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sind. Der laut η wird inzwischen immer schwer mit einem Zeichen vollkommen richtig zu bestimmen sein, da ihn wahrscheinlich schon die Alten verschieden aussprachen; nämlich nachdem die zwei Vokalen waren, die er ausdrückte. Die neuern Griechen machten es nach und nach damit wie die Engländer mit ihrem ee und ea und ergriffen endlich noch eine festere Partie. Auch ist der Übergang von ee und ea in i den Sprachorganen leichter und natürlicher, als es auf dem Papiere aussieht. Den Neugriechen klingt ausserdem hira oder hiri, aphroditi und so fort so zärtlich, weiblich und lichtvoll als uns cidli, silli und dergleichen. Auf ähnliche Weise ändern die Sizilianer das Toskanische um. Über Wohlklang eines Vokals vor dem andern lässt sich im allgemeinen nichts entscheiden; es kommt auf jedes Wort selbst, den Gebrauch und das Ohr des volkes an. Was uns fremd lautet bei allen andern Nationen, lautet ihnen nicht fremd. 8 Fu amata dal Cosmo suo padre, di maniera, che era voce per la città, che egli avesse commercio carnale seco, sagt eine florentinische Handschrift aus der damaligen Zeit hierüber. 9 Man erinnere sich hier, dass Poesie in Italien so gemein war und noch ist, dass Handwerksleute Homerische Fabel und Mytologie kennen. 10 Mare senza pesce, donne senza vergogna, Uomini senza fede; hat vermutlich seinen Ursprung aus Venedig, der natürlichen Feindin von Genua. 11 Bianca war die Tochter eines venezianischen Edelmanns, Bartolomeo Capello. Dessen Palast gegenüber hatte das Haus Salviati zu Florenz eine Bank und darin zum Kassierer den Pietro Bonaventuri. Dieser verliebte sich in ihre aufblühende Schönheit, selbst jung und wohlgebildet, und klug und kühn, obgleich unter ihrem Stand und ohne Vermögen. Sie glaubte, er selbst habe Anteil an der Bank, und gab seiner leidenschaft unter Versprechung der Ehe Gehör, schlich sich oft des Nachts zu ihm und kehrte vor Anbruch des Morgens wieder zurück. Einst, da sie auch die Tür von ihrem haus angelehnt hatte, kam, wie damals in Venedig gewöhnlich, früh der Bäcker an die Fenster, um den Mägden zu sagen, dass der Backofen für den Brotteig geheizt wäre, und zog die Tür zu, in der Meinung, es sei gestern nachts vernachlässigt worden. Bianca war mit ihrem Geliebten eingeschlummert, und beide hatten sich verschlafen. Sie ging, und erschrak. Eine alte Vertraute hörte weder auf Pfeifen von Bonaventuri noch Rufen. Sie trug die Frucht der Liebe schon unter ihrem Herzen; auf freie Einwilligung ihrer Eltern durfte sie nicht hoffen: Bonaventuri musste mit ihr plötzlich sogleich nach Florenz durchgehen, wo sie zu Anfang ein kümmerlich Leben führte und die niedrigsten arbeiten beim Vater ihres Gatten verrichtete; sie hatten sich nun vermählt. Hier wurde hernach der junge Herzog gegen sie entzündet, als er ihre Reize von ungefähr auf einem Spazierritt am Fenster erblickte; und sein Hofmeister Mondragone, ein Spanier, und dessen Frau machten die Unterhändler. Der neue Liebhaber ernannte den Bonaventuri zum Guardaroba maggiore und schenkte ihm einen prächtigen Palast in Via Maggio, wo er mit der Bianca in allem Überfluss lebte. Als dieser aber sich bald zu übermütig betrug, so liess ihn der Herzog bei Nacht auf der Strasse ermorden, wo er sich noch lange wehrte. Ihr einzig Kind, eine Tochter mit Bonaventuri, wurde mit Ulyss Bentivoglio verheuratet und reich ausgestattet. Keine zwei Monate nach dem tod der Johanna von Österreich, seiner Gemahlin, (einige Jahre nach dem gegenwärtigen Lauf dieser geschichte) vermählte sich der Herzog mit Biancen in geheim; welches er ein Jahr darauf allen Höfen bekanntmachte. Nach Venedig sandt er den Grafen Sforza von Santa Fiore: und sie läuteten alle Glocken der Stadt, brannten die Kanonen ab und erklärten die Bianca für vera e particolar figliola della Republica; e cio in considerazione di quelle preclarissime e singolarissime qualita, che degnissima la fanno di ogni gran fortuna. Das ist: erklärten sie für eigentliche und vorzügliche Tochter der Republik; und dies in Betrachtung der glänzenden und ausserordentlichen Eigenschaften, die sie vollkommen würdig jedes Trones machten.

Sie wurde darauf als Tochter von Sankt Markus

noch einmal ihm öffentlich angetraut. Aus

einer gleichzeitigen Handschrift.

12 Epicharmos; 'Traue nicht!' sagt er, 'dies ist alles Gelenk der Klugheit.' 13 Bruder des Grossherzogs. 14 Platoni artifices disserendi, non interpretes naturae aut doctores sapientiae, war damals die Meinung. 15 Vielleicht sprach Poussin bei dieser gelegenheit das folglich höchst einseitige Urteil aus, dass Raffael gegen die Antiken ein Esel wäre; denn was möchte sonst er selbst sein? 16 Hieron beim Xenophon spricht darüber anders aus Erfahrung. 17 Kyropädie, 8. B., 8. K. 18 Die Seiten sind hier und überall immer nach dem Bilde genommen. 19 Poussin hat es auch oft genug kopiert. 20 Nebst einigen Überbleibseln in Griechenland, die damals noch nicht bekannt waren. 21 Religion selbst kommt nach dem Cicero her von relegere, dem fleissigen Lesen dessen, was über den Götterdienst war festgesetzt worden. Die dies taten, hiessen religiosi. 22 Seine Lehre findet man kurz beisammen in folgenden Worten des Plato: την των αλλων απαντων′ φυσιν, ου πιστευεισ' Αναξαγορα, νουν και ψυχην ειναι την διακοσμουσαν και εχουσαν. Kratylos 23 Sieh eben seinen Kratylos. 24 Das System des Preussen Kopernikus wurde am spätesten im Kirchenstaate angenommen, und Galilei war zu dieser Zeit kaum geboren. Man kann das Folgende für eine Prophezeiung auf ihn halten. 25 Ich habe dieses jugendliche Gespräch eine Streiferei in die Metaphysik damaliger Zeit