für ihren Mann in Mannskleidern bis ins Lager drang, um ihn aus der Gefangenschaft zu retten. – Das Feuer, womit ich aus der Koulisse herausstürzen musste, verjagte auf einmal alle meine Furcht, und ich fühlte mich in dem augenblick ganz das, was ich vorstellte. – Noch war mein erster Dialog nicht zu Ende, als mir Seine Königl. Hoheit Prinz Maximilian ein lautes Bravo zuriefen, dem das ganze Publikum folgte, ohne dass eine Seele darunter meinen Namen wusste. – Wenn je ein Beifall unparteiisch war, so war es gewiss dieser. – Wäre der Direktor ein besserer Wirt, so würde es mir bei dieser Gesellschaft gefallen; der Mann hat Kenntnisse, und schäzt die Kunst. –
Was mit mir ferner geschieht, sollst Du bald hören von deiner Freundin. –
Amalie.
CXXIX. Brief
An Amalie
Es scheint, meine Liebe, dass das Unglück auch auf mich loszustürmen anfängt! – Kaum erhielt ich die Nachricht von deiner Krankheit, so wurde auch mein Karl mit einem hizzigen Fieber überfallen. – Der arme Junge war dem tod und ich der Verzweiflung nahe! – Jesus Christus! – wie ich da mit der äussersten Trostlosigkeit rang, als die ärzte mir alle hoffnung seiner Herstellung absprachen! – Hätte ich ihn verloren, den Mann meines Herzens, ein freudenloses, elendes, jammervolles Leben würde dann meiner gewartet haben! – Ich wäre in der häuslichen Glückseligkeit an jedes Andern Seite zur ärmsten Bettlerin geworden! – Denn ausser meinem Karl ist für mich unter den Menschen keine Harmonie mehr; – ob uns gleich das schicksal noch nicht ganz vereinigt hat, so sind doch die wenigen Stunden, die wir jetzt schon mit einander verlebten, ein Vorgeschmak des himmels, der uns einst bei näherer Verbindung erwartet! – O! diese Bilder der seligsten Zukunft wären dann durch seinen Verlust alle auf einmal zusammengestürzt! – Ha! – Ich würde es nicht überlebt haben! –
Allgütiger! dir sei ewiger, inniger Dank gesagt, dass du mir ihn wieder schenktest! – O, was der gute Junge in seiner Krankheit für Engels-Geduld zeigte! – Wie ich an seinem Krankenbette mit nassen Augen ganze Nächte durch wachte und alle seine Schmerzen doppelt fühlte! – Bei einem solchen Anlass kann der Wert eines guten Herzens am bessten erkannt werden. – Da ist der Zeitpunkt, wo eine Geliebte durch tausend kleine Gefälligkeiten ihre Gefühle an Tag geben kann. – Selbst mein Karl sagte während seiner Krankheit, dass die geringste Wohltat in solchen Fällen dem Kranken himmels-Wonne wäre, die er von der guterzigen Hand einer Geliebten erhielte. – Noch ist er sehr schwach, der Gute, aber ganz ausser aller Gefahr, und grüsst Dich herzlich. –
Seippens Misgeschik, das Dir einen so guten Direktor entriss, hat uns Alle sehr gebeugt. –
Gott! Wie sehr wünsche ich, dass Du des unbeständigen Teater-Lebens bald satt sein und doch einmal mit Ernst auf eine andere Versorgung denken mögest. – Das besste Teater-schicksal ist doch fast überall mit Galle und Gift untermengt, die der Neid auf eine oder andere Art einmischt. – Du wirst vielleicht keinen Seipp mehr finden; und doch, meine Amalie, und doch, ungeachtet der unerträglichsten Beschwerlichkeiten, die dieses Leben mit sich führt, nährst Du noch in deinem Herzen einen leidenschaftlichen Hang dafür? – Lass ab, meine Freundin, von diesen falschen Freuden des Beifalls, die meistens ihr Ende erreichen, so wie der Vorhang fällt. – Wäge das Bischen Schmeichelei mit den vielen Kabalen ab, die Dir bei jedem andern Teater drohen, und es bleibt Dir gewiss nichts übrig, als ein blutendes Herz, das die Bosheit zerfleischte! – Die Teater-Sitten sind noch lange nicht das, was sie sein sollten. – Weh dem, der mit einem fühlenden Herzen das Opfer dieser verdorbenen Sitten wird! –
O, meine Freundin! wenn Du deine leidenschaft für die Bühne nach und nach zu unterdrükken trachtetest; wenn Du irgendwo einen Freund suchtest, der Dir ein ruhigeres, zufriedeneres Leben anböte, der Dich diesem Herumirren entzöge! wie glücklich wärest Du nicht? – Du bist zu empfindsam, um ferner die Mishandlungen, Ränke und Kabalen zu ertragen. – Suche doch, meine Liebe, deinem schicksal bald eine andere Wendung zu geben, und Du wirst um vieles beruhigen
Deine besste Fanny.
CXXX. Brief
An Fanny
Besstes Mädchen! –
Wie sehr bedauerte ich Dich, als ich vernahm, dass das unbarmherzige schicksal Dir gedroht hatte deinen guten Karl zu entreissen. – Ich kann mir den Kummer lebhaft vorstellen, den Du dazumal musstest gefühlt haben! – Wenn man seine ganze zeitliche Glückseligkeit auf einen einzigen Gegenstand sezt, und das schicksal uns denselben zu entziehen drohet, ist es nicht, als ob wir einen teil unseres Selbst verlieren sollten? –
Aber nun muss ich Dich doch auch ein Bischen über einen andern Punkt zanken: – Was hattest Du denn dazumal für eine abscheuliche hypochondrische Laune, als Du mir wegen meiner leidenschaft fürs Teater eine so derbe Lektion zuschriebst? – Ist denn meine leidenschaft so unheilbar, oder ist sie auf tollen Eigensinn gegründet, dass du so kräftig darüber losziehest? – So lange mir das Verhängnis keine bessere Bestimmung gönnt, so lange das Teater meine einzige ökonomische Aussicht bleibt, muss ich ja diese leidenschaft nähren, denn sie spornt doch immer den Fleiss an, der mir ausser ihr gewiss mangeln würde. – Einem Stand, den man nicht ändern kann, muss