um sein ausgelegtes Geld. – Es schien diesen alten ehrlichen Mann gar nicht zu befremden; er zükte kaltblütig die Achseln, und eilte dann in die arme seiner Familie. – Nun nahm ich mir vor, diesen Rasttag recht nüzlich in dieser berühmten Stadt zuzubringen. Schon schlich ich in Gedanken bei den Altertümern Veronens umher, als plözlich das laute Geheul meines Mädchens mich in diesem Traum störte: Sie gab vor, das Heimweh überfiele sie, und tat dabei wie halb verrükt! – Ich fragte sie hin und her, was ihr wäre. – Lange wollte sie nicht mit der Sprache heraus; als ich aber der Dirne Ernst zeigte – dann fing sie an die reine Wahrheit zu beichten: "Ach! – Herzens-Madame! (schluchzte sie) ich glaube, der junge Mensch hat mich um mein halbes Geld betrogen!" – Ei, (schrie ich lebhaft) warum hast du dich betrügen lassen? "Ja, – versezte sie – Sehen Sie nur diese Brieftasche an! – Er gab mir sie zum Unterpfand. Da, sehen Sie nur ein Bischen hinein!" (das Leder war auf einer Seite etwas zerschnitten, um den Betrug glaublicher zu machen) "Schauen sie nur; es sieht wirklich einem Freimäurerpatent ähnlich! – Aber reissen Sie das Schloss bei leib nicht auf! ich darf es bis zu seiner Zurükkunft nicht erbrechen; die Freimäurer würden ihn sonst lebendig rädern lassen, wenn sie erführen, dass dies Patent in Weiberhände gefallen ist! – Es ist sein einziges Hab und Gut, fuhr sie fort – und wer weiss, ob der arme Mensch wirklich so..." Plözlich sprang ich jetzt mit beiden Füssen auf das Schloss der Brieftasche, und die arme Alte fiel darüber fast sinnlos auf die Erde hin, als sie lauter altes Papier herausrollen sah! – Nun ging es bei ihr an ein Schimpfen, an ein Fluchen, an ein Schreien, dass ich ihr aus lauter Angst eilfertig die Geschenke des Pater Guardians auf die Stirne band. – Doch für diesmal half es nicht. Ich glaube, wenn ich ihr den frommen Pater Guardian selbst in eigener hochwürdiger Gestalt aufgebunden hätte, es würde bei dieser wütenden Furie wenig genüzt haben. – Seine kräftigsten Benediktionen wären gewiss an der wilden Kreatur abgeprellt, so sehr tobte sie! – Ich wusste mir nun nicht mehr anders zu helfen, als ich versprach ihr, um sie zu besänftigen, den Verlust ihres Geldes zu ersezzen. Plözlich riss dann die eigennüzzige Kreatur mit eigenen Händen alle Heiligtümer von ihrer Stirne los! – – gewiss, Freundin! ich bin sonst nicht feindselig gegen meine Dienstleute; aber dieses Mädchen scheint mir eine alte Kupplerin zu sein, die ehedessen vom Handwerk lebte. – Ich kann sie gar nicht ausstehen, und wünschte sie gern wieder nach Teutschland zurück. – Morgen erhältst Du die Fortsezzung meiner Beschreibung; – jetzt unterbricht mich der Wirt! –
XCVIII. Brief
An Fanny
Hinaus mit dir, elender Kuppler! – schrie ich dem italienischen Wirt nach – und schlug die Zimmertüre hinter seinem Rükken zu, dass die Fenster zitterten! – Was sich der infame welsche Kerl nicht alles unterstund! – Was? – mir, einer biedern, ehrlichen deutschen, italienisches Laster anzubieten? – dafür hab ich ihn auch wakker heruntergehudelt, den bestochenen Schandbuben! – Hu! was meine Alte über diesen Auftritt für grosse Augen machte! – Sie hat gewiss die liebe goldene Zeit zurückgewünscht, wo sie der Unzucht noch um baare Münze Opfer bringen konnte; aber sie durfte sich bei allem dem nicht unterstehen, einen laut von sich zu geben, sonst hätt ich sie wahrhaftig die Treppe hinuntergeworfen. – Es ist übrigens doch sehr traurig, dass ein Frauenzimmer nicht allein reisen darf, ohne sich dem Vorurteil auszusezzen. Die Menge herumziehender feiler Dirnen ist daran Schuld. – Ein Frauenzimmer muss nur in solchen Fällen nicht blöde sein, sonst spottet das freche Laster der Unschuldigen ins Gesicht, und hält sie für eine Romanenheldin. Diesmal kam mir mein Feuer recht gut zu Statten, sonst hätte mich der Wirt und die Alte gewiss heimlich verkuppelt. – Die übrigen Stunden meines Aufentalts hielt ich mein Zimmer verschlossen, und die Alte durfte mir nicht von der Stelle. – Der Morgen meiner Abreise rükte heran; ich eilte dieses Haus zu verlassen, ohne Veronens Merkwürdigkeiten gesehen zu haben. – Es ging nun unter uns Zweien ganz einförmig zu, denn der Postwagen war ausser uns ganz leer. – Unter Denken, Grillenmachen und Schlafen kamen wir endlich in der schwarz gemauerten Stadt Padua an. – Das nächste besste Wirtshaus musste uns bis zur Abfart des Marktschiffes für einen Tag lang zum Aufentalt dienen. – Von essen und trinken war ich satt, Schlaf hatte ich keinen, und Madame Langeweile fing an mich grässlich zu martern. Gretchen! schrie ich, pak meine Mannskleider aus, und zieh meine Amazone an! – "Ei, Madame, was wollen Sie?" – Nicht lange gefragt, Jungfer! unterbrach ich das neugierige Ding. Sie brachte mir dieselben, und in wenig Minuten waren die Kleider am leib, der Mantel nach Stuzzerart bis über die Nase geschlagen, und so schlenderten wir beide einem Kaffeehause zu. – Alle Gäste lachten bei meinem Eintritt über die alte Matrone, und mich armen jungen Lekker schien man herzlich zu bedauern. Da es aber in Italien eine Menge dergleichen hungeriger Burschen gibt, die den alten Damen ums Geld ihre süssen Gewohnheiten forttreiben helfen, so lies