, mit geringerm Aufwande, weit stärker anderswo in nektarsüssen Banden. Überdies musst ich scheuen, bei erster gelegenheit ein Opfer der Eifersucht zu werden.
Der neue lässt sich gut an; er scheint ein Mann von Kopf und hat Aufwallungen von Mut, doch merk ich Winkelzüge. Wir wollen sehen, wie lang er aushält: noch ist er den Zauberfelsen der Sirenen nicht vorbei und keine Scylla und Charybdis durch, und an seiner Stelle werden die mehrsten bald über einen Leisten geschlagen. Jetzt gefällt er sehr der Bianca und dem Fürsten. Es war eben kein Bessrer da. – Ich hab ihn beredet, sogleich in der Stadt und auf dem land einige neue Anordnungen einzurichten, die erspriessliche Folgen haben dürften.
Fürs erste ist die Anzahl der täglichen Lehrstunden in den öffentlichen schulen vermindert, das bloss leere scholastische Geschwätz, soviel möglich, daraus verbannt; und es sind andre wackre Meister in verschiednen Fächern mit guten Besoldungen angesetzt worden.
Die geschichte von Florenz und dessen bürgerlicher Verfassung wird nun gelehrt, woran man nicht mehr dachte, nebst der von Griechenland und Rom, nach kurzen einfachen vorläufigen Begriffen von menschlicher Gesellschaft überhaupt.
Alsdenn die Naturgeschichte des Landes; mit sinnlicher Anzeige dessen, was der Boden gut hervorbringt, am besten zum Lebensunterhalt dient und am besten verkauft wird. Noch überdies sollen die Zöglinge während der Ferien bei den Wallfahrten alles an Ort und Stelle in eignen Augenschein nehmen.
Ferner haben wir den Festen und Spielen der Jugend einen edlern Zweck zugesellt; und man wird nun Schwert und Schiessgewehr mit Leichtigkeit bei Beleidigungen gebrauchen lernen. Zugleich sind sie unvermerkt gelegenheit, dass der Kern der Mannschaft sich geschwind vereinigen kann, wenn es die Not erfordert. Alle Woche ist in den Städten und wichtigsten Flecken eine Fechtakademie und doppelte Ehrenpreise, weil die Verdorbnen die Belohnung doch gleich in der Hand haben müssen; und in Stadt und auf dem land wird ebenso nach dem Ziele geschossen.
Und endlich sind nun für Knaben und Mädchen öffentliche Musikschulen und Tanz- und Zeichnungssäle; was ist Leben ohne Freude?
In das Seewesen hab ich mich noch nicht einmischen können. Mehr ist nicht möglich, für jetzt zu tun: so ist das Volk schon gesunken.
Unser junger Monarch ist übrigens leicht zu leiten; und er findet, obgleich nicht ohne gute natürliche Anlagen und manche helle Blicke, doch dies, aus einer sonderbaren Schwachheit, selbst zu handeln, fast immer das beste, was der letzte Wohlredner ihm entschlossen vorträgt.
Äusserst selten tut er etwas aus sich: hülfe und Gesellschaft muss er überall haben.
Gewohnheit ist eine schreckliche Tyrannin! Die Quelle des Übels liegt darin, dass die bequemlich gewordnen Romulusse und Cäsarn durch blosse Geburt von Kindheit an bei der geringsten Kleinigkeit bedient werden und hernach Maschinen sind, von einer Menge Leuten zusammengesetzt, nie ganz und unabhängig, eher Schnecken und Schildkröten als Adler in den Lüften, die sie doch sein möchten. Bauer und Bettler haben mehr Gefühl eigner Existenz als sie und geniessen grössre Glückseligkeit.
Noch isst und trinkt er gern etwas Gutes; und er hat seine Zunge im Geschmack so ausgebildet wie ein grosser Tonkünstler sein Ohr und ein Correggio sein Auge. Auch lässt er die besten Reben kommen von Osten und Westen und pflanzt sie an in Toskana: und dies verdient gewisslich allen Dank. Die Zunge ist der Massstab seiner Gesundheit; wenn sie nämlich gerade das Mittel hält zwischen Trocken und Feucht, befindet er sich am besten. Süss und Bitter unterscheidet er nach allen Graden wie Licht und Finsternis mit ihren Farben.
Frescobaldi
Rom, Oktober.
Ich bin mit dem Kardinal hieher gereist, um Kunstsachen zu kaufen und in Ordnung zu bringen; und streiche nun herum wie eine Flamme, so ist alles bei mir in Bewegung.
Wer Rom in seinen Ruinen und seiner Versunkenund dreifach grosser Marius auf den zerstörten und zerfallnen Kaiserpalästen des Monte Palatino sitzen. Kein Mensch auf dem heutigen Erdboden vermag dies; alles ist dagegen zu klein, was herkömmt und was da ist. Meine Tränen rinnen auf die heilige Asche der Helden, und ich schaudre zusammen in der Unwürdigkeit, wozu mich das Schicksal verdammt hat. Welch ein Glück, bei seiner Geburt in ein Rom zu den zeiten der Scipionen auf die Welt geworfen zu werden! Aber dies kann niemand mehr begegnen.
Wer sich eine idee von der römischen Gegend machen will, muss sie an einem heitern Morgen oder Abend auf dem Turme vom Kapitol sehen. Weit, voll grosser reinen Gegenstände, ein entzückend Stück Welt, zu handeln und wieder auszuruhn, ist sie; schöne Hügel, fruchtbare Flächen, ferne Ketten kühl Gebirg und das unermessliche Meer in der Nähe zum leichten Ausflug in alle Nationen. Und wie stolz und königlich nun Rom in der Mitte liegt auf seinen freundlichen mannigfaltigen Höhen, an der Schlangenwindung des Tiberstroms, als stark anziehender Vereinigungspunkt! Zeigt mir eine andre Stadt in der Welt, im herrlichen Europa, von wo aus man dasselbe und Afrika und Asien so bequem beherrschen könne, gerad im mildesten menschlichsten Klima zwischen Hitze und Kälte!
Es bleibt dabei: Luft und Land macht den Hauptunterschied von Menschen: alsdenn kommt Zufall und die Kette der begebenheiten, Neuheit und Ablebung; alles geht im Kreis und Taumel, und die Bewegung läuft immer fort. Es kann nicht fehlen, jede Gegend stimmt mit der Zeit die Seelen der Einwohner nach sich. Rom ist weit, glänzend und gross in prächtigen Fernen, schön in der Nähe; still auf seinen bekränzten Hügeln und einsam zum Genuss und Nachdenken: und so