Nerven ihres höchsten Lebens berührt.
Bezaubernde Beischläferin und nicht Griechenvenus, Wollust und nicht Liebe, Körper bloss für augenblicklichen Genuss.
Ihre Formen machen einen starken Kontrast mit der griechischen. Wie das Leben sich an dieser in allen Muskeln regt und sanft hervorquillt und hervortritt: und bei der Venezianerin der ganze Leib nur eine ausgedehnte Masse macht! Aber es ist schier nicht möglich, ein schmeichelnder und sich ergebender und süss verlangender Gesicht zu sehen.
Sie neigt den Kopf auf die rechte Seite, sonst liegt sie ganz auf dem rücken. Das linke Bein in schöner Form ist reizend gestreckt, und das erhobne rechte Knie lässt unten die süsse Fülle der Schenkel sehen. Der Kopf hat die Gestalt nach der natur, ist aber, hingelassen nachdenkend mit dem zerflossnen Körper, matt und wenig gebildet gegen die Griechin.
Die Blumen in der Rechten geben Hand und Arm durch den Widerschein bezaubernde Farbe und drükken den Leib zurück. Ihr Haar ist kastanienbräunlich und lieblich verstreut über die rechte Schulter mit einem Streif auf den linken Arm. Der Schatten an der Scham und die emporschwellenden Schenkel davor im Lichte sind äusserst wollüstig, so wie die jungen Brüste. Die grossen grünlichtbraunen Augen mit den breiten Augenbraunen blicken in Feuchtigkeit. Sie ist lauter Huld, es recht zu machen in reizender sömmerlicher Lage, und gibt sich ganz preis, und wartet mit gierigem Verlangen furchtsamlich auf den Kommenden. Man sieht's ihr deutlich an, dass das Jungfräuliche schon einige Zeit gewichen ist, und sie scheint nur Besorgnis vor mehrern zugleich zu haben wegen der Eifersucht.
Tizian wollte keine Venus malen, sondern nur eine Buhlerin; was konnte er dafür, dass man diese hernach Göttin der Liebe taufte? Sein Fleisch hat allen Farbenzauber, ist mit wahrem jugendlichen Blut durchflossen; was er darstellen wollte, hat er besser als irgend ein andrer geleistet.
Unter den Antiken aber, die ich mitgebracht habe, ist ein himmlischer Bube, ein junger Apollo, welcher stark mit der Göttin wetteifern wird. Er lehnt sich mit der Linken an einen Stamm mit über den Kopf geschlagner Rechten; die ganze Stellung ist voll Reiz, besonders der schlanke Zug der rechten Seite. Das Gesicht blüht wonniglich selig und edel in seiner Gotteit auf. Das Leibchen ist äusserst zart gehalten, und doch regt und bildet sich alles. Es ist eine wahre Wollust, Venus und ihn zugleich von hinten zu sehen, das Weibliche und üppig Bübliche des Gewächses; Venus ist ein Schwall von hinten, etwas speckicht: Apollo lauter süsser Kern. Ebenso kernfleischig spaltet sich sein rücken; die Schenkel sind am vollsten und schier zirkelrund. Die zwei hände muss ich ergänzen lassen und noch die Nase.
Der Ausdruck ist bezaubernd; er empfindet in sich und sinnt in Stille. Erste Ahndung von Verlangen in Ungewissheit, und doch mit dem entzückendsten blick der Liebe.
Zwei junge Ringer aus einem Block Marmor gehören unter die gelehrtesten arbeiten, die uns aus dem Altertum übrig sind. Sie sind im schönsten Moment eines Ringspiels verflochten, und es kann dazu keine auserlesenere Stellung geben. Die angestrengten Sehnen zeigen ihre Kraft in höchster Stärke und doch nicht schroff, und nichts erscheint gekünstelt, wie unsre Meister schon bei Körpern in Ruhe prahlen.
Noch hab ich Bruchstücke von einem Merkur, wo zum Ganzen nur die hände fehlen. Das Gewächs ist zart und schlank, der Kopf voll Schönheit und Kraft und stellt einen klugen sinnreichen Jüngling dar. Er trägt einen Helm, wie einen Teller, mit Flügeln; die Haare waren abgeschnitten, und es sind kleine Löckchen wieder daraus geworden.
Von Gemälden, deren viel sind, will ich Dir nur ein Paar von Raffael anführen:
Papst Julius den Zweiten. Man kann nichts Wahrers von Gestalt sehen; und wie gemalt! Es hält sich neben dem besten Tizian. Erhabenheit und Scharfsinn im Nachdenken bilden ein Ideal von Heiligem Vater. Welch ein gediegnes festes Feuer in der ganzen Arbeit! Der schöne herabfliessende Bart wie herrlich aufgesetzt! hände, Stellung im Stuhl mit beiden aufgestützt, alles vortrefflich. Es ist die natur. Die Stirn ist stark beleuchtet und geht hervor, und so fällt noch Licht auf den Bart; ein Meisterstück auch hierin.
Das zweite ist ganz klein, wenig über einen Fuss lang und breit und von ihm die grösste Seltenheit, jedoch mit aller Liebe in seiner besten Zeit vollendet.
Gottvater sitzt auf einem Adler in den Lüften, von zwei Engeln, wovon besonders der rechter Hand wunderschön ist, an den Armen leicht gehalten; und unter ihm sind die vier Evangelisten mit ihren Tieren; dann Wolken, dann Erde mit Bäumen. Um den Ewigen vergeht eine Glorie andrer geflügelter Buben im Glanze.
Der Kopf ist lauter Erhabenheit, ganz derselbe des Michelangelo in der Capella Sixtina, welcher die Sonne schafft. Das Nackende der Brust bis auf die bekleideten Schenkel in seiner Kleinheit vollkommen wie eine schöne Antike. Er stützt die Füsse auf den geflügelten Stier und Löwen und sieht jovialisch gut und stark und mächtig in die Bestien und Menschen. Haar und Bart fliegen im Winde. Ein himmlisch Bildchen; reizende apokalyptische Laune!
Bianca freute sich darüber kindlich; und ich hab ihr damit ein Geschenk gemacht, weil ich's für mich erkaufte. Der Herzog nahm es übergnädig auf, und sie drückte mir eifrig die Hand dafür.
Die Schlaue stellt sich hochschwanger. Jetzt will er ihr einen Palast in eine unsrer angenehmsten Gegenden bauen lassen; und ich wurde gerufen, alles zu besorgen.
Florenz, Februar.
Florenz gefällt mir nicht