nicht, dass ein Krieger Weib sein soll. – Aber an der Seite seines Mädchens, in den Armen der Liebe gewinnt seine Lebhaftigkeit unendlich, wenn weiches Gefühl der Dankbarkeit, wenn sanfter Affekt seine fühlende Seele adelt! – Stürmerei im Umgang, Unverschämteit der Sitten, ist doch immer die Sache des gemeinen Mannes, und lässt in der Uniform gar nicht. – Ich habe schon mehrere Offiziere von diesem Schlag in Gesellschaft gefunden, und es schien, als ob ihnen die Uniform ein Recht zur Ausgelassenheit gäbe. Sie erhoben öfters ihren gebietenden Hochmut über die Tugend eines armen Mädchens, gerade als stünde diese Tugend unter der Subordinazion ihrer Begierden. Doch mein zukünftiges Männchen ist artiger, wenigstens hat er sich bis daher sehr liebevoll betragen. Du sprichst mir zwar in deinem Brief von Begierde nach Genuss. O du lieber Gott! – Wer kann die Absichten eines Liebhabers so genau bestimmen? – Er zeigt sich immer auf der bessten Seite, und weis unsere Leichtgläubigkeit so täuschend zu beruhigen. Ich versichere Dich, meine Besste, je mehr man den Liebhaber studirt, je weniger kennt man ihn. Ich schmeichle mir doch auch ein Bischen Gehirne zu haben, und doch bin ich mit meiner unendlichen Bemühung ihn zu untersuchen nicht weiter gekommen, als bis dahin, wo er mich vielleicht mit voller überlegung wollte kommen lassen. – Denn der Mann hat Kopf. – Was ist nun zu tun? – Wie übel ist derjenige daran, der zwischen Liebe und Furcht zu wählen hat.? – Die erstere ist bisweilen so übereilt, so geschwind entschlossen, dass keine späte Reue den Schritt mehr zurück tun kann, den sie vielleicht unbesonnen, bloss aus Uereilung wagte. – Mit banger Aengstlichkeit werde ich mich vielleicht einer Verbindung nahen, die mich zum glücklichen weib, oder zum elendesten Wurm machen kann. – So eben erhalte ich durch einen expressen Boten einen Brief von meiner Schwester. Ich will ihn lesen, und wenn er Wichtigkeiten entält, so werde ich ihn Wort für Wort hier einrükken. – – – –
Ja wohl entält er Wichtigkeiten dieser Brief! – Die schröklichsten, die wir Beide uns je denken könnten! – Lies – und schenke ihr eine Träne, der Verfolgten! .....
"Liebe, gute Schwester! – – Schreibe mein langes Stillschweigen auf die Rechnung meiner Gefangenschaft, in der ich seit deinem leztern Briefe halb verzweifelt schmachte! – Du hieltst diese Pause meines Schiksals vermutlich für eine gute Wendung; aber Du irrst Dich, denn mein Elend ist aufs Höchste gestiegen! – Meine Prüfungszeit geht in wenig Tagen zu Ende, und dann will man mich hinschleppen zu jenen fürchterlichen Gebräuchen der Einkleidung! – Sie haben mir meine Einwilligung abgezwungen, die grausamen Mörder meines Seelenheils! – Ich werde mich in die finstere Todtengruft unter die rasselnden Knochen, meiner verweseten Vorfahrerinnen verbergen, wenn Du, einzig geliebte Schwester, mich nicht rettest! – Meine Gesundheit ist ohnehin angegriffen; aber doch möchte ich die wenigen Tage meines Lebens nicht unter dem Drukke einer schändlichen Lüge verseufzen! – O meine verstorbene Eltern! – Hört, hört eure nach hülfe schreiende Tochter! – Steigt hervor aus dem grab ihr schleichenden Schatten meiner Erlösung! – Reisst es weg, das Leichentuch, wenn man es mir nahe am Altar der milden Gotteit über meinen Kopf wirft! – Ich will den Kranz meiner Unschuld, den Brautschmuk meines Hochzeittages in Stükken zerfezzen, denn mein Schwur ist gezwungen, und folglich ungültig! – Ich bin eine Waise; Alles ist taub für mein Geschrei! – Man wusste meine Zunge durch Furcht und Zagheit zu binden. Die Guterzigkeit einer verliebten Nonne half mir zu dieser gelegenheit an Dich zu schreiben. Zögerst Du nur noch auf wenige Tage, so ist auf ewig für Dich verloren deine jammernde Schwester Louise von B***." Verloren auf ewig für mich! – Fühle diesen Schlag, der mein Herz zerreisst, wenn Du kannst, und lass mich!!! – –
LXI. Brief
An Fanny
Es ist geschehen, meine Freundin! – Zittere nicht; deine Amalie ist vermählt! – Und nun ist sie aus dem Kloster entflohen. – Die harten Nonnen haben mir meine Bitte abgeschlagen, zu meiner Schwester zu reisen, und was war mir in einer so dringenden Lage anders übrig? – Ich bin undankbar an meinem Oheim geworden, ich habe pflichtlos an ihm gehandelt, und den Nonnen einen Streich gespielt, an [den] sie denken werden! – Ich habe einem Mann mit Zittern die Hand gegeben, dessen dürstende leidenschaft den entscheidenden Zeitpunkt zu benüzzen wusste! – Ich habe vielleicht unsinnig, rasend gehandelt, und das alles aus Liebe zu meiner Schwester! – Aber eigennüzzig hätte mein Gatte meine Hand nicht erschleichen sollen; es verrät zu viel Liebe zur Befriedigung. Doch, was konnte ich da in so verwirrten Augenblikken viel untersuchen? – Ich sah meine Schwester im Todtengewande vor meinem Bette knieen, ich sah sie im Sarg liegen, sprang hastig aus meinem Schlafzimmer, und kroch im Dunkeln über Stiegen und Brükken, öffnete mit Kühnheit Schlösser und Türen, achtete nicht des nächtlichen Grausens, das mir durch die Glieder schauerte; und so kam ich eine Stunde vor unserer Abrede in den Klostergarten. Schweiss und Kälte lag auf meiner Stirne, das Rauschen eines jeden Blattes folterte mein Gewissen bis zur Todesangst! – Ich fluchte der Erde, ihren Bewohnern und dem schicksal! – Ich fühlte Rache gegen die Nonnen im Herzen, weil sie mir meine Bitte abschlugen;