die Römer von jeher, was die Form betrifft, und sie werden's bleiben. Jetzt geben ihnen ihre eignen Ruinen etwas Zerstörendes, das noch entferntere Gegenden als ehemals empfinden.
O dass Du nicht hier bist und mich begleiten kannst! Doch ist auch wieder Genuss und Rührung stärker bei traurigen Gefühlen, wenn der Mensch allein ist.
Ich bin die ersten Tage in den Gebirgen herumgeritten zu Tivoli, Palestrina, Frascati und Albano; und hernach an der See herum zu Nettuno, Ostia, Civitavecchia. Wie ein Hannibal such ich es einzunehmen, das unbändige Rom: aber es wird mir wie ihm nicht gelingen. Alsdenn hab ich es wieder von seinen Höhen betrachtet: und nun stürz ich mich hinein in die Tiefe. Meine Seele kann wegen der vorigen Stürme noch keine rechte Ruhe finden, und dies treibt mich oft nach kurzem Schlummer vom Lager auf; hier will ich Dir denn, um mich zu zerstreuen und vielleicht zu Deinem Vergnügen etwas beizutragen, zuweilen einige Worte über mein gegenwärtig Leben hinwerfen. Für Eingeweihte ist das willkürliche Zeichen immer ein guter Zauberstab, die Gefühle eines andern wieder hervorzurufen, zumal wenn sie dereinst dieselben Gegenstände vor sich haben.
Gestern früh bin ich an dem Kolosseum herumgeklettert. Es liegt auf dem herrlichsten platz, den man sich denken kann; gerad in der Mitte des alten Roms, in dem Tale zwischen den drei Hügeln Palatino, Celio und Esquilino; und war der bequemste Freudenort für alle Einwohner. Es ist rührend und schrecklich zugleich, wie einige Zwergenkel der heroischen Urväter und die Barbaren an den erhabnen, in schöner Form erbauten massen genagt und zerstört haben und sie doch nicht zugrund richten konnten. Die eine Hälfte der äussern Einfassung ist weggetragen, und aus den geraubten Trümmern sind die stolzesten Paläste der neuern Welt aufgeführt; die andre steht noch, ein weiter Kreis in hoher grauer Majestät mit lauter Quaderstücken von Felsen und dreifachen festen Säulen übereinander mit korintischen kleinen Pilastern oben gekränzt. Die Zusammenfügungen von Stein auf Stein hat das Maulwurfsgeschlecht überall durchlöchert, um die metallnen Pflöcke herauszuholen; und die breiten Sitze von Bausteinen stehen auf Gewölben noch zum teil rundum in Trümmern, und zum teil hat sie die Zeit in Ruinen darniedergestürzt, und sie liegen unten im Schutte.
Gras und Kraut und Gesträuch mit Lorbeerstauden grünt und blüht überall, wie auf einem Anger von fruchtbarem Boden, und das Oval der Arena ist eine vollkommne Wiese.
Eine solche Gestalt hat jetzt das ehemalige Wunder der Welt, das achtzigtausend Zuschauer fasste, welche alle binnen wenig Minuten wieder auf der Strasse sein konnten, und erschüttert noch den kühnsten der heutigen Erobrer. Herum trauern der Esquilino und Palatino und Celio mit ihren zerfallnen Tempeln, Bädern, Wasserleitungen und niedern Gewölben.
Der Plan zum Ganzen ist äusserst einfach. Die Rundung eiförmig; und der grössere Durchmesser teilt sich in vier kleine, von denen zwei die Arena einnimmt und einen auf jeder Seite der gang vom Gebäude selbst, die zusammen etwas über achtundert Palme ausmachen; die Peripherie hat deren drittehalbtausend.
Die Höhe besteht aus vier Absätzen. Die drei untern sind mit Säulen nach dorischer, ionischer und korintischer Ordnung in Bogen übereinander, der vierte ist mit kleinen korintischen Pilastern geziert und schliesst ohne Bogen mit einem prächtigen dreigestreiften Gebälke. Die ganze Höhe macht zweihundertundzweiunddreissig Palme.
Es muss viel Holz darinnen gewesen sein, weil es verschiednemal abbrannte, und zuweilen bloss einfach und zuweilen reich verziert und vergoldet war. Die innre Aussicht ging in eine Ordnung von einzelnen Säulen aus, die das Zelt festielten, nach den Münzen des Titus und Domizian.
Die Schönheit der Säulen besteht mehr im Verhältnis der Teile als der Arbeit; ihre Form ist rauh und einfach, wie es die ungeheure Festigkeit erheischt.
Das Amphiteater von Verona ist kleinlich und provinzial dagegen.
Mir winkte obenauf durch Ruinen und Gesträuch, ewig jung und unversehrbar, die Pyramide des Cestius von fern in blauer Luft, und ich konnte nicht erwarten, dahin zu gelangen; strich an dem halb eingefallnen Septizonium des Severus vorbei durch die Niederlagen des Circus Maximus zwischen den Aventinischen und Palatinischen Bergen nach dem Tiberstrom zu und daran fort, bis ich der reinen schroffen Felsenspitze immer näher kam. Ach, wie alle die Herrlichkeit so verwüstet liegt! Und doch sind die Überbleibsel der Verwüstung nur klein gegen das, was stand: vom Circus Flaminius, Agonalis, Florealis, Vaticanus, von denen des Sallust und Nero ist keine Spur mehr zu finden. Und was waren die Gebäude selbst in ihrer Vollkommenheit gegen das ungeheure Leben darin! Die Phantasie des Menschen mit ihrer Götterkraft scheut sich zurück, wenn sie sich eine Vorstellung machen soll, wie nach dem Siege des Metellus in Sizilien über Kartago hundertundzweiundvierzig Elefanten auf einmal kämpften und erlegt wurden, und von hundert Löwen unter dem Sylla es bis auf sechshundert unter dem Pompejus kam. Unter den Kaisern vollends folgte hierin eine Ausschweifung auf die andre. Trajan gab nach dem Dacischen Kriege und dem tod des Decebalus hundertunddreiundzwanzig Tage lang dergleichen Schauspiele, wo zuweilen bis auf zehntausend zahme und wilde Tiere und unzählbare Gladiatoren kämpften; und Commodus brachte nach dem Lampridius hundert Elefanten mit eigner Hand um.
Es ist klar genug, dass ein solches Volk, welches noch überdies wirkliche Könige und Helden am Leben, wie Jugurta, ihren letzten Tropfen Existenz in seinen öffentlichen Gefängnissen bis auf den äussersten Hunger ausdauern sah, der kleinern ateniensischen Tragödie nicht bedurfte, um das Herz nach dem Aristoteles von Furcht und Schrecken zu reinigen. Und was sind wir, denen die Vorstellungen des Sophokles und