Ich lag bei Passignano, nicht weit von meiner wohnung, auf einer fruchtbaren Anhöhe, wo man den See überschaut, unter hohen Ulmen und Eichen, zwischen alten Ölbäumen und Zypressen und blühenden Wipfeln, den neuen Gesang der Nachtigallen um mich, noch früh am Morgen; und tat nichts als hören und betrachten in Freude, wie ein Kind ohne weitere Gedanken; doch ahndeten süsse Regungen in meinem Herzen entzückende Dinge.
Und sieh!
auf einmal reitet aus dem Hohlwege, mit einem
Boten voran, ein junger Ritter hervor auf einem kastanienfarben königlichen Rosse, dem auf einem andern er näher kam in rundem Hut mit Federbusch, kurzem spanischen scharlachnen Mantel, Halbstiefeln, die vollen Schenkel und den schlanken Leib in weiches Leder gekleidet, ein blitzend Schwert über den Rükken an seinen Lenden und Pistolen im Sattel.
Ich kannte das halbversteckte Gesicht und wusste mich nicht dreinzufinden. 'Ist sie es, oder täusch ich mich?' fuhr ich schnell auf, wie der reizende Ritter bald bei mir war.
Er erblickte mich, hielt ein mit lächelnder Verwundrung, sprang vom Pferde: und Fiordimona und ich hielten uns umschlungen mit wonneglänzenden Blikken, gierigen Seelenküssen.
Ich schrieb ihr noch von Florenz aus; auch sie begab sich ohne weitere Nachricht auf eins ihrer Güter in der Nachbarschaft, wovon sie mir nie etwas gesagt hatte, und kam nun, mich zu überraschen und zu einer Lustreise abzuholen. Zu Perugia, wo sie den Tag zuvor eintraf, sass sie gegen Morgen noch in der Dunkelheit auf und war bei mir in wenig Stunden.
Sie blieb nur zwei Göttertage bei mir; alles, was zu Cortona Liebe fühlen kann, geriet schon im Vorübergehen bei ihrer Annäherung in eine solche Feuersbrunst, dass wir uns plötzlich in der Stille davonmachen mussten, damit meine wohnung nicht wie Lots Haus belagert würde.
Fiordimona veränderte ihre Kleidung in etwas, und ich gab ihr andern Hut und Mantel, um weniger bemerkt zu reisen. Sie scherzte selbst über ihren vorigen Putz und dass die Weiber ihn nie vergessen könnten, und so verkappten wir noch ihre Mohrin. Ich nahm meinen jungen treuen Schweizer Häl, einen Gemsjäger aus Wallis von den Quellen des Rhodan, mit mir; und Paar und Paar zogen wir in der Nacht ab. Vorher schrieb ich an den Herzog eine notwendige Lüge und an meine Tante um ein paar starke Wechsel.
Zu Perugia weideten wir uns inniglich, nach eingenommenem Frühstück, an den Raffaelen, welcher ihr Liebling ist, und den Werken seines Lehrmeisters. Ritten dann die Höhen herab nach den anmutigen Tälern und über die Johannisbrücke, worunter der Tiberstrom reissend in rauschenden wilden Fluten wegschiesst, und hielten Mittagsrast auf dem schönen Hügel Assisi im heiligen Kloster.
Die Nacht blieben wir in Foligno. Den Morgen darauf zogen wir durch das reizende Tal, das an malerischen Schönheiten und Fruchtbarkeit seinesgleichen nächst der Lombardei vielleicht nur wenig auf dem ganzen Erdboden hat, und schieden uns bei Treve abgeredetermassen.
Sie begab sich wieder auf ihr Gut, welches nicht weit davon liegt und wo wir zusammenkönnen, wenn wir wollen.
Mein Lustörtchen hat die schönste Lage der ganzen Gegend und ist an einen runden, nicht hohen Berg die Hälfte herum gebaut, der einen weiten Olivenwald ausmacht. Die Menschen scheinen sich wie Vögel in die Bäume mit ihren Häusern obenhin genistet zu haben. Man übersieht von hier aus das ganze Tal von Spoleto bis Foligno, Assisi und Perugia, und der Flecken heisst mit Recht der Balkon von Umbrien.
Fiordimona hat ihren Aufentalt in üppigen Gärten von Fruchtbarkeit und Lieblichkeit bei den Quellen des Clitumnus (le Vene), die am Fuss des höchsten Bergs im ganzen Umkreis, Campello, aus einem Felsen kommen, mit vielen uralten Feigenbäumen bewachsen, in unzählbaren Sprüngen. Es ist ein unaussprechliches Vergnügen, wie das klare, kristallhelle, frische gesunde Nass aufquillt, von der Macht zu zarten Bläschen getrieben, unter dem erfreulichen Schatten, alles innerlich sich regt und bewegt und die Fülle von selbst auf ebner Fläche fortrinnt. Nahe dabei wallen sie in Bächen zu den Gärten Fiordimonens hinein und drängen sich da in einen lebendigen Teich zusammen, dessen Ufer hohe Ahornen, Pinien, Lorbeern, Reben und Haselstauden beschatten; und aus diesem strömt der Clitunno schon ein ansehnlicher Fluss, voll schneller Forellen, so dass ich in Italien keine so starke Quellen kenne.
etwa tausend Schritte davon steht ein kleiner Tempel mit korintischen Säulen zierlich in der Ferne, obgleich aus spätern zeiten, dem Flussgott zu Ehren, der den Römern ihr Vieh so weiss machte. Auch haben wirklich alle Rinder dieses Tals ein glänzendes Silberweiss und sind ausserordentlich gutartig mit ihren ungeheuern grossen Hörnern. Der Strom, denn diesen Namen darf man ihm wohl geben, bleibt das ganze lange Tal durch kristallhell.
Ich gebe mich in meinem wirtshaus für einen Maler aus; und wahrlich ist da genug zu malen und zu zeichnen an Menschen, Vieh und den Bergen mit ihren herrlichen Formen und Tinten, wenn mir Zeit dazu übrigbliebe. Die ganze Nächte steck ich bei Fiordimonen, und wir müssen zuweilen unsern Brand bei der heissen Witterung in dem lieblichen See des Clitunno abkühlen, denn sie schwimmt wie ein fisch, von zarter Kindheit dazu angelehrt; wo wir die Schwäne von ihrem Schlummer aufwecken, deren sie eine Herde darauf hat. Dieser König der Wasservögel ist ihr Lieblingsvogel; und wo gibt es auch einen schönern? und ein lockender lebendiger Bild der Lust, wenn sie ihre Hälse umflechten und vor Entzücken leis kreischen und zusammengirren und mit ihren Flügeln schlagen, dass der