unterhaltenden Umgangs zog mir immer teils neugieriges, teils eitles Männer-Volk zu. – Aber kommt nur, ihr nasenweise Lekker, ihr falschen Krokodillen, ihr sinnlichen Weichlinge; ich will euch begegnen, wie es euer Geschlecht verdient! – Die wenigen Guten darunter bleiben ohnehin an dem treuen Busen ihrer Mädchen hangen, und für die übrigen herumirrenden Lotterbuben ist die boshafteste weibliche Intrike noch eine zu barmherzige Strafe. –
Gott! so weit treibt mich der Gram meines mishandelten Herzens! – So schröklich empört sich mein hintergangenes Zutrauen, das mich beinahe unversöhnlich macht! – Nichterwiederte Redlichkeit wütet grässlich in einem Herzen, darinnen edler Stolz wohnt! – Der schüchterne Hase schrieb mir meinen Abschied, worin After-Moral und sehr falsche Grundsäzze herrschen, – vermutlich um dadurch seinen Wankelmut zu entschuldigen. – Doch bei mir entschuldigt ihn Nichts! – Die Schwüre der Liebe, die ein Mann einem unbescholtenen weib ablegt, kann Nichts brechen, als boshafter Meineid, oder Tod. – Zu einer solchen Standhaftigkeit braucht's weder Romanen-Tugend, noch überspannte Ideen, sondern edler männlicher Stolz, Feinheit des Gefühls und überlegung, ehe man ein fühlendes Weiber-Herz zur Liebe reizt. –
Schiksale, Verfolgungen, schlechte ökonomische Umstände müssen unter zwei bieder Liebenden wechselseitig getragen werden, sonst sieht die Liebe einer verräterischen Betrügerei ähnlich, die sich bei jedem Zufall aus schändlichem Eigennuz an der Standhaftigkeit rächt. – Gerne hätte ich dem Wortbrüchigen diese derben Wahrheiten mündlich unter die Augen gesagt; aber er floh meine Gegenwart, scheute meinen anblick, wich mir aus, und schien sich aus bösem Gewissen nicht verteidigen zu wollen. – Dann riss ich in der ersten Hizze sein Bildniss von der Wand und trat es mit Füssen! –
Eine Zeitlang kämpfte ich noch mit beleidigtem Stolz und gutem Herzen. – Endlich siegte der erstere und gab mir wieder jene ruhige Richtung, die immer den lindernden Trost eines Unschuldigen ausmacht. –
Das wäre nun der gang einer geschichte, die ich aus meinem Gedächtnisse verbannen will. – Vielleicht habe ich sie mir auch selbst zu verdanken; warum war ich nicht mistrauischer? – warum hörte ich nicht genug auf deine Warnungen? – warum lies ich mich durch einige Duzzend Briefe betören, die aus Eitelkeit an mich geschrieben wurden? – Merkt's euch, Freundinnen! – so gings der guterzigen
Amalie.
CLIII. Brief
An Fanny
Meine neue Lebensart tut herrliche wirkung! – Ich werfe in öffentlichen Gesellschaften mein Nez aus, fange lüsterne Fliegen, und lasse sie dann wieder aus, wenn ich sie genug gequält habe. Die Zahl meiner kriechenden Sklaven vermehrt sich täglich. – Ich sehe sie mit kaltem Gefühl kommen, und lasse sie wieder mit leerem Herzen abziehen. – Es ist doch ein elender, freudenloser, bettelmässiger Zustand um ein Herz ohne Liebe! – Aber es ist auch ein schaudernder Gedanke um die Furcht betrogen zu werden! –
Also wieder zu meinen Müssiggängern zurück, die in galanter Beschäftigung um mich herumsumsen. – Wie sich die eiteln Toren zu mir hindrängen! – Wie sie um meine spöttische Unterhaltung wetteifern! – Wie einer den andern zum kritisiren reizt! – Wie jeder mit Emsigkeit um den Vorzug buhlt! – Und wie ich troz alle dem dies Fliegen-Geschmeiss in einer gewissen Entfernung zu erhalten weis, dass keiner unverschämt wird. – Das ist wahrlich kein kleines Studium. – Die Klugheit eines Weibs hat doch gränzenlose Auswege, wenn sie Welt- und Menschenkenntnis besizt. – Es soll mir gewiss keiner meinen Plan verderben, eh ich des Plagens von selbst müde werde; – dann will ich mich in philosophischer Stille der Einsamkeit zuziehen, und lachen, oder weinen, wie es meine Laune mit sich bringen wird. – Ich habe meine Helden in Klassen eingeteilt, und weis jedem nach Verdienst zu begegnen. – Alle tragen ihre Schellen-Kappen, und jeder behauptet seinen eigenen Ton. – Zum Exempel: –
Der Dummkopf schwazt Unsinn; der Prahler schwadronirt; der Stuzzer spricht von wichtigen Kleinigkeiten; der Waghals poltert; der Hagestolze schimpft über die Ehe; der Vielwisser lässt Lügen schneien; der Grosssprecher rühmt sich ungeschehener Dinge; der Zier-Affe seufzt über die feuchte Witterung; der Gek lässt sich bewundern und erzählt seine Eroberungen; der Wollüstling bietet seine Schatulle an; und der verhärtete Bösewicht posaunt die genossenen Gunstbezeugungen aus; u.s.w. – Kurz, jeder tut das seinige, um mir die Langeweile zu vertreiben, oder einem Nebenbuhler Galle zu machen. – Das Ungeziefer vertilgt sich selbst untereinander. – Sie nekken, foppen, schikaniren sich, verdrehen einander die Worte, dass es einem wahren Lustspiel ähnlich sieht. – Ich nehme dann oft die Partei von diesem; satirisire einen andern, beschäme einen dritten, oder nekke einen vierten, bis keiner mehr weis, wo ihm der Kopf sizt. – Dann stehen sie da, die Maulaffen, starren sich wechselsweise an, und lachen einander selbst aus. – Dazu hab ich's schon öfters gebracht. – Eine meiner Freundinnen, ein biederes, braves Weib, die mein schuldloses Herz kennt und bei dergleichen Auftritten immer an meiner Seite sizt, lacht oft aus vollem Halse, und wünscht ihnen dann beim Weggehen gute Verdauung! – Nur einer von diesen Schmetterlingen macht sich besonders zudringlich. – Die natur macht ihn zwar durch sichtbare Merkmale kennbar, die jedes gutgesinnte Herz vor ihm warnen können. – Wahrlich, die natur lügt nicht an ihm; denn seine Seele ist eben