? – Wie ging denn das zu? – Wie kam es? – O dass Du mir nicht auch alles bis auf den kleinsten Umstand schriebst! – Um aller Welt willen, verhele ihm meine mistrauischen Anmerkungen! – Er müsste mir gram werden, dass ich ihn, freilich unbekannter Weise, so beleidigen konnte. – O Malchen! – Malchen! – mein Entzükken über diese Entdekkung ist gränzenlos! –
Schmiege Dich fest an den edlen, und wenn seine Verwandten sich in Furien verwandelten, so lasse ihn doch nicht! – An der Seite eines Wilhelm B.... wird jedes Weib zur beneidungswürdigen Sterblichen! – Und gesezt, sie entzögen ihm alle Glücks-Güter, so wirst Du bei seinen ausgezeichneten Talenten doch nie darben dürfen. –
Wenn ich ihn doch nur schon von person aus kännte; Karl und ich können den augenblick kaum erwarten, wo wir ihn sehen werden! – Guter, guter Vater im Himmel, so machst du denn meine Amalie auf einmal ganz glücklich! – Hast Du ihn endlich gefunden, Freundin, den, der einer Amalie würdig ist, – den, der Dir in Allem so gleicht, als ob die natur bei der Schöpfung nur Einen Gedanken, nur Einen Endzwek zur engsten Harmonie gehabt hätte, – den, der Dir alle trüben Schiksale wird vergessen machen, – den, der Dir, mir und meinem Karl Tränen der innigsten Freude entlokt! – – Amalie, es gibt Wonne-Gefühle, die die Zunge fesseln, aber das Herz desto mehr erweitern zur Empfänglichkeit für die Freuden der Freundschaft; das ist jetzt der Zustand deiner entzükten
Fanny.
CLXIII. Brief
An Fanny
Teuerste, liebste Fanny! –
Ich habe Dir mit Vorbedacht den Geschlechts-Namen meines Wilhelms nicht früher entdekt, um dein Urteil desto unparteiischer zu vernehmen. – Von der Freundschaft zwischen Karl und Wilhelm, deren Erneuerung meinem Gatten die unaussprechlichste Freude machen wird, wusste ich nicht das geringste; bloss der glückliche Zufall hat es entdekt. – Ich halte mich überhaupt bei der Schilderung eines Freundes nicht gerne lange bei Nebensachen auf, am allerwenigsten bei körperlichen Reizen, an denen nur sinnlose, eitle, undenkende Frauenzimmer kleben bleiben. – Glücklicher Weise gehört meine Wahl auch in diesem für mich so unbedeutenden Stükke nicht unter die geschmaklosen, wie Du von deinem Karl hören wirst. – In der glücklichen Liebe müssen die körperlichen Reize immer den moralischen nachstehen, sonst wird dieselbe zur niedrigen Alltags-Waare. – Es würde meinem Kopf ewig Schande machen, wenn ich mich je bei der Wahl eines Gatten (vorausgesezt, dass er von der natur nicht ganz verwahrlost worden ist) bei meinen philosophischen Grundsäzzen so weit hätte verirren können. –
Ja, meine Teuerste, Wilhelm B.... ist es, der meine zeitliche und ewige Glückseligkeit ausmacht! – Er ist jetzt mein Führer, mein Freund, mein Gatte, mein Alles in Allem! – Wie ich an ihn geriet, würde zum erzählen zu weitläufig werden; also nur in Kurzem: Er lernte meine denkart, so wie ich die seinige, durch die Schilderung einiger Freunde kennen. – Aus Ahndungen entstunden Wünsche, und diese Wünsche führten uns durch einen glücklichen Zufall zur Bekanntschaft, der wir beide mit sehnsucht entgegen sahen. –
Du weist, wie ich gerade zu derselbigen Zeit im Begriff war, aus mürrischem Menschenhass zum Leichtsinn überzugehen, – als plözlich Wilhelm kam und mich zurückrief. – So weit, wie ich es trieb, treibt es der schwache Mensch, wenn ihn das schicksal verwirrt macht, wenn sein gutes Herz von allen Seiten zerrissen und seine Vernunft beinahe irre geführt wird. – Gott Lob, sie sind vorüber diese zeiten! – ich erhielt einen Begleiter auf diesem gefährlichen Pfade, wo man so leicht strauchelt! –
Aber, liebe Fanny, sei doch kein Kind, wie könnte Dir denn Wilhelm gram werden, wenn Du unbekannter Weise für mein Wohl sorgtest? – Habe ich deinem anteilnehmenden Herzen nicht schon bei der ersten Wahl eines Gatten den unüberlegtesten, leichtsinnigsten Streich gespielt? – war ich nicht taub gegen deine Ermahnungen? – hörte ich nicht bloss auf meine guterzige Hizze, um mir unbeschreibliches Elend einzutauschen? – Du hattest ganz Recht mich zu warnen: ein junges Frauenzimmer hat nie zu viel Welt, nie zu viel Kopf, um in der Liebe vorsichtig genug zu handeln. Möchten sich meine Leserinnen mein ausgestandenes Elend tief in ihr Herz schreiben, wenn ein Spieler, ein Wollüstling oder sonst ein niedriger Schurke ihre Leichtgläubigkeit, ihre Sinnen durch heuchlerische Schmeicheleien, durch zudringliche Kunstgriffe zu übertäuben sucht! –
Doch endlich, meine Besste, sind sie zu Ende meine Leiden, und die Verfolgungen, die wir wegen unserer Liebe dulden mussten, durch die Standhaftigkeit meines Wilhelms überwunden! – Mein SchauspielerStand beleidigte seine hochnasigte Familie, die sich doch der meinigen nicht zu schämen hat. – Aber Wilhem trozte diesen Schimären und hörte bloss auf die stimme der Vernunft, der Redlichkeit und der Liebe! – Seine feurige Einbildungskraft gibt der Liebe einen Schwung, den vielleicht wenig Jünglinge in unserm flatterhaften Jahrhunderte erreichen werden, wenigstens gewiss nicht mit solchen durchdachten Grundsäzzen, mit so vieler überzeugung einer zukünftigen Glückseligkeit, mit dem warmen Ausguss des bessten Herzens, wie meines Wilhelms Liebe ist. –
Gott ist mein Zeuge, dass aus diesem braven Jüngling nicht überspannte Romanen-Sprache spricht; seine Liebe ist auf überlegung gegründet; sie entstand allmählich; er lernte mich durch Umgang kennen, fand seine Wünsche in