der Andächtelei, die wenig zufriedenen Nonnen, die etwa noch in Klöstern zu finden sind, ihr Gefühl für Gott und die Menschen. – Denn wer für Wohlwollen, für die natur, für das gesellige Leben kein Gefühl hat, der hat auch keines für seinen Schöpfer. Unnüz fürs Gute, leben diese Geschöpfe bloss der Nahrung, dem Schlaf, dem Neid, der Weiberei, und der mechanischen Religionsübung, die sie eben so wenig verstehen, als die Erziehung der Kinder, mit der sich einige Klöster zum Unheil der Menschheit beschäftigen. Du hast Recht, meine Liebe, ein mittelmässiges Leben ist dem Kloster und dem Geräusch der grossen Welt vorzuziehen. Beides ist überspannt, beides gefährlich. Indessen musst Du Dir in den Armen eines Gatten nicht lauter Himmel versprechen; es kommt erst darauf an, in wie weit deine Wahl gut ausschlägt. – Nicht jeder Jüngling hat gutes Herz genug, in der Ehe die beiderseitige Zufriedenheit zu befestigen. Du weisst, was Du mir selbst leztin über jenes junge Weibchen schriebst. – Für dein Herz, für deine Vernunft steh ich gut, wenn Du nur an Jemanden gerätst, der dieses Herz mit Güte zu leiten weiss. – Nur, meine Freundin, sind die bessten Herzen immer die schwächsten, und geraten sehr leicht auf Irrwege, wenn ihnen Rohheit, oder brutales Betragen entgegengesezt wird. – Du bist lebhaft, meine Teuerste! – Du hast einen hellen Geist und sehr wenig Vorurteil; zu welchen Exzessen wärest Du nicht aufgelegt, wenn Dich ein Gatte übel behandeln sollte! – Ueberlege deine Heirat wohl, und versage deiner Freundin das Zutrauen nicht.
Fanny.
LVII. Brief
An Fanny
Teuerste, besste Fanny! – Ich muss mich heute schon wieder ans Klosterleben halten, denn dieses liefert mir täglich mehr Stoff zum lachen und zum Erbarmen. Zwar sind diese Sammelpläzze der Dummheit in den kaiserlichen Ländern jetzt sehr vermindert; aber um desto schröklicher schmachten die armen Nonnen in andern Gegenden ohne Rettung, umsonst nach Freiheit, und beneiden jene um das Glück ihrer Sklaverei entledigt zu sein. Nun will ich Dir doch das Wichtigste vom Klosterleben entwerfen. Gehorsam und unverlezte Keuschheit ist der Nonnen Hauptregel. Die geringste Uebertretung des erstern wird unter ihnen frazmässig gestraft. – Da kann man alle Tage Nonnen am Kazzentischchen, andere mit hölzernen Kochlöffeln im mund, wieder andere auf der Erden sizzend sehen, u.s.w. Zwanzigjährige Mädchen müssen da wie Kinder vor der Rute ihrer Mutter zittern; müssen der Vernunft widrige Strafen dulden, die ihnen durch Weibergesezze aufgelegt werden. – Müssen einer kindischen Moral folgen, die ihren Kopf zum Starrsinn, und ihr Herz zur Fühllosigkeit bringt. – Steif zusammen gedrängt, trauen sich die armen Kinder kaum Gottes freie Luft zu geniessen. Denn wohin reicht nicht das scharfe Auge einer stolzen, aufgeblasenen würdigen Mutter? – Der Neid und die natürliche Schwazhaftigkeit der Weiber dringt in den Klöstern bis zu den geringsten Fehlern des Nebenmenschen. Man besucht sich unter einander, bloss um Anmerkungen unter sich zu machen; man plaudert zusammen, um Neuigkeiten zu erfahren; kurz man macht willkührlich Jagd auf die Vergehungen Anderer, um sie zu verachten und der Misgunst Nahrung zu geben. Was nun die Keuschheit betrifft, diese wird in Heuchelei eingekleidet, so gut es einer Jeden möglich ist. – Freilich sind ihre Gedanken dabei zollfrei. – Nun wollen wir ihre Andachtsübungen untersuchen. – Die Nonnen beten viel, und doch nichts. Sie beichten oft, aber immer, aus Gewohnheit, kalt. Der Schlaf wird bei ihnen um Mitternacht gestört, aber desto träger, desto untüchtiger sind sie in ihren Empfindungen zum Lobe des Schöpfers, weil es ihrem Körper an der nächtlichen Ruhe mangelt. – Bei Tische geniessen sie die Früchten der gütigen natur mit milzsüchtiger Laune, denn ihre melankolischen Vorlesungen hemmen die Säfte der Verdauung. Ein barbarisches Stillschweigen... man denke sich das Wort Weib hinzu... martert ihre Seele, und macht sie jede Fröhlichkeit vermissen, die der gute Gott bloss zur Erholung der Tugendhaften schuf. Speis und Trank muss ihnen zur Last sein, weil sie es unter der Obsicht der Tirannei geniessen. Es ist zum Entsezzen, wie erfinderisch der Unsinn da jede Freiheit vergiftet, die der liebe Vater im Himmel, uns Allen zur Erholung, der leidenden Menschheit mitteilte. Die Erholungsstunden der Nonnen bestehen aus Gaukeleien, aus Kinderspielen, worüber die Vernunft weinen möchte. – Die jungen Nonnen unterhalten sich aus Raserei, aus Langerweile, mit dergleichen läppischen Possen, weil ihnen jede geschmakvollere Unterhaltung untersagt ist. Die alten Nonnen verkriechen sich mürrisch in ihre Zellen, und freuen sich sehnsuchtsvoll auf ihren Tod. Bücher sind durchaus bis auf ein Paar Kapuzinerautoren bei hoher Strafe verboten. Schreiben darf keine Nonne ohne die Erlaubnis ihrer Oberin. Alle Briefe werden von dieser versiegelt, und auch die Antworten wieder von ihr gelesen. – Das ist doch eine unverzeihliche Nasenweisheit! – Das beweist doch recht, dass man den Nonnen jeden Weg abschneidet, freiwillig im Kloster zu bleiben und freiwillig sich der Entaltsamkeit zu opfern. So verleben diese Armseligen im ewigen Streit ihrer Leidenschaften, mit dem herznagenden Hang zur Freiheit ihre Tage, entfernt von allen Freuden des Lebens, entfernt von der gesunden Vernunft, entfernt von den Rechten der Menschheit. Unwissenheit, Menschenhass, Vorurteil, Einfalt begleitet die Vorsteherin solcher Häufchen überall. – Ja wohl, meine Freundin, ist Klostererziehung die abgeschmakteste von der Welt. Wie können die Frauenzimmer, denen es selbst an Weltund Menschenkenntnis fehlt