Kardinals? –
"Ja freilich ist das die nemliche – aber Sie müssen mich nicht verraten; sie hat diesen Kardinal völlig ausgesogen, er stekt jetzt in Schulden bis über die Ohren – und sie mag ihn nun auch nicht weiter. – Dann kam sie hieher, schikte sich fürs Geld in alle Stände, niedrig und hoch, wie sie kamen; Bedienten, Kavaliere, Handwerkspursche, Fuhrknechte, pfaffen, Studenten, Juden, Alles hatte freien Zutritt; bis sich endlich unser Herr – der sein armes Weib in Hamburg im Elend sizzen lässt, in sie verliebte. – Und nun tut sie den ganzen Tag nichts – als uns arme Teufel plagen, dem Herrn Hörner aufsezzen, mit dem Grafen K.... spazieren fahren, von den andern Schauspielerinnen Handküsse mit stolzer Miene empfangen – und spielt alle Rollen, die ihr gefallen. –"
Genug für einmal! – dachte ich mir, und ging nach meinem Gastof. – Des andern tages lies mich der Grobian von Direktor erst eine Stunde im Vorzimmer passen, eh es ihm gefiel mir seine plumpe Herrlichkeit zu zeigen, die noch äusserst nach der Werkstätte roch, wo er ehedessen im Eisen gearbeitet hatte. – Endlich öffnete sich auf einmal der Tempel des Hochmuts; ich sah eine aufgeblasene, hochnasigte, vierschrötigte Figur im Sessel sizzen, die mich kaum des Dankes würdigte. –
"Herr, ich bin Schauspielerin! –" fuhr ich zornig heraus, weil mir der Handwerksflegel keinen Stuhl anbot.
"Kann wohl sein, dass sie Schauspielerin ist" (antwortete der unverschämte Kerl, der sich der einzige geschikte Schauspieler zu sein dünkt – und seine Rollen doch dabei so affektirt herunterschnarrt, wie der ärgste Stuzzer, der bei der Toilette einer eiteln Dame durch diese Mode-Gewohnheit sein Glück machen will. Alles, was dieser Hasenfuss spielt, trägt das Gepräge des Hochmuts an sich, in jeder Rolle sieht man diese leidenschaft hervorblikken. – Despoten, stolze Narren spielt er mit vieler natur; ob er gleich den Mut hatte unsern unsterblichen Schröder in seiner Kunst anzugreifen, und ihm aus Neid den Beifall in Wien streitig machen wollte. – Doch nun wieder auf meine Antwort, die ich ihm gab:)
"Herr! wollen Sie bewiesen haben, dass ich Schauspielerin bin, so lassen Sie mich debutiren. –"
"So etwas erlaube ich bei meiner Bühne durchaus nicht."
"So despotisch kann nur ein Monarch sprechen, und kein Direktor, der vom Publiko abhängt! –" In vollem Zorn schlug ich ihm die tür vor der Nase zu, und ging zu Herrn von H..., der mir ohne Anstand einen Debut zusagte. O dann fing der Direktor und sein Kebsweib vollends zu rasen an, zettelten unter dem Publikum Kabalen wider mich an, so viel sie nur konnten. Ich lies dem boshaften Kerl verschiedene Stükke vorschlagen, worin gute Rollen waren, aber sie wurden mir unter verschiedenen Ausreden von ihm versagt. – Ich musste am Ende in einer Rolle auftretten, die nicht so empfehlend für mich war, als ich sie gewünscht hatte. – Demungeachtet entschloss ich mich troz aller Kabale zum Debut. Der Zufall wollte es, dass sich gerade zu dieser Zeit die meisten Herrschaften auf dem land befanden, und die Zuschauer bestunden meistens aus zügellosen Offiziers und Schulbuben; nur in den vordern Logen schienen stille Kenner des Teaters zu sizzen. Wie man mein Spiel aufnahm, sollst Du hernach hören; jetzt zur probe des Stüks zurück, die am gleichen Tage meines Debuts gehalten wurde. – Als ich in das Schauspielhaus eintrat, sassen die mitspielenden Personen in der Garderobe, und bewillkommten mich mit lautem Gelächter. – Eine gewisse Kreatur Namens R..., und ihre Konsortin Z... spieen ihren giftigen Geifer gerade so zügellos über mich aus, wie es einer ausgeschämten Zuchtaus-Kandidatin eigen ist, die einige Jahre zuvor zum Schubkarrenziehen nach Temeswar mit andern H.... verurteilt war. – Es erinnern sich einige Leute noch recht gut, wie eben diese saubere R... wegen lüderlicher Aufführung P... verlassen musste. – Es ist zu wünschen, dass sie sich jetzt in Russland besser aufführt. – Wer beim Teater sein Brod suchen muss, hüte sich vor den zwei Schandweibern R... und Kr... Selbst die Hölle speit keine schwärzern Kreaturen aus, als diese zwei Weiber sind. Die leztere wird zwar für ihr Lasterleben hinlänglich gestraft, sie zigeunert als Taliens Lastträgerin bei kleinen Gesellschaften im land herum. –
Doch jetzt zu meinem Debut. – Kaum erblikte man meinen Kopf, – noch hatte ich kein Wort gesprochen, so ging es schon an ein Räuspern, an ein Sumsen im Parterre, als ob die Kabale Luft hätte, mir den Hals umzudrehen, noch eh ich zu spielen anfieng. – Ich gestehe es offenherzig, die Angst stokte meinen Atem, ich spielte nicht so gut, wie ich es sonst in der Gewohnheit hatte; aber die Kabale trieb es auch so teuflisch, das jedes Menschenfreundes Herz geblutet haben muss! – Kaum klatschten einige mir Beifall zu, so trieben die bestochenen Buben so lange ihren Unfug, bis sie den Beifall übertäubt hatten. – Möchte sich jedes fühlende Herz in meine damalige Lage versezzen können und den Jammer empfinden, der meine Seele durchwühlte! – Ich war in einer wilden, verzweiflungsvollen Laune! – Hätte es die Kabale bis zum öffentlichen Auspfeifen getrieben, mein Ehrengefühl würde mich