auf eine so gefährliche probe sezzen; denn wer weis, in welche Vorzüge Sie eigentlich Ihr Glück sezzen? –
Maske
Auf die, die wir schon zum voraus an Ihnen bemerken. – Wagen Sie es kühn, ihr Gesicht sehen zu lassen, wenn es auch nicht ganz unserm Ideal entspräche; Ihre übrigen Verdienste halten uns gewiss schadlos. –
Ich
Genug meine Masken! der gefasste Entschluss bleibt fest, ich demaskiere mich nicht; weil Sie sich doch bloss nach einer glatten Haut sehnen, so mögen Sie für diesmal neugierig schlafen gehen; - mir ist um keine Eroberung zu tun. Unser Gespräch fing an hizzig zu werden. Alle umstehenden Masken streuten mir Weihrauch; jede drängte sich an mich hin, um ihre Neugierde zu befriedigen. Nur die Maske zu meiner Linken hatte bis jetzt ohne den mindesten laut an meiner Seite gesessen. – Ein verschwiegener, sanfter Händedruck war alles, was sie zuweilen gegen mich wagte. – Schon war ich im Begrif mein Gespräch an sie zu wenden, als mich wieder auf einmal die vorige Maske unterbrach. –
Maske
Sie sind eine Dame von der bessten Erziehung, das fühlen wir Alle, und Sie sollen sehen, dass wir Sie zu schäzzen wissen! – Nur eine Bitte versagen Sie uns nicht, bei deren Erfüllung Sie mehr gewinnen als verlieren! –
Ich
Und worinn bestünde denn diese Bitte? –
Maske
Einige von uns werden sich die Freiheit nehmen an Sie zu schreiben. Versprechen Sie uns nur unsern Brief an einem dritten Orte abholen zu lassen; und dann mögen Sie selbst entscheiden, wer unter uns Ihrer Bekanntschaft würdig ist! –
Ich
Nun denn so viel verspreche ich Ihnen; aber sehen Sie nur, mein Vetter gähnt; er hat Schlaf. - Bona sera! – sagte ich zu meinem Nachbar zur Linken, der bei meinem lezten Wort tief seufzete, und ging dann mit meinem Vetter nach haus. – Der ganze Vorfall war mir des andern Morgens aus dem kopf verschwunden; als auf einmal mein Vetter lachend mit drei Briefen in der Hand bei mir erschien. – "Da lesen Sie einmal Bäschen! - Lesen Sie doch! Ich habe diese Briefe aus Spass am dritten Orte abholen lassen. –" Er drang so launigt in mich; ich musste sie erbrechen. – zwei von diesen Briefen entielten lauter unsinnige Schmeicheleien; aber geschwind flogen sie dann auch aus meiner Hand ins Kaminfeuer. – Nur der letzte hielt mich seiner sonderlichen Sprache wegen für die übrigen schadlos. – Hier hast Du ihn; – ich habe seinen Inhalt ins Teutsche übersezt. –
Verehrungswürdige Dame!
"Die vielen kriechenden Schmeichler, die gestern um Sie herum flatterten, machten mich an Ihrer linken Seite stumm. – Sie müssen mein Stillschweigen bemerkt haben, sonst wären Sie die Denkerin nicht, die Sie sind. – Nur im Stillen überströmte mein Herz von der Hochachtung, die ein Jeder Ihren Vorzügen schuldig ist. – Ein biederer Mann, der sich in den Augen einer solchen Menschenkennerin nicht verdächtig machen will, konnte bei dieser gelegenheit nichts anders tun, als schweigen und fühlen. Ich trage ein redliches Herz im Busen; bin Advokat; wohne bei meinen Eltern in Campo Sant Crisostomo. Wollen Sie mir auf diese Versicherung hin das Glück Ihrer Bekanntschaft schenken, so verbinden Sie durch dieses Zutrauen un
Ihren
ehrfurchtsvollsten Diener
Geronimo Lustrini, Avocato.
Ist dieser Brief nicht allerliebst naiv? – Lies einmal meine Antwort! –
Mein Herr!
"Mit Mitleid sah ich gestern auf die Schmeichler herab, die durch alltägliche Kunstgriffe meiner Eitelkeit Schlingen legten, um dadurch ihre lüsterne Neugierde zu befriedigen. – Ich kenne die Welt, und halte aus Erfahrung mehr auf Gefühl, als auf leere Worte. – Hätte ich nun das Glück ein erträglicheres Gesicht zu besizzen, so würde ich keinen augenblick anstehen, ihre Bekanntschaft zu machen. – Aber leider, so flüstert mir meine weibliche Eitelkeit ins Ohr, dass ich bei diesen traurigen Umständen in Ihren Augen unendlich verlieren würde. – Die meisten Männer hangen doch am Sinnlichen, und blose Seelenvorzüge machen Sie über kurz oder lang kalt. - Um also diesem empfindlichen Streich auszuweichen, muss ich mir die Ehre ihrer Besuche verbitten. –"
Amalie von ***
Nicht wahr, Fanny, das heisst fein gequält? – Aber genug, ich bleibe bei diesem Vorwand; und eh er nicht die probe ausgehalten hat, soll er mit keinem Fuss mein Zimmer betretten. Lies folgenden Briefwechsel, und dann urteile von meiner Standhaftigkeit!
Madame!
"Sie rechnen mich also auch unter die Wollüstlinge, die der blosen Schönheit nachjagen? – Hab ich dies wohl bei meinem ernstaften Betragen um Sie verdient? – Was kümmert mich Ihr Gesicht, wenn ich in Ihrem Umgang Nahrung für meinen Kopf und mein Herz finde? – Ich dünke mich Philosoph genug, um es der weiblichen Eitelkeit nie fühlen zu lassen, dass ihr Gesicht von der natur ist vernachlässigt worden. – Und warum wollen Sie mir demungeachtet ein Vergnügen versagen, das meine Glückseligkeit ausmachen würde? – Empfangen Sie mich zu allen zeiten, maskiert, wenn Sie wollen, und ich willige ein; – wenn Sie aber über diesen Vorschlag meinen feurigsten Wunsch noch länger nicht befriedigen, so bringen Sie mich auf den Gedanken, dass Sie auf Ihre Seelenvorzüge sehr neidisch sind. – Sie haben das Wort Mann misbraucht! – Nicht Männer, sondern Lekker hängen bloss dem Körperlichen an, und werden kalt, wenn eine andere Neuheit sie reizt. – Doch ist ungefähr meine Meinung mit der