grosse Freude an diesen Naturbegebenkann, wurde mir diesmal selbst bang im Herzen. Der Mensch ist ein sonderbares Wesen und voller dunkeln Gefühle, die kein Philosoph aufklärt; es war gewiss Ahndung dessen, was mir bevorstand. Ich warf meinen Mantel um mich und nahm den blossen Degen auf alle Gefahr unter den Arm und ging fort, um Fiordimonen in der schrecklichen Nacht nicht allein zu lassen; in ihrem Palaste waren den Sommer über nur ein paar alte Bedienten und Frauen zurückgeblieben. Sie hatte mir den Schlüssel zu einer Seitentür gegeben. Ich eilte, und ging oft wieder langsam, und hielt im Schritt ein. Endlich kam ich in das kleine Gässchen an den Garten, wo ihr Schlafzimmer ist, und wurde plötzlich angefallen mit einem Dolchstoss in die Seite. Ich sprang zurück, Blitze machten die Finsternis hell und zum Tage; erblickte den Mörder, der mir nicht ausweichen konnte. Er rennte noch einmal auf mich zu, mich zu unterlaufen, und ich stiess ihn auf der Stelle nieder. Bei diesem allen wurde kein Wort ausgesprochen, indes der Donner um uns brüllte, dass die Erde dröhnte.
Kaum war dies vorbei und ich im Begriff, den Leichnam wegzuschleppen, so tritt eine andre verkappte Gestalt auf und setzt mit Tigersprüngen auf mich ein, dass ich mit Not den Augenblick erhasche, mich zur Wehre zu stellen. "Vermaledeite Brut!" hört ich die stimme meines Kardinals, der in die vorgehaltne Klinge mit der Brust lief, die ich bepanzert fühlte. Erstaunt und erschrocken über alle die Folgen, tat ich nichts als ihn von mir abhalten, gebrauchte meine ganze Stärke und war bald so glücklich, dass ich ihm den Degen herausschlug, hieb ihn auf die hände, womit er in Raserei mein Gewehr fassen wollte, schonte sein Leben und lief dann davon und durch Nebenwege wieder zu Demetrin.
Diesem erzählt ich gleich, was geschehen war, und vertraute ihm das Hauptsächlichste meiner geschichte mit Fiordimonen; und sein grosser edler Charakter erhielt hier gelegenheit, sich zu zeigen. Er verbarg mich unerforschlich und half mir die folgende Nacht fort, nachdem wir erfuhren, dass der Ermordete, den wir zuerst für einen Banditen hielten, selbst Vetter des Papsts, der jüngere B*** sei. Auch dieser war wütend in Fiordimonen verliebt, ob sie mir gleich nie etwas von ihm gesagt hat. Meine Wunde ging nur gestreift über die Rippen weg; das Stichblatt vom Degen im Arm hielt den Stoss auf, und wir brauchten dazu keinen Chirurgen. Tolomei verkleidete sich mit mir in einen Franziskaner, und so sind wir die Pontinischen Sümpfe zu Fuss durch und von Capua durch Kalabrien nach Brindisi. Heroen, echte wie Teseus und Peritoos, wie Orestes und Pylades, Demetri und er. O der Mensch kann gross sein in jedem Zeitalter, und das Edle in seiner natur bleibt immer irgendwo noch auf Erdboden!
Fiordimona dauert mich; was kann das Feuer dafür, dass es brennt? Demetri hat kurze Nachricht vom fernern Erfolg an Tolomein nach Brindisi gegeben, unter andern Dingen, die er ihm meldete, dies wie im Vorbeigehen, wenn ungefähr der Brief sollte aufgefangen werden: sie und der Kardinal haben des Mordes wegen Arrest bekommen. Um alles noch zu tun, was ich kann, hab ich selbst an den Heiligen Vater geschrieben, und an den Grossherzog, und noch an den Kardinal; und ihnen allen die Natürlichkeit und notwendigkeit der Begebenheit und meine Unschuld vorgestellt.
Und nun denn hinein in die Wasserwelt; o wie klopft mir das Herz! O Vaterland, Vaterland, dass ich dich in Ketten und Banden sehen muss und von dir scheiden! Lebe wohl, schönes Italien, lebe wohl! Lebe wohl, Venedig, Genua und Rom! O du warst es wert, stolzes Land, vor allen andern einmal die herrschaft über die Welt zu haben! Umarm und küsse Cäcilien statt meiner; das himmlische geschöpf wird an keines andern Brust besser aufgehoben und glücklicher sein als der meines Freundes. Befürchtet keine Sünde; der Grösste der Halbgötter gab Iolen mit der empfangnen Frucht seiner Liebe seinem eignen Sohne zur Gattin. Lucinde, du allein brennst mich auf dem Herzen; aber ich will alle Verfolgungen des erzürnten himmels dulden, wenn ich's büssen kann.
Lebt wohl, ihr Höhen des Apennin und ihr entzükkenden Täler! wohl, du königlicher Po, und du, Tiber und Arno! ach, und ihr klaren Quellen des Clitumnus! Ein günstiger Wind schwellt die Segel, und ich flieg Ionien entgegen. Ich reisse mich von Eurem Herzen, o all Ihr Lieben, um Eurer würdig zu sein.
Ardinghello
Fiordimona war leider an allem schuld; sie mochte nun erkennen, wohin ihr schönes System führe. Sie hatte vermutlich erst dem Neffen des Papsts Gehör gegeben, und hatte dann dem Kardinal Gehör gegeben, und suchte beide loszuwerden, wie sie Ardinghello mit ganz andrer Lust und Freude und Schönheit und Inbrunst an sich fesselte; und dieser liess sich in jugendlichem Taumel von ihren überschwenglichen Reizen fangen. Die verwegne Reise nach Neapel machte sie wahrscheinlich deswegen, um die erstern ganz von sich abzubringen, welche vielleicht auch den Weg zu den Quellen des Clitumnus wussten, und den Ardinghello in aller möglichen Lust ungestört zu geniessen. Ein Weib kann seine natur nicht verleugnen: sie kam den folgenden Winter mit Zwillingen von beiderlei Geschlecht nieder und fand es doch ihrem stand gemäss, den Vater derselben als Gemahl zu besitzen.
Die Mohrin musste unter den heftigsten Drohungen ohne Zweifel dem Kardinal ihre Reise mit Ardinghellon