Besiz endlich ermüde und die Einbildungskraft in etwas abspanne? – Jedes vernünftige Weib wird sodann mit ihrem mann Mitleid fühlen und das nicht mit Gewalt fodern, was ihre Bemühung, durch Grossmut, durch Nachsicht mit den Schwachheiten ihres Mannes, wieder nach und nach zu erlangen hofft. Wie viele würdige Weiber bezauberten schon ihre Männer aufs Neue durch Nachgiebigkeit, durch Rüksichten, die ein Undankbarer nicht vermutet hätte. Und wie viel, Freundin, könnte ich Dir noch über diesen Punkt sagen. Aber nun zur geschichte deines Doktors. Ich sage deines, und kann mich doch nicht bereden, dass er dein ist, oder werden wird. Warum? – wirst Du fragen. Aufrichtig, Freundin, um Dir Schwärmerin ans Herz zu gehen, brauchts eben so viel Mühe nicht. Ob aber Du ihm wirklich auch ans Herz gehst? – Ja, das ist nun eine andere Frage. Es braucht ein wenig mehr, als bloss lebhafter Wiz, um der Männer ihre ernstafte Seite zu treffen. Sie tändeln oft statt der Liebe mit unserer Eitelkeit, wir desgleichen mit der ihrigen, bis eine jüngere Tändelei der ältern Plaz macht. – Die Herrchen sind galant, weil es ihnen nur um Galanterie zu tun ist; wizzig, um mit ihrem Wiz zu glänzen; aus Stolz nicht stürmisch, aber desto schlauer im Schleichen. Du verstehst mich doch? – Ueberhaupt, Mädchen, bist Du zu leichtgläubig. Mistrauen am rechten Ort angebracht, ist ein trefliches Mittel für junge unerfahrne Seelen. Lebe wohl, lose Schwärmerin! – Lebe wohl!
Deine Fanny.
XXV. Brief
An Fanny
Herzliebe Freundin! – Du bist ja eine leibhafte Misantropin geworden – Freudenstörerin will ich eben nicht sagen, denn dazu liess es dein gutes Herzchen nicht kommen.– Aber sag mir nur, warum bist Du denn so äusserst mistrauisch gegen die Männer? – Die armen Narren dünken mich doch so gut, oder wenigstens scheinen sie es zu sein. Freilich könnte Leichtgläubigkeit bei mir ein Fehler werden, aber noch ist er es nicht. Ich kann mir doch nicht vorstellen, dass ich gerade das Unglück haben müsse, auf einen Modegekken zu stossen, der mich betrügen will? – Noch hab ich am Doktor keine Spur von Schleicherei bemerkt. Lass mir doch diese liebe Träumerei; ist doch alles Traum, was man Gutes hat auf der Welt! – Wenn ich in der Liebe kein Vergnügen suchen dürfte, wo sollt' ich es denn finden? – Menschen, die nicht lieben, haben Sand im Herzen und wasser im Gehirne. Die Lebhaftigkeit meiner Einbildungskraft fodert durchaus Liebe, und alle deine Kernworte werden diese glühende Einbildungskraft vielleicht leiten, aber nicht abkühlen. Der liebe Wohlstand mag es mir nicht übeldeuten, wenn ich ungeheuchelt einem Triebe folge, den ich mir nicht in die Seele gelegt habe. – Alle Einwendungen, die ich mir darüber mache, sind ein schwacher Damm, die den Strom zwar aufhalten, aber desto heftiger anschwellen. Es wohnt in mir nur ein grosser, feuriger Gedanke, und wenn ich ihn verdrängen will, so teilt er sich in tausend kleinere, aber husch ist der grosse Gedanke wieder in meinem kopf da und herrscht in meiner Seele. Kurz, Freundin, meine Einbildungskraft muss ziemlich brennen, denn weil ich mir unter tages Zwang antun muss, so rebellirt sie desto heftiger bei der Nacht. – Als ich leztin, Schäkkerei halber, bei meiner Freundin im nemlichen Bette schlief, (ihr Mann war abwesend) beging ich einen Streich, der mich des andern Morgens schamrot machte. denke dir einmal: Im Schlaf umfasste ich meine Freundin, küsste, herzte sie und seufzte laut den Namen des Doktors dazu. Die boshafte Beischläferin störte mich gar nicht in meiner Freude, und als ich aufwachte, schämte ich mich fast zu tod, denn ich erinnerte mich nur zu gut meines begeisterten Traumes. Läugnen half jetzt nichts und der unschikliche Ort, wo ich meine Gefühle ausdrükte, war für mich eine ärgerliche Erinnerung. Was mich aber vor Zorne weinen machte, war der Leichtsinn, mit dem meine Freundin diesen Vorfall dem Doktor erzählte. – Nun ist der junge Herr von meiner Schwachheit ganz überzeugt. – Wirklich Schwachheit, denn meine Neigung ist um viele Grade heftiger, als die seinige. Bin ich nicht eine Törin, dass ich meinem Gefühl so den Zügel lasse? – Vielleicht wieder für einen Undankbaren lasse? – Nun ja wieder! Liebte ich nicht schon einmal, und das umsonst, ohne Gegenliebe? – Hilf mir der liebe Gott! Was wird aus meinem weichen Herzchen werden, wenn es nicht bald seinen Wiederhall findet? – Und ist denn ein solcher Wiederhall so leicht zu finden? Gegenliebe scheint mir ein so seltenes Ungefähr, dass es einem schaudern sollte, welche zu suchen. Haben denn die Männer in der Liebe wirklich so selten eine ernstafte Seite? – Was gäbe ich nicht, Freundin, wenn ich ganz mistrauisch sein könnte! – Wie soll ich es denn anfangen, um es zu werden? – Mein ganzes Wesen ist offen, und immer dachte ich mir andere Menschen auch so. Und besonders Dich, Freundin, kann ich zu meinem Trost nicht anders, als äusserst redlich und äusserst liebevoll denken. –
Amalie.
XXVI. Brief
An Amalie
Wahrhaftig! – Du bist ein tolles Mädchen! In deiner verliebten Schwärmerei sehr gefährlich für deine eigene Ruhe. Es würde Dir sehr übel bekommen, wenn man Dich so deinen Trab fortschlendern liess. Höre, Mädchen,