des alten volkes zeugt und oft einen entzückt oder erschüttert. Es ist eine wahre Tiefe von Menschheit; die andern Städte sind dagegen wie erst angepflanzt. Besonders reizen und rühren vom Kapitol an die ungeheuern Ruinen, welche die neuen Villen mit ihren Pinien, Lorbeern, Zypressen und beständig grünen Eichen ausschmücken.
Den Vormittag zog ich hier herum und ging dem ersten Ursprung dieser heroischen Republik nach, und gelangte von den Rostris und dem Tempel des Romulus am Monte Palatino, gleich daneben in einem Winkel, zur Quelle der Juturna, die kristallhell gerade beim Anfang der Cloaca maxima aufsprudelt und sich dahinein nun ferner ungebraucht ergiesst. Ich schöpfte mit der hohlen Hand daraus, und trank und ward erquickt, und konnte nicht müde werden, sie rinnen zu sehen. Ein heiliges Plätzchen, rundum verbaut und eingemauert! Die Wände sind überall mit breitblätterigem Efeu überzogen und kleinem Gesträuch bewachsen. Man kennt sie nicht mehr vor den stolzen Wasserleitungen; und gewiss war sie doch die Hauptursache, warum Romulus oder vor ihm ein junger Ausflug Griechen hier sich annistete, da in den jetzigen weiten Ringmauern sich keine andre Quelle befindet.
In schwärmerischen Betrachtungen verloren wand ich hernach in den Farnesischen Gärten für sie einen Myrtenkranz mit allerlei Blumen, holte aus der Nachbarschaft ein Gefäss mit Milch und Honig, goss es in sie aus, bekränzte sie und sang ihr wehmütig ein kurzes Trauerlied bei dem Opfer, das sie Jahrtausende nicht genoss.
Ein Zusammenklang von lauter rührenden Gefühlen, wandelt ich nach haus durch die drei noch übrigen Triumphpforten von den ehemaligen sechsunddreissigen. Ein solcher Freudenbogen, ausgeziert mit den schönsten Lebensszenen dessen, den man empfängt, ist doch ein so recht verliebter Gedanke. Herzlicher und dauerhafter kann ein Volk einem Helden keine Ehre antun.
Die Kunst bleibt ein sonderbares Ding; sie scheint ganz ihren Weg für sich zu gehen. Wenn man von ihrer Vortrefflichkeit auf die Vortrefflichkeit der Menschen zu gleicher Zeit sollte schliessen können und umgekehrt: welche Popanzen müssten die Römer zu Septimius' und Konstantins zeiten gewesen sein gegen die unter Trajans? Der Kontrast ist gar zu possierlich an des christlichen Kaisers Bogen, wo die Bildhauer unter ihm zu den Wechselbälgen seiner geschichte die Meisterstücke von Figuren aus einem andern zum Ruhme des Siegers von Dazien hineingeflickt haben. Was konnte Alexander dafür, dass er keinen Homer fand bei seinem Leben, überhaupt keinen grossen Dichter, der ihn besang?
Ferner ist rückwärts gewiss, dass die Kunst bei gleich vortrefflichen Menschen nur nach und nach zur Höhe wuchs; so schwer ist es, alles Lebendige vollkommen zu bilden und nichts, was noch rührt und reizt, auszulassen, und dafür bloss matematische Linien und Placken hinzustellen. Das Ganze wird nur nach und nach gewonnen; das Individuelle lebendige geistige bleibt aber immer das, was den grossen Menschen von dem andern unterscheidet. Und so kann einer zwar ein ungleich grössrer Künstler als ein andrer, aber ein weit kleinrer Mensch sein. So war der Jupiter und die Minerva des Phidias wahrscheinlich erhabner als manches andre Bild, das nachher ein weit natürlicher Fleisch und mehr lebendiges in der Materie hatte. Und darauf kommt's doch an, die unterscheidenden wesentlichen Züge von jedem Dinge bestimmt zu fassen und dem Empfinder und Denker gleich darzustellen. Das Hauptvergnügen an einem Kunstwerke für einen weisen Beobachter macht immer am Ende das Herz und der Geist des Künstlers selbst und nicht die vorgestellten Sachen.
Den Nachmittag ging ich nach der Rotunda; ich hatte den Mann mit den Schlüsseln dahin bestellen lassen, um obenhinauf zu steigen. Sie ist das einzige Werk von alter Architektur, was in Rom noch ganz ist; das vollkommenste in seinen Verhältnissen und prächtigste dabei wegen seiner Säulen auf dem Erdboden; die Paulskirche erscheint dagegen doch nur als Flickwerk.
Wenn man in die Vorhalle tritt, so ist es, als ob man in das schönste Plätzchen eines Waldes von lauter hohen herrlichen Stämmen käme, die ein Gott zu einer Zeit gepflanzt hätte.
Wie breit und mächtig einen dann das Innre selbst umfasst und bedeckt, ist lauter Majestät; und feierlich stehen unten die Säulen umher und der dämmernde Raum dahinter, wie das Allerheiligste der Gotteiten. Was dies für eine Ruh ist! wie einen so nichts stört! wie die Rundung mit Liebesarmen empfängt, wie ein leiser Schatten einen umgibt, so dass man das Gebäude selbst nicht merkt! Oben Heiterkeit und Freiheit, und unten Schönheit. Überall ist der Tempel schön und harmonisch, man mag sich hinwenden, wo man will; überall wie die schöne Welt in ihren Kreisen von Sonn und Mond und Sternen. Endlich scheint alles lebendig zu werden und die Kuppel sich zu bewegen, wenn man an dem reinen süssen Lichte des himmels oben durch die weite Öffnung sich eine Zeitlang weidet. Sooft ich mich so ins Stille hinsetze und meinem Gefühl überlasse, werde ich da entzückt wie von einem Brunnquell unter kühlen Bäumen zur heissen Zeit. Es ist das erhabenste Gebäude, das ich kenne; selbst Schöpfung und nicht bloss Nachahmung. Die Schönheit voll Majestät scheint alle Barbaren von der Verwüstung zurückgeschreckt zu haben.
Freilich hat man, was daran zu plündern war, ohne die Mauern niederzureissen und in Schutt zu stürzen, doch daraus und davon weggeraubt. Es stand hier eine Minerva aus Gold und Elfenbein von der Hand des Phidias und eine berühmte Venus, welche die halbe Perle zum Ohrgehenke hatte, von der die andre Hälfte Kleopatra trank, um den Antonius im Verschwenden zu übertreffen, und die man für sich allein auf eine halbe Million Scudi schätzte. Konstantin der Dritte schleppte