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, die lachende Gestalt der Freude, und im Herzen sieht es finster wie die Nacht aus. – Der Kummer welkt meine blühende Farbe, sie sind beinahe abgepflükt vom Gram, die Rosen des Frühlings. Alles neigt sich bei mir immer mehr und mehr zur Schwermut. Jede Kleinigkeit rührt mich bis zu Tränen, jeder Hauch erschüttert mich, jeder Schatten macht mich zittern; sie fangen an zu sinken die weichen Nerven der weiblichen natur! – Und wenn ich denn vollends einen blick auf mein Kind werfe, das ich unter dem Herzen trage, o dann wacht alles Feuer der leidenschaft wieder in mir auf, ich möchte ihm dann um den Hals fallen, dem Vater meines Kindes; ich möchte so lang an seinem Halse hängen bleiben, bis mein Schluchzen die natur erweichte! – Kurz war die Freude, die diese Nachricht meiner Schwangerschaft auf sein Herz machte; kalt ist dieses Andenken des Entzükkens in ihm; übertäubt ist sein Gefühl vom Eigennuz. – Kein Mitleid, keine Schonung, keine Sorgfalt für die Mutter seines Kindes lässt er blikken. Das Spiel macht ihn grausam, hart und unmenschlich! – Gott! gieb mir Mässigung! – Ich fürchte, ich fürchte, wenn meine Heftigkeit einst losbricht, dass ich dann die Schranken der Gattin übertretten werde!!! – Lange lässt sich der Wurm tretten; aber wenn er sich loswindet, so sind seine lezten Krümmungen die schrekhaftesten! – Bloss um meines Kindes Willen trag ich die Last mit der möglichsten Duldung. Aber wer bürgt mir für die Standhaftigkeit dieses Vorsazzes? – Wer ist fühlloser Mensch genug, mich zur andauernden Marter zu verdammen? – Fanny! – Fanny! – Ich bin in der gefährlichsten Stimmung! – Nur die Religion ist mir noch ehrwürdig, sonst würde ich sie zerreissen diese Bande der Barbarei, die den Pflichtlosen an den Unschuldigen, zu des Leztern Verzweiflung, ketten! – Mein Oheim ist zurück; er hat mir vergeben, und fodert Rechenschaft von meines Mannes Verhalten. Weh mir! – Was kann ich ihm sagen, als .... o Gott! Lass mich nicht murren, lass mich dulden, so lange es Dir gefällig ist!

Deine Amalie.

LXVIII. Brief

An Fanny

Gegenwärtiger Brief wird meinen leztern an Gram übertreffen, denn er hat seiter in meinem Herzen Wurzeln gefasst, dieser Gram, ist gewachsen und reif geworden! – Alles stürmte auf mich los! – Und ich wagte in der Verzweiflung einen Schritt, den nur eine Wahnsinnige wagen kann. – Lebhafte Temperamente sind die Mörder der überlegung; man rast der ersten bessten Aussicht entgegen, die man sich im Anlauf der Galle so willkommen sieht! – Hizzige, gallsüchtige Köpfe, denen es an guten Herzen fehlt, nehmen meistens ihre Rache an dem Beleidiger; aber ich nahm sie an mir selbst, an meinem kind, an meiner Gesundheit, an meiner Ehre, an meiner Familie! – Es ist freilich wahr, ich wurde mit mörderischer Hand mishandelt! – Mein Kind ist durch Grausamkeit vertilgt worden aus dem Schoos ihrer Mutter! – Sie ist dahin die Frucht meiner süssesten Hofnungen! – Ein wütender augenblick meines Mannes hat mich bis zu dem rand des Todes geschleppt, dem ich mit entzükkender Erwartung entgegen sah! – Ich will Dir diesen Auftritt seiner abscheulichen Leidenschaften schildern, um Dir, wenn es möglich ist, nur einen Schatten meines Elendes zu zeigen! – Mein Mann blieb einst, wie gewöhnlich, bis spät in die Nacht hinein in seiner Spielgesellschaft. – Was ich während diesen langen sechs Stunden, die ich schlaflos auf ihn vergebens harrte, ausstund, das lässt sich nicht beschreiben! – Angst, Furcht, Schrekken, grässliche Bilder der Zukunft, der hofnungslose Gedanke seiner Besserung, die Kälte meines Oheims, den er durch Heuchelei zu gewinnen wusste, sehnsucht nach einem andern bessern Herzen, die Herannahung der drohenden Dürftigkeit machten meine Seele in einem Labyrint des unbegreiflichsten Schmerzens verirren! – Ich konnte weder weinen, noch klagen, ich konnte weder schlafen, noch wachen, ich träumte fort bis es mein Gehirn angriff, und der trostlose Zustand meiner Lage mich beinahe ums Leben brachte! – Auf einmal hörte ich Lärm und Gepolter; ein kalter Schauer durchzitterte meine Nerven, mein Mann stürzte rasend, mit zerrissenen Haaren, ins Zimmer, ich bebte, er sprang auf mich zu, fasste mich an und fluchte schröklich! – Die Todesangst trieb mich aus dem Bette, ich suchte ihn zu entwaffnen, stürzte zu seinen Füssen, aber seine Raserei wurde immer heftiger, er wand meine langen Haare um seine Hand und schleppte mich barbarisch im Zimmer herum! Ich schrie nicht, ich klagte nicht, und das machte ihn noch boshafter, denn er hätte gern eine Furie in mir getroffen, um seiner Wut mehr Nahrung zu geben. Er tobte über meine Gelassenheit, und sehnte sich nach Anlass, mir mit Recht so begegnen zu können. – Meine Standhaftigkeit, meine Seelengrösse schien seine Wut zu verdoppeln! – Er schäumte nach einer Mordtat, und wusste nicht, ob er sich oder mich zuerst umbringen sollte! – Meine natur und meine Leibesfrucht wurden über diesem Auftritt erschüttert! – Ich sank in Betäubung hin, und er liess mich mehrere Stunden sinnlos ohne hülfe liegen. – Keine Seele von unsern Bedienten durfte ins Zimmer, worinn ich mit ihm war. Endlich fiel ihm der Gedanke an sein Kind ein und erweichte ihn in etwas; er nahte sich mir und fragte um meinen Zustand? – Die erste