die Menschen, denen dieser Vorgeschmak des himmels nicht zu teil wird. – Wie ist es möglich, dass man das Wort Freundschaft in der Welt so mishandelt? – Der Schurke, der Heuchler, der Lasterhafte, der Fühllose, der Dumme, der Niederträchtige, Jeder verschwendet dieses heilige Wort so leichtsinnig an den ersten Bessten, der ihm begegnet. Es wird zur gemeinen Waare herabgewürdigt, ein Schleichhandel des Eigennuzzes wird damit getrieben, Betrügereien angesponnen, Guterzige damit hintergangen, Unschuldige verführt, Weinende auf lügnerische Art getäuscht, und das alles unter der Larve der Freundschaft! – Warum ist doch diese sanfte Leiterin der menschlichen Fehler so selten unter den Menschen? – Fehlt es denn in der Welt so sehr an Gutmütigen, an Verständigen, an Tugendhaften? – Mich dünkt, der Jüngling ist aus Uebermas seiner zügellosen Leidenschaften nicht so leicht der Freundschaft fähig; wird er zum Mann, dann hält ihn Eigennuz und mürrische Laune davon zurück; wird er zum Greis, o dann ist sein Herz vollends kalt für diese herrlichste der Gaben! – Und bei unserm Geschlecht, da, meine Besste, sieht es vollends traurig um die Freundschaft aus. Das junge tändelnde Mädchen hascht gieriger nach einem Kopfpuz als nach einer Freundin. Der Neid, die Eitelkeit, die Verläumdungssucht halten frühe schon eine weiche Weiberseele in ihrem Nezze, und erstikken jedes Gefühl für Wohlwollen und Freundschaft, noch ehe der junge Verstand reift. Die meisten Weiber haben ihren angewöhnten Ton unter sich, feiner oder gröber, nach der Art ihrer Erziehung; doch ist es immer der kalte Komplimententon, das abgeschmakte Alltagsgeschwäz, das am Ende doch immer mit Verläumdung aufhört. – So wenig Weiber wissen liebenswürdige Lebhaftigkeit in Gesellschaften ohne Koketterie, Offenherzigkeit ohne Ziererei, Anstand ohne Sprödigkeit, Freimütigkeit ohne sklavische Furcht anzubringen. Da sizzen sie zusammengeschraubt, an die fade Etikette gebunden, an teuflische Verstellung und Politik gewöhnt, falsch eine gegen die andere, aus Hochmut, aus Dummheit, oder aus Eifersucht. – Der Mund ist süss, die Komplimenten zierlich und das Herz eiskalt und zurückhaltend. – Würden die Weiber ihrem Leben durch natürlichen, wizzigen, gesellschaftlichen Umgang, mehrere Nahrung geben, so würden beide Geschlechter glücklicher sein, und die Verläumdung müsste aufhören, wenn man bei den Weibern etwas mehr, etwas besseres, als blossen Genuss ihres Körpers suchen könnte. – Aber so lange es so wenig unterhaltende Weiber im Umgange gibt, eben so lange wird die Vernünftige an der Seite ihrer Besuche mit all ihrer Unschuld unter die Buhlerinnen gerechnet. – Die meisten zur guten Gesellschaft unfähigen Weiber kennen nur zwei Wege im Umgang, den fleischlichen oder den gleichgültigen. Daher kommt der Unglauben an den reinen Umgang einer vernünftigen Frau mit Männern. – Doch nun wieder zur Freundschaft zurück: – Da nun die Verläumdungssucht den dummen Weibern so sehr anhängt, so sind sie ohne Grundsäzze für Menschenliebe, ohne Standhaftigkeit im charakter, ohne Gefühl fürs wahre gesellschaftliche Leben; bloss Insekten, die sich untereinander vertilgen, so oft sie können, und durchaus mit solchen denkarten zur Freundschaft unfähig. – Die Weiber teilen sich mit ihren Torheiten und Bosheiten in Klassen ein, und jede Klasse hat ihr Anstössiges, woran die Bande der Freundschaft scheitern. Die Wizzige ist nasenweise und verschliesst ihr zu wenig gutes Herz aus Stolz. – Die Eitle opfert der Misgunst ihr Herz für ihre Moden, für ihre Stuzzer; wagt es eine andere in der Gestalt einer reizenden Freundin ihren Neid zu empören, o dann stösst die Eitle den blutigen Dolch der Rache der Freundschaft, die ihr begegnet, tief ins Herz! – Die Geschwäzzige naht sich der Freundschaft mit dem leichtsinnigen Geplauder einer faselnden, unsinnigen Törin, beschimpft die Tugend der Freundschaft durch niedriges Gassengewäsch... und so wird auch die Geschwäzzige als eine Unwürdige von jedem fühlenden Herzen zurückgestossen. – Die Fühllose schleppt ihr Maschinenherz in der Welt herum, und wird, von der Freundschaft ungesucht, dem elenden Schlendrian ihres ungeselligen Lebens überlassen. – Die ganz Dumme ist tot für die natur, tot für die Freundschaft, tot für die Liebe, und ein unerträgliches Untier, das jede Gesellschaft mit ihrer Dummheit zum Stillschweigen zwingt. – Die Spielerin erstikt durch ihren Eigennuz die wohltätige Freundschaft und sezt ihrer göttlichen Grossmut Geldbegierde entgegen. – Die Kokette misbraucht die arme Freundschaft in lauter Lügen, sie zerfezt sie, und wirft die Teile davon verschwenderisch überall hin, und wird doch am Ende, als eine unwürdige Tochter derselben, aus dem Tempel der Redlichkeit und der Freundschaft verbannt. – Die Buhlerin ist ohnehin schon von der natur von jedem Genusse des feinen Gefühls ausgeschlossen, und folglich auch von der Freundschaft. – Die Heuchlerin entsezt sich bei den offnen, freien Blikken der Freundschaft und kriecht beschämt zum heimlichen Laster zurück. – Die Andächtlerin ermüdet dieselbe mit ihrer Afterreligion und erhascht zu ihrer Geisel einen skrupulösen Schwarzrok zum Vertrauten ihres Aberglaubens. – Die freudenlose, finstere Hausmutter wagt es auch nicht, sich den Freuden zu nahen, die sie verschafft, und wird von der geselligen Freundschaft zum Umgang ihrer Bosheits-vollen, pöbelhaften Dienstboten verdammt. – Die adeliche Dame versagt dem unadelichen ehrlichen mann nur zu oft aus Ahnenstolz ihre Freundschaft, und gerät, zur Schande ihrer wenigen Philosophie, aus Langerweile, aus Bedürfniss, in die freundschaftlichen arme ihres unadelichen Kammerdieners. – Ist es nicht traurig, meine Freundin, dass es unserm Geschlecht so sehr an einer guten, zur Freundschaft fähigen denkart fehlt, die doch das Glück der meisten Weiber machen würde? – Ich