Dann bekomme ich erst Anlass meinen Fleiss anzustrengen und mich zu üben. – So denke ich über diesen Punkt. – Das hiesige Publikum könnte leicht dieser Kabale vorbeugen, wenn es unter sich einstimmiger wäre und mit vereinigten Kräften sich an den Eigensinn des parteiischen Direktors wagte; – aber so etwas ist bei der Disharmonie, die unter demselben herrscht, nicht zu hoffen. – Ich muss also wohl mein Geschik noch einige Monate gelassen ertragen lernen, da ich es doch nicht auf der Stelle ändern kann. –
Der junge Mann, mein Freund, bezeugte sich bei diesen Streitigkeiten sehr menschenfreundlich, und lies gegen mich viel gutes Herz blikken. – Fast hätte ich ihm bei diesem Anlass auch Standhaftigkeit in der Liebe zugetrauet. – Schon sprach mein dankbares Gefühl zu seinem Vorteil; – als er mich plözlich durch sein unbesonnenes Betragen, durch sein wildes Wesen im Umgang vom Gegenteil überzeugte. – Er scheint mir jetzt in der Liebe ganz und gar meinen Forderungen nicht zu entsprechen – eben so wenig als meinem Ideal, das ich mir aus seinen schwärmerischen Briefen zusammenfantasiert hatte. – Hätte ich ihn doch keine Neigung merken lassen! – Zwar erneuert er seine Liebe gegen mich durch öfter wiederholte Schwüre; aber seine flüchtigen Besuche, seine leichtsinnigen Launen machen mich zittern! – Und doch bin ich Törin genug, diesen Spuren seiner Flatterhaftigkeit einen guterzigen Anstrich zu geben. – O Weiberherz, wie truglos bist du, wenn keine grobe Leidenschaften deine Gestalt verunedelt haben. – Nächstens eine nähere Beschreibung von ihm. – Lebe indessen zufrieden in den Armen deines vortreflichen Karls. –
Amalie.
CL. Brief
An Amalie
Nu, nu, liebes Herzens-Malchen, ich habe Dir ja schon lange verziehen! – Ich war nicht einmal böse auf Dich. – Und damit Du siehest, dass mir meine gute Laune recht Ernst ist, so will ich Dir heute eine recht freudige Nachricht mitteilen: – In Zeit von neun Monaten gehe ich mit meinem Karl... wohin meinst Du wohl? – Zum Altar, meine Traute! – O freue Dich doch mit mir, meine Teuerste! freue Dich mit mir! – Nun sollen bei dieser Aussicht deine Schiksale bald ihr Ende erreichen; – und Du geniessest dann an meinem Busen jene ruhige Wonne der unzertrennlichsten Freundschaft! –
Streite bis dortin noch mutig deinen Widerwärtigkeiten entgegen; bald sind sie überstanden, und ich teile dann mit Dir alles, was der Himmel mir an Glücksgütern schenkte. –
Karls Familien-Hindernisse sind jetzt alle gehoben, und der gute Junge taumelt vor Entzükken über diese glückliche Veränderung. – Kaum kann der liebe Schwärmer den augenblick erwarten, der ihn zum zärtlichsten Gatten einweihen wird! –
Schreibe doch geschwind an Malchen! – schrie er mir zu; – und ich musste nach der Feder greifen. – Ich sollte Dir zwar heute deine drei Briefe nach der Reihe beantworten. Aber kannst Du das von einer entzükten Braut fodern? – Ueberdies mag ich Dir die erzschlechte, niederträchtige Behandlung deines Direktors nicht ins Gedächtnis zurückrufen. – Also weg von diesen unangenehmen Erinnerung, und hin zu deiner Fürsten-Anekdote, worüber ich und Karl aus vollem Halse lachten! –
Du hast ihm seine Anträge mit dem feinsten Spott erwiedert. – Ich möchte sein gnädiges Gesicht beobachtet haben, als er dein Billet las! – Denn die grossen Herren sind meistens daran gewöhnt, mit Geld und Despotismus überall durchzudringen. –
Bald, meine Besste, sollen alle diese Erniedrigungen aufhören! – Ei dass dich! – Sieh, sieh, Karl lässt mich vor seinen Küssen nicht weiter schreiben. Du musst also schon für heute zufrieden sein mit deiner bessten, liebsten
Fanny.
CLI. Brief
An Fanny
Die Ueberraschung, als ich dein Glück vernahm, hat mir eine dankbare Freuden-Träne entlokt! – Warm dankte ich dem Schöpfer für die ewige Verbindung zwoer so edler Seelen! – Aber darf ich es wohl ohne Erröten gestehen, dass mich dein gütiger Antrag nicht so ganz entzükte, als es seine Grossmut verdient hätte? – Es blieb in meinem Herzen ein gewisses unbefriedigtes Etwas übrig. – Und was meinst du wohl, dass es sein möchte? – ist es möglich? – Du bist Braut, schwärmst in den Armen der Liebe, geniessest Seligkeiten, um die Dich Engel beneiden, kennst mein Gefühl, und errätst es doch nicht! – Auch mein Herz klopft einem Gatten entgegen! – Auch ich nährte Hofnungen, auf die ich schon lange eine idealische Glückseligkeit gründete! – Auch ich suchte schon lange einen biederen deutschen Jüngling – aber umsonst! –
Die Liebe warf mir in meiner Geburts-Stunde ihren Fluch zu! – Für mich hat der Himmel Niemand geschaffen, der mir mit Gatten-Liebe die Beschwerlichkeiten des Lebens tragen hälfe! – Selbst die Bekanntschaft mit dem jungen mann wird mir fehlschlagen; ich ahnde mein schicksal schon zum voraus! – Deine Prophezeihung trift ein! – Lies folgende Karakteristik von ihm, die ich bloss für Dich entwarf. –
Im grund ein gutes Herz, aber dabei flüchtig, eitel, und ohne feste Grundsäzze. – Ueberfluss an Wankelmut, der aus Mangel an überlegung entsteht und den lokkern Jungen eben so geschwind wieder von der Liebe wegreissen wird, als ihn Lebhaftigkeit des Temperaments daran fesselte. –
Hinlängliche Vernunft, Gutes vom Bösen zu unterscheiden, doch zu faselnd, zu zerstreut, um darüber nachzudenken. – Nicht fühllos, aber vom übeln Beispiel und französischer Galanterie schon zu sehr verdorben, empfindet er die Liebe nur