wärmsten Bitte vereinigt, mich nicht länger nach ihrem liebenswürdigen Umgang ringen zu lassen, den Sie einem jeden Rechtschaffenen gönnen müssen, wenn Sie anders nicht als Nonne sterben wollen. –"
Ihr ergebenster Verehrer,
G. Lustrini.
Mein Herr!
"Ich bin sehr weit davon entfernt, Sie für einen Wollüstling zu halten; sonst würde ich wahrlich nicht gesäumt haben, Ihren Brief mit den übrigen ins Feuer zu werfen. - Ihr Betragen hat das Ansehen eines Denkers, der mich verstehen kann, wenn er mich anders verstehen will. Nur müssen Sie mich dann auch gründlicher zu überzeugen suchen, dass Ihnen an meinem gesicht sehr wenig gelegen ist, denn dass Sie aus bloser gefälligkeit meiner weiblichen Eitelkeit schonten, könnte meinen Stolz doppelt schmerzen. – Was sagen Sie? – Ich sollte Sie beständig in der Maske empfangen? Bedenken Sie einmal die grosse Unbequemlichkeit, die damit verknüpft wäre; und könnten Sie denn über alles das so unartig sein, und mir durch diese Verkappung das Andenken meiner Hässlichkeit fühlbarer maschon auf eine so schlüpfrige probe stellten? – Oder wollen Sie den Triumph geniessen, sich mit eigenen Augen von meiner unglücklichen Gestalt zu überzeugen, damit Sie mir nach der Hand Ihr philosophisches Mitleiden zuwerfen könnten? – Ist es etwa für ein weibliches Herz nicht genug, mit Aufrichtigkeit gegen sich selbst zu sprechen? – Könnten Sie wohl um Ihres Wunsches willen fodern, dass ich Sie gar der Gefahr aussezte, bei meinem ersten anblick aus dem Zimmer zu fliehen? – Ich bin auf meine Seelenvorzüge nicht neidisch, aber ausser der Maske weis ich sie in der grossen Welt nirgends hinzustellen, wo sie nicht eine barmherzige Figur machen würden. Ohne körperlichen Empfehlungsbrief prellen sie gewiss überall an der menschlichen Torheit ab, die so sinnlich selbst bei manchem Philosophen ihren Wohnsiz hat. – Man hat wenig Beispiele, dass Philosophen sich an ein verunstaltetes weibliches gesicht nahten, um seine Abscheulichkeit zu lieben. – Diese Herren lieben entweder gar nicht, oder suchen doch wenigstens ein mittelmässiges Gesicht; – wenn ich es mit meinen Seelenvorzügen nur so weit bringe, in der Entfernung von einem Philosophen geliebt zu werden; wäre ich dann nicht eine Törin, auf Unkosten meiner Eitelkeit mehr zu fodern? – Was kann ich für das Wort Weib, dessen los es ist, durchaus gefallen zu wollen? – Stekt nun hinter Ihren Wünschen keine sinnliche Neugierde, so werden Sie mit meinem Briefwechsel eben so zufrieden sein, als ich es mit dem Ihrigen bin. – Philosophen sollen ja so leicht ihre sehnsucht unterjochen können, hat man mir gesagt. – Uebrigens denke ich, nicht als Nonne, sondern vielmehr als Philosophin zu sterben. –"
Ihre Ergebenste
Amalie von ***.
Madame! –
"Sie sind eine schalkhafte Sophistin, die mich ganz aus meiner philosophischen Ruhe herausschleudert! – Wären Sie minder Spötterin, so wollte ich Ihnen von einem Gefühl vorsagen, welches Sie überzeugen könnte, wie äusserst nötig Ihr Umgang für meine Glückseligkeit ist. – Noch einmal beschwöre ich Sie, mir nichts ferner von Ihrer unglücklichen Gesichtsbildung vorzusagen! – Ich ertrage sie gerne, sie mag aussehen, wie sie immer will! – Lieben könnte ich sie so gar bei ihren andern bessern Vorzügen, wenn ich die Erlaubnis dazu erhielte. Mein Herz ist gewohnt, in solchen Fällen willig meinem Kopf zu folgen. Seien Sie versichert, Madame, Sie sollen mein Mitleiden nicht erbetteln! – Bald werde ich aber wohl das Ihrige anflehen müssen, so sehr erhizzen Sie durch Ihren Wiwelcher Zufriedenheit würde ich vorbereitet zu Ihnen eilen! – Ihr Herz, Ihr Verstand, Ihr Wiz, sind Verdienste, die mich weit über die Gestalt Ihres Gesichts erheben! – Lassen Sie doch auch einmal für mich Ihr Gefühl sprechen, und sorgen Sie dann nicht um das Uebrige! – Ich wäre glücklich genug, Sie lebenslänglich bloss mit verbundenen Augen schäzzen zu dürfen; wenn mir dann nur Ihr Mistrauen nicht vergönnte, an Ihrer Seite zu sizzen, Sie zu hören – und zu bewundern! – Warum verdammen Sie mich eigensinnig zu einer Entfernung, die mir täglich bitterer wird? – O, gelänge es mir doch Sie zu überzeugen, dass ich nur ihre schöne Seele anbete! – Wollen Sie denn unerbittlich meinen sehnsuchtsvollen Kummer Ihrer grausamen Eitelkeit opfern? – Gott sei mein Zeuge, dass ich es nie an der gehörigen Hochachtung werde gegen Sie ermangeln lassen! – Das versichert Sie mit wahrem Gefühl"
Ihr
redlicher Freund und wahrer Verehrer
G. Lustrini.
Mein Herr!
"Kann man wohl in diesem flatterhaften Jahrhunderte Sophistin genug sein, um nicht betrogen zu werschleudern, da ich nichts von Ihrer Liebe wusste? – Nie werde ich über Gefühl spotten; nur ist es mir unbegreiflich, dass Sie sich täglich mehr nach meinem hässlichen gesicht sehnen. – Könnte ich doch mein Gesicht während Ihres Umgangs in ein Winkelchen hinlegen, dann würden wir heute noch einig! – Aber so bin ich verzagt genug, zu glauben, dass Sie wohl keinen zweiten Besuch mehr bei mir machen würden, wenn Sie mich gesehen hätten. – Und überdenken Sie dann den Zustand, in dem Sie mich zurückliessen? – Hätte ich nicht Ursache meine unbesonnene Leichtgläubigkeit zu verwünschen? – Nein, mein Herr! so weit soll meine Uebereilung nicht gehen, so sehr Sie sich auch darum mit Feinheit bemühen. Sagen Sie mir doch, wie kann ich durch einen Widerstand Ihre Einbildungskraft erhizzen, da es Ihnen doch bloss um meine moralischen Verdienste zu tun ist? – Können Sie diese nicht hinlänglich auch