich verloren an Leib und Seele! – Ausser Dir lebt für mich nichts mehr in der Welt, das mich begreifen kann! – Ausser Dir ist mir die elende Welt zur Last, ja, Friz, eine Last, die ich gewiss nicht länger tragen wollte! – Wenn man dich von mir riss, o, dann wüsste ich schon, was aus mir würde! – Ich trage ein krankes Gemüt herum, das gewiss durch Deinen Verlust den verzweiflungsvollen lezten Stoss erhalten würde!!! – –
Doch ich weis, Du liebst mich, ich weis, Du wirst eher die Erde bauen, als mir ferner eine Träne von Undankbaren auspressen lassen. – Sei also gelassen gegen Schark; Wut würde mich nur noch unglücklicher machen. – – Ich will dulden, ich will leiden, ich will tragen die schröklichen Folgen meines allzu guten Herzens! – Der Elende treibt es nun so weit, dass er mich hartnäkkig foppt und mich zu guterzig glaubt, um jemals mit ihm zu brechen. – Er weis, dass mein Stolz sich niemanden so leicht anvertraut, er kennt meine Grundsäzze, dass ich in der grössten Dürftigkeit nie bei Männern hülfe suche. Er vermutet nicht, dass ein junger grossmütiger Teutscher edel genug denkt, mir ohne Vergeltung Leben und Ruhe zu retten, – Kurz, er spottet meiner Güte und lacht meiner Drohung. – Er hält sich in der weiten Schöpfung für den einzigen standhaften Mann, der, wenn er gleich mich rükwärts betrügt, dennoch alles mit mir teilte. – So spricht sein Hochmut, darauf ist er eitel.
Gott, was ich Dir da für Zeug schreibe! – Was ich verwirrt bin, wie es mich drükt, wie es mich ängstigt! – Um Gotteswillen! Wärest Du doch gegenwärtig! – Es ist mir so bange, mein Blut hat seinen Lauf verfehlt, es drängt sich so an's Herz! – Friz, so schröklich ist Dir wohl nie gewesen? – – Gewiss nie! –
Ha! Wenn Du jetzt da wärst, und mir nur einen Tropfen wasser reichen könntest! – Wenn Du mir den brennenden Kopf hieltest, wenn Du sie aufheitertest, meine gebeugte Seele, o dann wollte ich gerne um diesen Preis tausend solche Stürme ertragen!
Schikke mir den Arzt, ich will mit ihm sprechen, es ist warlich mit meiner Gesundheit nicht zu spassen, ich ahnde wieder Konvulsionen, und Blutsturz. – Bei solchen anhaltenden Martern ist es ja leicht möglich. – Schlafe wohl, Engel der Sanftmut, Deine
Nina.
XVII. Brief
Abends.
Gerade neun Uhr, und dem Himmel sei Dank, ich bin endlich allein. Nun will ich mich ein wenig an Dich schmiegen, holdes Liebchen, Dich küssen, und mit Dir in Gedanken das fühlen, was wir schon so oft zusammen fühlten.
Dass Du heute wieder mein einziger Gedanke warst, das weisst Du gewiss, nicht wahr? – – – Ich komme von Madame K... wir gerieten zusammen ins Philosophieren über die Männer, die Frau zog eigensinnig über alle los, und wollte durchaus keine Ausnahme unter deinem Geschlecht zugeben. – Sie behauptet