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, der Bosheit, dem Laster, der Verfolgung seinen Nakken darbieten zu müssen? – Und dies, armes Weibchen, ist jetzt dein los! – Doch wann der Mensch Vernunft besizt, so weis er auch dieses zu ertragen; er wird mit Gewalt philosophisch. – O Teuerste! – die Vorsicht wacht über Dich, lass dich nicht beugen.

Der Beifall, den Du bei deinem Debut erhieltst, freut mich eben so sehr, als mich der Neid schmerzt, der Dich schon im Anfange zu verfolgen beginnt. – Dieser abscheuliche Entehrer der Menschheit wütet beim Teater am ärgsten! – Ich glaube nicht, dass bei der Bühne in die Länge ein einziges Herz unverdorben bleiben kann. – Führt nicht der Neid immer eine Reihe anderer Laster mit sich? – Gar zu selten trift man einen Schauspieler, dessen Herz nicht voll Vertilgungsgeist ist; besonders sind die Weiber beim Teater äusserst zur Bosheit geneigt. Sie hängen sich gerne an die Wollust des Direktors, um andere Schauspielerinnen desto grässlicher verfolgen zu können. – Die schmuzzigste Buhlerin wird nur zu oft der wahren verdienstvollen Schauspielerin vorgezogen. – Es geschehen Dinge beim Teater, die schnurstraks der gesunden Vernunft und der guten Ordnung zuwider sind. –

Möchtest Du, Edle, nie mehr erfahren, als Du jetzt schon weisst! – Möchtest Du bald wieder diesem elenden stand entsagen können! – O wie feurig wird deine Freundin den Himmel um diese Wohltat anflehen! – Deine liebende

Fanny.

N. S. Mein Karl grüsst Dich herzlich. –

CXVIII. Brief

An Fanny

Gott wolle mich ferner vor dergleichen SchauspielerGesellschaften bewahren! – Ich geriet unter ein wahres Gesindel. – Einige davon wagten es sogar unter einer Ausrede in mein Zimmer zu schleichen, von meiner Toilette Silberzeug wegzukapern, Geld und Kleider von mir auszuleihen, wofür ich von diesem Lumpengepak nie wieder einen Ersaz zu hoffen habe. Das Elend dieses volkes hat seinen äussersten Grad erreicht. – Meine Ahndungen sind erfüllt. Der Direktor hat Bankrott gemacht. – Die Schuldner nahmen ihm sogar seine Garderobe hinweg. Einige von der Gesellschaft können kaum mehr ihren Hunger stillen; und doch lässt sich dieses Volk durch einen teuflischen Leichtsinn beherrschen. – Ich würde unsinnig, wenn mich die Schande alle träfe, die diesem Gesindel von seinen Gläubigern zu teil wird. –

Der Pöbel ist doch ein unverschämtes Wesen; wälzt sich im Kote, ohne es zu fühlen. – Unser Direktor mit seinem Konkubinchen gedenket wieder nach Wien zurückzukehren. – Auch ich führe das Nemliche im Sinn, und will Dir in wenig Tagen, ehe ich diesen Brief schliesse, das Weitere von meinem gefassten Entschluss melden. –

Das gute Glück schikte dem Direktor eine Retourkutsche zu, und ich entschloss mich in seiner Gesellschaft zu fahren. – Als wir drei kaum im Wagen sassen, machte uns ein lauter Lärm aufmerksam. – Wir strekten unsere Köpfe heraus, und sahen einen tollen Auftritt. –

zwei von unsern Schauspielern balgten sich mit einigen Handwerksmännern gewaltig herum. – Ein Schuster hatte dem einen die unbezahlten Stiefel ausgezogen, und ein Schneider dem andern die Weste. Nun stunden die lokkern Hallunken halb entkleidet da, und schämten sich nicht vor den Gassenbuben, die sie mit Kot warfen. – Um der öffentlichen Schande, die uns alle traf, ein Ende zu machen, rief ich die Gläubiger vor den Wagen hin, und bezahlte die kleine Summe; – dann liefen diese Bursche singend und pfeifend neben unserm Wagen her, bis wir den ersten Gastof erreichten, wo es dem Direktor zukam seine hungerigen Gäste zu füttern, ob er gleichwohl nicht einen blutigen heller in der tasche hatte. – Der leichtgläubige Strohkopf verlies sich auf die Börse seiner Favoritin; aber die Mahlzeit war geendigt, und sie blieb ihm verschlossen. – So zeigt sich im Notfall das Herz einer Kokette! – sagt ich ihm ins Ohrund drückte dabei eine kleine Summe in seine hände. – Der Mann fühlte innig meine Handlung! – Sein Dank hätte mich beinahe verraten. –

So gering diese Ausgaben auch waren, so fühlte ich sie in meiner Lage doch. – Eine kleine Unterstüzzung, die ich von meinem Oheim erhielt, hat mich wieder dafür entschädigt. – In wenig Tagen reise ich nach P.... vielleicht gelingt es mir auf einem grossen Teater besser; und ich kann Dir dann in Zukunft vergnügtere Nachrichten mitteilen.

Deine Amalie.

CXIX. Brief

An Fanny

Wie ich nach P.... kam, brauchst Du wohl nicht zu wissen, die Reise ist zu klein und zu unbedeutend; was aber da mit mir vorging, mag jede brave Schauspielerin zur Warnung lesen, damit sie sich vor einem solchen flegelhaften Direktor hüten möge, wie mir einer aufstiesAls ich in seine wohnung eintrat, schnurrte mir ein Bedienter im Vorzimmer entgegen. –

"Mein Herr ist heute nicht zu sprechen! –"

Und warum denn nicht? –

"Weil der Namenstag der Mad. K... gefeiert wird. –"

Ei! wer ist denn die Mad. K...?

"Eines andern dummen Kerls sein Weibaber jetzt die Favoritin des Direktors und eine sehr gute Komödiantin, sie spielt alle ersten Liebhaberinnen."

Dass dich doch! – so finde ich denn überall lauter Favoritinnen! – Nun da komme ich wieder schön an. – Hier, mein Freund, etwas weniges für seine Aufrichtigkeit; – aber sag er mir doch, war diese Mad. K... nicht ehmals Mätresse eines gewissen