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reine Herz seiner Gattin mit dem feilen Körper einer Buhldirne vertauschte. Der Trinker entsagt manchmal dem Trunk, wenn ein vernünftiges Weib seine Ehre vor den Menschen hinlänglich zu reizen weis, oder wenn er durch den Trunk seine Gesundheit in Gefahr sieht. Der Geizige vergisst aus Liebe zu seiner Gattin den Reiz des Geldes, und überlässt ihr willig seine Oekonomie, wenn sie sich sein Zutrauen zu gewinnen weis. Der Brausende mildert sein Feuer, wenn eine verstohlne Träne im Auge seiner Gattin ihn entwaffnet. Der Untätige wird fleissig, wenn er sein liebes Weibchen dankbar dafür sieht. Der Leichtsinnige lernt denken, wenn ihm die Tugenden seiner Gattin so häufig begegnen, dass er ihnen selbst folgen muss. – Aber der Spieler ist fast für alles fühllos, denn der Reiz des Gewinnstes versüsst ihm die Gefahr des Verlusts und tilgt in ihm den Vorwurf der Verschwendung. Sein lasterhaftes Ideal ist auf eine trügerische hoffnung gegründet. – Die Gewohnheit macht kühn, die Kühnheit im Spielen unternehmend, und nicht selten ist Verzweiflung, Dieberei und andere Niederträchtigkeiten, das endliche los eines leidenschaftlichen Spielers. Es schmerzt mich schröklich teure Amalie, dass ich Dir alles das sagen muss, es geschieht auch bloss um Dich anzufeuern, dein Alleräusserstes zur Besserung deines Mannes anzuwenden. Wer weis, vielleicht hat diese leidenschaft nicht gar zu tiefe Wurzeln! – Vielleicht ist es Langweile oder Verführung! – Mache ihm ja keine Vorwürfe darüber, Du würdest ihn in dieser Gewohnheit stärken. Such ihn zu haus in Gesellschaft guter Freunde zu unterhalten. Vielleicht vergisst er nach und nach seine übrigen Bekanntschaften. Zeig ihm nicht zu viel Guteit, aber auch keinen Troz; suche seine Vernunft durch ein muntres Gespräch zu fesseln; lass nur unvermerkt ein Wort in Betreff seiner üblen Gewohnheit fallen. Vielleicht gelingt Dir ein Meisterstük der Besserung an ihm. Ich hoffe alles von deinem kopf und Herzen. Ich weis, dass, wenn er sich nicht bessert, es gewiss nicht deine Schuld ist. Darum bitte ich Dich, Liebe, Teure, lass deinen Gram nicht zu hoch steigen! Es ist ja nicht deine Schuld, wenn er durchaus mit vollen Schritten dem Verderben zueilt. – Du verkennst übrigens das Herz deines Oheims, wenn Du Bitterkeiten von ihm erwartest, die gewiss nicht in seinem charakter liegen. Er wird freilich ein wenig über deinen Ungehorsam zürnen, aber nie wird er ihn auf Rechnung deines Herzens schreiben. Ein Mann, wie dieser, kann keine Handlung verdammen, die aus Ueberfluss des Gefühls unternommen wurde. Er wird über deinen Ehestand trauren, weinen, aber Dich nie aus einem Herzen verstossen, worinn Du so tief eingegraben bist. Sei ruhig in Ansehung dieses, meine Liebe; Du kannst es sein, Du darfst es sein! schreibe mir, ich bitte Dich, bald wieder, denn meine Angst um dein Wohl ist nicht klein. – Mitleiden gegen deinen Mann und Liebe für Dich, erfüllen meine ganze Seele, und stündlich flehe ich den Himmel an, Dir in deiner traurigen Lage Geduld zu verleihen. –

Deine Fanny.

LXVII. Brief

An Fanny

Vier Wochen sind wieder vorbei, und ich habe sie durchgeweint und durchgeseufzt! – Es ist aus, meine Fanny, mit der Besserung meines Mannes! – Ich habe Alles angewandt, Alles versucht, und nichts hat auf ihn gewirkt! – Er fängt an über meine Sanftmut mürrisch zu werden, er bleibt jetzt des Nachts länger als jemals aus. Wenn er dann zu haus kommt, so beherrscht ihn eine Laune, die mich durch und durch erschüttert! – Schlaflos, voller Furcht, unter banger Erwartung schleichen meine Stunden des Nachts dahin, bis ich die tür öffnen höre. Mein ganzer Körper fängt an zu zittern, noch eh er sich mir naht. Erwürgen möchten mich beinahe der innerliche Schmerz über beleidigte Liebe, der Verdruss und Aerger über seine Zügellosigkeit; und doch wagte ich es noch nie, nur eine Silbe von Vorwurf gegen ihn fahren zu lassen. – Ich bin gewiss, dass in dieser kurzen Zeit unser halbes Vermögen verspielt worden ist. Dieser Gedanke an seine Verschwendung tobt fürchterlich in mir; ich betrachte ihn als einen Niederträchtigen; der mich unsinnig dem Elend Preis geben wird. – Du weisst, Freundin, wir sind Menschen, wir haben Galle... und wenn Du empfändest wie eiskalt mir seine Schmeicheleien, denen er sich bisweilen aus Temperament überlässt, durch den ganzen Körper schaudern, Du würdest Dich entsezzen, und für meine Liebe zittern! – Ich habe sein Herz, seinen Anteil an mir verloren, und nichts ist mir übriggeblieben, als die Bedürfnisse seines Temperaments. O das ist eine abscheuliche Enteiligung der Liebe, wenn ihre Triebe nicht aus gutem Herzen quillen! – Und wie kann sein Herz gut sein, wenn er mich mit sich zur Dürftigkeit hinschleppt? – Wenn er mich hinschleppt zu jenen Abgründen der Armut, die das wohlgezogene Weib entweder zum Grab führenoder wenn sie nicht standhaft genug ist, wenn sie glitscht, die Elende, in die arme der Ausschweifung. Gott! – Ich kann den Ueberrest unsers Vermögens durch keine Zwangsmittel verwahren lassen. Ich laufe Gefahr von seiner Wut mishandelt zu werden! – Und wer lässt überhaupt gerne die Streitigkeiten der Ehe wissen? – Gutgezogene Menschen scheuen sich ihr Unglück öffentlich bekannt zu machen; denn der Mitleidigen sind wenige, aber desto mehr der Verläumder, besonders bei einer unglücklichen Ehe, wo die Stimmen so geteilt sind. Oft trag ich in Gesellschaft, worein mich der Wohlstand zwingt