in mir entdekt; und doppelt wohl mir, wenn mir die Belohnung zu teil wird, die auf alle guten Seelen wartet! – Lebe wohl Fanny! – Antworte mir nicht, bis Du wieder Nachrichten von mir hast. Es küsst Dich innig
Deine Amalie.
LXXI. Brief
An Fanny
Seit wenigen Wochen bin ich wieder an dem Orte meiner Bestimmung. Mein Mann holte mich selbst zurück. Er schien Reue über sein Betragen zu fühlen. – Er bleibt nun Nachts nicht mehr so lange aus, wie sonst; aber ich denke, dass seine leere Börse die Ursache davon ist; denn er lässt mich jetzt förmlich darben. Bald wird mir meine Haushaltung den Spott der Dienstboten zuziehen; bald werde ich ausser Stand gesezt sein, mit Anstand vor der Welt zu erscheinen. Einige Nichtswürdige von seinen Freunden nahmen sich die Kühnheit heraus, mir Unterstüzzung anzubieten. Wenn das eine probe von Seiten meines Mannes ist, so könnte ich ihn verachten! – Und eine probe muss es sein, denn sonst hätten diese Elenden den Mut nicht, so etwas zu wagen. Armut ist ohnehin für Tausende eine Klippe; aber für mich ist sie es nicht, denn ich habe denken und entbehren gelernt. Ich bin auf Alles gefasst; ich murre über nichts, als über den Verlust seines Herzens! – Tödtliche Langeweile plagt ihn jetzt sehr oft, Geldmangel versagt ihm das Spiel, und so sizt er oft acht ganzer Tage in stummer Hypochondrie zu haus; sorgt für nichts, arbeitet nichts, und scheint heimlich sein schicksal zu verfluchen! – Es ist traurig, wenn zwei Menschen zur beständigen Gesellschaft so aneinander gekettet sind, um sich das Leben zu verbittern. Er rast und tobt nicht mehr mit mir, aber dagegen lebt er so unempfindlich fort, ohne an sein Dasein oder an meine Ruhe zu denken. Wenn ich ihm schmeichle, so stösst er mich mit einer geschikten Ausrede von sich. Und ich muss gestehen, Freundin, dass mein Herz seit dem leztern Auftritt eine gefährliche Wunde bekommen hat, die ich in der Abwesenheit nicht so fühlte, und die mir nichtsweniger als Abneigung schien. So bald Eheleute gegen einander die achtung verlieren, dann ist Liebe und Zärtlichkeit ebenfalls dahin. Diese achtung allein beherrscht das Herz, den Kopf und die natürlichen Triebe. So bald es unter Eheleuten zu niedrigen Auftritten kommt, so mischt sich eine Art von Hass ins Spiel, man vergisst wohl die Mishandlung, aber der Eindruk bleibt doch, und der beiderseitige Stolz ist unversöhnlich beleidigt. Ich vergebe meinem mann von Grund der Seele, aber Mistrauen, übler Begrif ist an die Stelle der achtung getretten, mit der ich einen sanften, gutandelnden Gatten verehren würde. Ein gutgezogenes Weib ist in diesem Punkt äusserst delikat. – Mit guter Art, mit wohl eingerichter Behandlung kann ein Mann von Erziehung alles mit einem solchen weib ausrichten. – Aber wenn er sich durch sein Betragen bis zum Pöbel erniedrigt, wenn er sich an ihren Körper wagt – o dann duldet das gute Weib, aber entsezt sich dennoch über so ein gemeines Betragen. Doch weg davon, Liebe! Ich hoffe, dass er sich nicht so leicht wieder vergessen wird, denn in weniger Zeit reisen wir beide zu meinem Oheim, er ist dorten für die Werbung bestimmt. Mein Oheim lernt ihn bei dieser gelegenheit näher kennen: denn, ich muss Dir sagen, dieser gute Oheim ist, dem Vorgegangenen ungeachtet, noch sehr für meinen Mann eingenommen; er lässt sichs nicht aus dem Kopf reden, dass er nach seinen Briefen mehr Gefühl haben müsse, als ich ihm zugestund. Er erwartet uns beide mit Verlangen. Niemand ist darüber froher als ich. Da ist denn der Ort, wo sich mein Unglück dem Auge meines Oheims klar zeigen wird. Vielleicht bessert dieser gute Vater meinen Mann durch seinen Umgang. – Vielleicht öffnet er sein Herz, seinen charakter, die so sehr verschlossen sind; vielleicht erhalte ich seine Liebe wieder. – Ach! – Wie viele Vielleicht wüsste ich mir noch zu sagen, um meinem kranken Herzen Freude zu machen. – Aber leider, dass es nur blosse Vielleicht, und keine Gewisheiten sind! Ich muss Dir noch einen Sturm erzählen, den mein Herz durch einen Leichtfertigen ertrug: Jener Junge, den ich vor meinem Mann kannte, und der mich so grossmütig zum Altar hinschleudern lies, hatte die Kühnheit, mir einen sehr schwärmerischen Brief heimlich zuzuschikken. – Er klagt über die Heftigkeit seiner jetzt aufwachenden Leidenschaften; er flucht den Banden, die mich fesseln; er erfuhr mein Unglück, und verabscheut seinen Urheber. Der Unglückselige macht mich zu einer heimlichen Verbrecherin, indem er jenes alte Feuer der leidenschaft wieder anfacht, und in einer Lage anfacht, wo es nur zu gerne und zu geschwinde in helle Flammen ausbrechen könnte. – Mitleid, Misvergnügen, Anlage zu schwärmerischen Neigungen, Leere meines Herzens, der Wunsch leidenschaftlich beklagt zu sein, alles das reizte mich unwiderstehlich zum Antworten. Er ist zwar von mir entfernt, aber bin ich dadurch minder strafbar? – Das Herz eines empfindsamen Weibes ist doch ein unbegreifliches Rätsel, das sich so leicht und so strafbar auflösst. – Da sezte ich mir so philosophische Säzze in Kopf, und bildete mir ein, dass sie nicht erwiedert würde meine Liebe, die ich für meinen Mann nährte – und hielt sie also für Verschwendung. Undank schmerzt schröklich, und unbelohnte Liebe ist Hölle für ein zur Liebe geschaffenes Weib. – So viel heute von deiner unzufriedenen