1788_Ehrmann_009_80.txt

, ausser den zwo Damen, wusste im Kloster ein Wörtchen davon. Bei dieser Verschwiegenheit bis zur Aufführung glaubte ich den Verdrüsslichkeiten desto leichter zu entgehen, die mir zum voraus ahndeten. Ich hatte ziemliche Unkosten gehabt, und aus meiner Börse im grossen Gartensaal ein artiges Teater aufrichten lassen. Der Tag, der zur Aufführung des Stüks bestimmt war, rükte heran; die lezten Hauptproben wurden gehalten; die Noblesse der Stadt dazu eingeladen; kurz, alles war jetzt richtig. – Als auf einmal der Satan zwei alte fräulein mit Furien-Zorn zur Oberin führte, die darwider feierlich protestirten. – Man lies mich zur Oberin rufen, und ich musste von den Weibern Dinge anhören, die mich bis zur Tollheit ärgerten! – "Was? – fiengen die Betschwestern anwas? – Sie wollen unser Kloster durch solches Teufelszeug entehren? – Sie wollen junge Mädchen in Beinkleider stekken, und ihnen mit uns Anfechtungen bereiten? – Sie wollen der ganzen Stadt Anlass geben, über unsere Aufführung zu lästern? – Sie wollen Komödiantinnen aus unsern Mädchen ziehen, damit sie samt Ihnen der Hölle zufahren können? – O du keuscher, heiliger Aloysius! Steh den armen Kindern und uns bei, gegen die Versuchungen des Fleisches! – – Nein, Madame, das geschieht gewiss nicht! – Eher wollen wir unsern Schuzpatron bitten, dass er das ganze Haus samt der Teufelskapelle, worinn sie spielen wollen, abbrennen lasse. – Eidas wäre schön! – fuhren die Weiber in einem Atem fortei, das wäre schön! dass Sie uns durch ihre Komödie den Weg zur Unkeuschheit zeigten! Wir haben ohnehin genug Feinde! und kaum betritt ein ehrwürdiger Pater unsre Schwelle, so schreit die Welt gleich, er sei unser Liebhaber; da wir doch noch so rein, wie Kinder im Mutterleibe sind." – Zehenmal wollte ich diese hizzigen Schnattergänse unterbrechen, aber erst nach einer halben Stunde kam ich zum Wort. Meine Damen, fing ich an: legen Sie meine Absicht nicht so schwarzgallicht aus; ich kann Sie versichern, sie ist gut. Ich will weder Andere, noch Sie dadurch verführen, wenn Sie nicht schon lange ohnehin zum Verführen reif waren. Die Beinkleider können für Sie, meine Damen, keine Versuchung sein, wenn Sie noch unschuldig genug sind, ihr Herkommen nicht zu kennen! – Wer heisst Sie über die Vorzüge der Beinkleider nachdenken? – Wer nötigt Sie, den Unterschied zu bemerken, ob sie einen weiblichen oder männlichen Körper bedekken? – Ihre Tugend muss sehr schwach sein, wenn der blose anblick von Beinkleidern Sie wanken macht. Lernen Sie erst Ihren Gedanken gebieten, wenn Sie den Willen in Ihrer Gewalt haben wollen, sonst gebe ich für ihre Entaltsamkeit nicht einen heller, die beim blosen Beinkleideranschauen schon lüstern wird. Aber sehen Sie, meine Damen, ehe Sie die Beinkleider fliehen, müssen Sie zuerst dem Männerbesuch entsagen, denn Versuchungen von der Art sind weit gefährlicher, als die Beinkleider an Mädchenkörpern. "O, du heiliger Antonius von Padua! –" wollte mich jetzt eine davon, vor Galle schäumend, unterbrechen. – Erlauben Sie, Madame! – versezte ich kaltdass ich ihre Vorwürfe vollends beantworte! – Glauben Sie nicht, dass vernünftige Leute in der Stadt über die Aufführung eines moralischen Stüks lästern werden! Diese Beschäftigung gehört ja zur Erziehung, und bildet in den Zöglingen Herz, Kopf und Verstand. Auch wird keine davon so leicht eine öffentliche Schauspielerin werden. – Und, gesezt denn auch! so wird sie alsdann bloss ihre Aufführung, nicht aber ihr Stand zur Hölle liefern. – Wenigstens gerät eine wohlgesittete Schauspielerin nicht so geschwind, wie Sie, in Versuchung über unschuldige Beinkleider. – "Aber ums Himmelswillen! – schrie die eineso hören Sie doch einmal auf diesen sündlichen Namen zu wiederhoholen! – Wahrhaftig, Sie machen mich ganz weich zum weinen! –" Doch nicht aus Schamhaftigkeit, Madame? – Aber nun genug, meine Damen! – Ich habe die Erlaubnis der Oberinund werde von meinem Vorhaben nicht abstehen, Sie mögen meinetwegen mit Bigottenwut das Kloster bestürmen, es gilt mir gleich viel! – jetzt brannte das Feuer aufs Neue über mich los! – "So fahren Sie denn hin, verstokte Sünderin, ins.... Gott verzeihe mir! – bald hätte ich geflucht! – Aber dass Sie es nur wissen, schrieen die Weiber zusammendass Sie es nur wissen, unsere Oberin hat nicht Macht, so was zu erlauben! – Und kurz und gut, wir wollen gewiss Mittel finden, diese Kezzerei zu hintertreiben! – Gott bewahre uns! – Unser Gotteshaus soll nicht so angefochten werden von einer Freigeistin! – Nein, das soll es nicht! –" Und so rasten die Furien zur tür hinaus, und schlugen sie hinter sich zu, dass alle Wände zitterten. – Der armen Oberin wurde jetzt ein Bischen bange; – sie lief hinter ihnen drein, um sie zu besänftigen; – kam aber bald wieder zurück, um mir einen Vorschlag zu machen, der mich beinahe vor lachen erstikt hätte. –

So weit treibt es das Vorurteil! – Die Weiber liessen mir durch die Oberin den Vorschlag machenich sollte den Mädchen wenigstens Schürzen vor die Beinkleider hängen; dann sollt ich ihrentwegen das Stük aufführensie wollten schon den Himmel bitten, dass der Teufel nicht sein Spiel dabei triebe. – "Madame! die Fräuleins sind neidisch,