, ob wir des Handels einig werden können. –
Ich
Zweifle gar nicht daran; – nur erst eine Bitte! – Da hat man mir heute diesen Aufsaz zugeschikt; wollten der Herr Direktor wohl die gefälligkeit haben und mir ihn vorlesen.
Direktor
Ich Madame? – Ich? –
Ich
Ja, Sie! – Wenn Sie so gut sein wollen. –
Direktor
Ja, sehen Sie... ich... ich... (jetzt rieb er sich die Augen) ich kann die kleine Schrift nicht lesen; – denn meine Augen sind etwas schwach.
Ich
Ei was Augen! – Ei was kleine Schrift! – Kommen Sie, kommen Sie; stellen Sie sich doch gerade, als ob Sie nicht lesen könnten. – Dann hielt ich ihm den Aufsaz mit Gewalt vor die Nase, und er fing an zu lesen: We...nn ... We...nn ... We...nn e...in ... ei...n ein Unter... Unter... nehmer... Unternehmer – Der Fremde lachte jetzt aus vollem Halse, nahm den Auffaz, und las ihn selbst vor. – "Eine schöne Moral! – merken Sie sich's, Herr Direktor, und fragen Sie Madame nicht weiter unüberlegt; Sie sehen jetzt, wie viel Talent dieses Frauenzimmer hat. – Handeln Sie würdig gegen sie; sie verdient es. –" Ach ja! – (seufzte der gute Jost von Bremen) – und beide empfahlen sich. – Bald hörst Du das Weitere von
Deiner Amalie.
CXVI. Brief
An Fanny
Meine Liebste! –
Die Abreise der Schauspieler-Gesellschaft wurde festgesezt, der kleine Zug ging nach S.... Ich genoss den Vorzug mit dem Direktor und seiner Favoritin zu fahren. Die Reise endigte sich mit ziemlichen Anstand. – Das erste Stük wurde gewählt, und die Hauptrolle darin mir bestimmt. – Ich hatte diese Rolle zum voraus schon studiert, um glauben zu machen, als ob sie von mir schon anderswo gespielt worden wäre. – Die Favoritin, eine kleine dikke Kokette, die den Direktor unter ihren Pantoffel schiebt, hat die Direktion dieser Gesellschaft. – Sie zeigte ihre Herrschsucht besonders bei den Proben; machte dummdreiste Anmerkungen, hunzte die Schauspieler, lies aus Bosheit Szenen wiederholen, u.s.w.; nur mich ganz allein schonte sie, weil ich ihr fühlen lies, dass ich ihrer Führung gar nicht bedürfte. – Der Abend war herangerükt, das Schauspielhaus angefüllt; mir pochte das Herz; meine Rolle nahm ihren Anfang, aber kaum hatte ich eine Stelle geendigt, so schallte schon lauter Beifall über und über. – Die feierlichste Aufmerksamkeit herrschte während meines Spiels. – Die Rolle harmonierte mir meinen Leidenschaften, sie war tiefsinnig schwärmerisch. – Diese Uebereinstimmung der Affekten war es, die in mir alle Teaterfurcht übertäubte. Ich genoss jene Wonne, die ein heimlich Leidender immer geniesst, wenn der innere Gram durch heftigen Ausbruch Luft bekömmt.
Kein Mensch kam auf den Einfall in mir eine Anfängerin zu vermuten. Das Publikum vergass über dem Feuer meiner Deklamazion die Unrichtigkeit des Teaterspiels. – Meine zu Boden gesenkten Augen hielt man für die Folge einer hervorragenden Schwermut, die mir durch Temperament eigen zu sein schien, und die so gut zu der traurigen Rolle passte. – Nun ging das Schauspiel zu Ende, der Direktor kneipte mich in die Bakke, seine Favoritin rümpfte die Nase, die Schauspielerinnen flüsterten ihren Neid hinter den Koulissen aus – und ich ging demungeachtet vergnügt auf mein Zimmer. – Der Beifall des Publikums schmeichelte mir zu sehr, um ihre Misgunst zu fühlen. – Aber wenig Tage hernach musste ich eine etwas kältere Rolle spielen, worin meine heftigen Leidenschaften keine hinlängliche Beschäftigung fanden; dann fühlte ich zum erstenmal die Furcht einer Anfängerin in mir. – Doch verlies mich die Gegenwart des Geistes nicht, und niemand wusste, was in mir vorging. – Ob es aber in Ansehung der Oekonomie in die Folge bei dieser Gesellschaft Dauer haben wird, daran zweifle ich sehr. – Weiberregiment und schlechte Anstalten drohen ihr den baldigen Sturz; – bis jetzt erhielte ich meine richtige Bezahlung; aber: – aber... – Die eitle Favoritin spielte leztin eine meiner Rollen, wurde aber durchs misvergnügte Publikum mit Auspfeifen zu haus geschikt. – Nun rast sie furienmässig, und schreit es für angezettelte Kabale meiner Anbeter aus, ob ich gleichwohl noch keine männliche Seele auf meinem Zimmer sah. – Das Laster ist gar zu sehr geneigt, seines gleichen zu suchen. – Unter der ganzen Gesellschaft ist nicht eine Seele, mit der ich Umgang haben möchte. – Sie schrieen mich meiner einsamen Lebensart wegen für stolz aus, und nekken mich hier und da so viel sie können. – Gott gebe mir Standhaftigkeit, es ferner zu ertragen. – Sollte während dieser Zeit eine Veränderung vor sich gehen, so sollst Du es erfahren von deiner Freundin
Amalie.
CXVII. Brief
Fanny an Amalie
Besste Amalie! –
Du hast ihn also wagen müssen den Schritt zum Teater! – Du, ein Mädchen von gutem Herkommen, musstest Dich dem Urteile eines Dummkopfs Preis geben, um eines Bissen Brodes willen, der Dir nebst deiner harten Arbeit noch schröklich vergällt wird. – Gott! – wie verschieden sind doch Menschenschiksale! – Kann es eine grössere Demütigung geben, als aus Not, der Dummheit, dem Neid