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, die ihre Anmerkungen in den launigsten Wiz einzukleiden weis? – Hätten die Nonnen nur die Oberfläche deiner Grundsäzze gekannt, ich wette, sie würden Dich nicht mit ihren gesegneten Gaukeleien beladen haben. – O Aberglaube, der du die Menschen so verfinsterst, verrükke doch die armen Nonnen nicht weiter; – und du ehrwürdige gesunde Vernunft, sei ihren fantastischen Köpfen gnädig! – Lass ihre schwache Leichtgläubigkeit nicht ferner durch schmarozzerische Mönche anfachen. Ist es möglich, dass die wahre Religion in ihrer schönen natürlichen Gestalt durch solche Possen so tief kann heruntergesezt werden? – Ihr bonzischen Mörder der gesunden Vernunft, jagt dem schwachen volk Furcht und Angst ein, bloss um euere Bäuche zu mästen! – Gesegnet sei Kaiser Joseph, der in seinem land auf einmal diesem Puppenspiel ein Ende machte! – Doch jetzt vorwärts zu der geschichte deines jüngern Reisegesellschafters: Jeder Reisende (dachte ich bei dieser geschichte) muss im Postwagen Augen, Ohren, Herz und Börse wohl in Acht nehmen, wenn er nicht betrogen sein will, denn fast immer sind die Postwägen von dergleichen Rittern und Ritterinnen angefüllt, die darauf Jagd machen; – indessen ist es (die Unbequemlichkeit weggerechnet) im Postwagen äusserst unterhaltend zu reisen. Die Verschiedenheit der Gesellschaft unterhält den denkenden Kopf, und nirgends wird lebhafter raisonnirt und mehr geschäkkert, als in den Postwägen. Madame Neugierde ist da die Beherrscherin aller Herzen. – So viel über diesen Punkt! – Aber nur Geduld, Leichtsinnige, nur Geduld! Der Pater Guardian wird sich einst schon an Dir rächen! Mache Dir ja auf die ganze Zeit deines Lebens auf keinen Kapuzinersegen Rechnung; hörst Du! – Was? – Du hattest die Kühnheit über seine dikke Unwissenheit zu spotten? – Warte nur, böses Weibchen, der rachsüchtige Bonze wird Dich bald behexen, und nicht entexen, so sehr hast Du seine hochwürdige Dummheit angegriffen! Aber nun lass uns auch ein Bischen von dem italienischen Wirt schwazzen: Recht getan! – recht getan, dass Du ihn aus dem Zimmer jagtest! Ehrengefühl ziert das Weib eben so schön, als den Mann. – glaube's wohl, dass deine Alte über diesen Auftritt die Augen verzerrte, denn unser Geschlecht hat zu wenig gelernt die Tugend ausser den Mauern ohne Affektation zu behaupten. – Suche Dir die Alte vom Halse zu schaffen, sie taugt für deine denkart eben so wenig, als jene saubere Kaffeehausgesellschaft. – Siehst Du nun, meine Liebe, wie es in der grossen Welt drunter und drüber zugeht? – Wenn junge Leute noch unverdorben in solche Versammlungen eintretten, wie leicht können sie dann an solchen Orten durchs üble Beispiel ihre Unverdorbenheit verlieren! – Aber um Gotteswillen, meine Liebe! hüte Dich in Venedig, dass Dir deine Aufrichtigkeit nicht etwa Verdrüsslichkeiten zuziehet! – Lass ja kein Wörtchen wider den Staat fahren, sonst bist Du ohne Rettung verloren! – Auch sind die Italiener verschmizte Bursche, die einer deutschen mit leidenschaftlicher Hizze nachzustellen wissen, um sie ins Garn zu lokken. – So unverschämt und zudringlich die Männer in Venedig sich aufführen, eben so tollkühn treiben es die Weiber mit deutschen Jünglingen: ihr hizziges Naturel macht sie zu jedem Laster fähig. Gott segne Dich und wache über Dich, meine Amalie! –

C. Brief

An Fanny

Also, wie gesagt, meine Besste, als ich die Gesellschaft der brunetten Dame verlies, ging ich nach haus, legte mich zu Bette, und schlief herrlich, bis mich meine Base des andern Morgens aufwekte. –

"Kommen Sie, Sie müssen heute mit meinem Mann den Markusplaz besehen!" – (sagte sie mir ganz sanft ins Ohr.) Ich rieb mir noch etliche Mal die Augen, und taumelte dann hin zur Toilette. – Nun wollte mich die gute Frau nötigen eine Maske vor mich zu nehmen, aber ich sträubte mich tapfer dagegen! – Nicht doch, Frau Base! – Warum soll ich das Gesicht, das mir Gott gegeben hat, verkappen? – Darf ich dasselbe nicht sehen lassen? –

"O ja, mein Kind! – Aber Sie müssen sich maskieren, es ist hier zu land durchaus nötig, um den Nachstellungen der Mannsleute zu entgehen." – –

Ei was Mannsleute! – die werden mich doch nicht mit Gewalt am hellen Tag anpakken! – Nein, so wahr ich eine Teutsche bin, Frau Base, ich verdekke mein Gesicht nicht! – Und so zog ich meinen Vetter mit mir zur Tür hinaus. – Aber kaum hatten wir ein paar schmale Gässchen durchwandert, so streiften schon eine Menge Masken sehr nahe und unglimpflich an mir vorbei. – Ich schob dieses Betragen auf die Rechnung des engen Raums der Strasse, bis mein Vetter auf einmal zu brummen anfieng, und mich überzeugte, dass seine Frau Recht gehabt hätte. – Die hiesigen Masken nehmen sich gegen ein fremdes unmaskiertes Frauenzimmer die ungezogensten Frechheiten heraus. – Eine Fremde muss sich in Mannskleider stekken, wenn sie ungestört über die Strasse gehen will. – Bei uns sezt diese Art Verkleidung ein Frauenzimmer in übeln Ruf, und hier dient sie zu seiner Verteidigung. – O Vorurteil, du widersprechendes Wesen! – sagte ich zu mir selbstals wir gerade unter den gedekten Seitengängen auf dem Markusplaz anlangten. – Hu! – wie mir da der Kopf zu schwindeln anfieng, als ich die Menge Masken erblikte, die auf Strohsesseln vor den Kaffeebuden sassen, und mich dabei so starr angafften, dass es mir ganz heiss in die Wangen stieg. Fast