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Füssen, sobald er kann."

"Ich möchte lieber Ardinghello sein", versetzte sie schnell in leisem Nachtigallenton, ganz auf mich geheftet, "als Semiramis und Laura, so jung und schön mit soviel Tapferkeit und Talent!" und hier neigte sie ihre Lippen nach den meinigen, ich ward von einem süssen Blitz durchschlängelt, und meine Seele schwebte in der Herrlichkeit des Entzückens wie aufgelöst von allen Banden. So hielten wir uns lang umschlungen, bis unsre Blicke in Wollusttränen untergingen und sie ausrief, rosenrot und lilienblass, und sich losriss: "O du, mein Abgott, was wird noch aus mir werden!" ohne mir mehr zuzugestehen.

Fulvia kam bald darauf, als ich noch an einen Baum gelehnt stand und mit den Armen die Augen zuhielt, um nichts Irdisches zu betrachten. Die Schlaue merkt alles und erkennt die Momente wie ein edles Raubtier.

So schiff ich denn zwischen einer Scylla und Charybdis im Wonnemeere der Liebe; und lasse mich von ihren Strudeln herumwälzen in Gefahren, damit mein Mut nicht müssig liege. Doch erschreck ich zuweilen vor Lucinden; sie hat in manchen Punkten nicht die Biegsamkeit ihres Geschlechts, und in ihrer Gestalt entdeck ich Züge von fürchterlicher Heftigkeit; und eben diese sind es, was mich so gewaltsam ergreift und an sie fesselt. Ich fühle durch und durch, was das himmlische geschöpf verlangt, und dies foltert mich, da es unmöglich geschehen kann: und doch ist der Engel zu schön für die Welt, die ihn mit ihren Sitten angesteckt hat, als dass ein Natursohn ihr ihn so ungenossen sein Leben lang überlassen sollte.

übrigens studier ich hier immer mehr die Schiffahrt und streiche öfters an der Küste herum. Zu Korsika bin ich auch schon gewesen, und das rauhe Volk gefällt mir: es liegt Stoff darin. Es kommt kein Schiff an und geht keins ab, das ich nicht ausforsche. Und so beschäftigt sich auch noch meine bildende Kunst mit der See; ich habe die eine Skizze, wo ich den Biondello niederstosse, im grossen angelegt.

Den Helden Doria besuch ich fleissig und lerne viel aus seinen Gesprächen; er will mir wohl, das sehe ich aus seinen Mienen und Gebärden und seiner Offenherzigkeit. Er weiss, wer ich bin, und Fulvia und ihr Gemahl wissen es mit Lucinden; ich bin gleich anfangs von einem meiner Landesleute verraten worden, der mich erkannte. In Venedig blieb ich eher verborgen, während des krieges mit den Türken und weil es dort viel Maler gibt, worunter man sich leicht verstekken kann; hier sind deren kaum ein paar. Auch kam ich bei Euch in keine so vornehme öffentliche Gesellschaften. Inzwischen hab ich keinen Schaden davon, sondern Vorteile; man schätzt mich desto mehr, und ich habe, wo ich will, freien Zutritt.

Vor dem Tyrannen von Toskana fürcht ich mich nun wenig mehr; meine Tante meldet mir, dass es übel mit ihm aussieht. Er hat durch seine Ausschweifungen schon längst seine Gesundheit zugrunde gerichtet und bei der Camilla Martella die Neige seiner Kräfte vollends so abgezapft, dass ihm die Zunge steif geworden ist und verdorrt und er nicht mehr sprechen kann. Alles dies ist buchstäblich wahr, und so unklug wirtschaftete kein Tiberius auf der Insel Capri und kein Nero in beiderlei Gestalt, die noch immer wussten, wenn sie für sich aufhören sollten. Ein neuer Hippokrates von Macchiavell wird den jungen Tarquinen auch noch hierin die Anfangsgründe vorbuchstabieren müssen; denn von selbst wird selten einer so gescheit sein.

Der neue Herzog, sein Sohn, führt sich auf wie ein Blödsinniger, und Eure berühmte Bianca behandelt ihn auch so mit Fug und Recht.

O Cäcilia, Aphrodite des adriatischen Paphos, wie lebst Du und unsre Liebe? Du sollst gewiss noch dereinst voll Zärtlichkeit Lucinden und auch Fulvien als Deine Gespielinnen umarmen. Meine Seele schmachtet nach ihr und Dir; sei nicht so karg mit Deinen Worten.

Ardinghello

Zu Ausgang des März schrieb ich ihm, da ich aus dem Schluss seines Briefes sah, dass er ungeachtet seiner leidenschaft doch den Kopf noch nicht verlor und immer den Edelmut im grund seines Herzens hatte.

Venedig, März.

Ich möchte mich lieber mit Dir nur wenige Augentigsten Buchstabenwechsel.

Ich habe Cäcilien schon zum zweitenmal gesprochen; das erstemal in Gesellschaft und darauf vor wenig Tagen allein. Sie ist hoch schwanger, gesund und bei Kräften; und Mutter und Brüder und Freunde und Gespielinnen geben sich alle Mühe, ihr neue Ergötzlichkeiten zu verschaffen. Es ist eine wahre Augenweide, eine so junge reizende Frau am Ziel ihrer Bestimmung zu sehen; und einem Fremden, der nichts von ihr hofft und erwartet, muss sie so selbst schöner und vollkommner sein, als sie als Mädchen war; geschweige dem glücklichen Geliebten, der die süsse Frucht seiner Liebe so heranreifen sähe. Ardinghello, Du bist ein Göttersohn, zu hohem Wohl erkoren; nur verscherze Dein Heil nicht!

Das erstemal wagte sie nicht nach Dir zu fragen; aber das Spiel ihrer Blicke um mich, Deinetwegen, war mir ein Himmelreich. Sie errötete, wurde blass, seufzte, suchte sich zu verbergen: doch die natur triumphierte: ihr Busen wallte stärker, und sie kam endlich zu mir und liess sich mit mir in ein Gespräch ein, lieblich und traulich. Ich fasste mich dabei so, als ob ich in diesen Augenblicken Deiner nicht gedächte; und sie ging froher von mir, sie mochte nun argwohnen oder nicht argwohnen: denn sie musste fühlen, dass ich ihr wohlwollte, und