eignen Weise ziehe. – Und wenn das Wesen noch lange so fortdauret, so werden wir doch am Ende noch alle zu Narren werden –
Auf einmal fuhr ein Geist des Eifers in Hartknopfen, als solle er die Käufer und Verkäufer aus dem Tempel treiben, und er stiess mit seinem Dornstock heftig auf die Erde, und sagte: Vetter, das soll hier gewiss nicht so bleiben.
Nun pflegte aber Hartknopf nichts zu sagen, was er nicht halten konnte. – Als sie sich den Abend zu Tische setzten, wurden Rettiche aufgetragen, wovon Hartknopf ein Liebhaber war, und da man nun das Salzfass brachte, rückte es Hartknopf vor sich hin, und fing darüber leise an zu beten, so dass sich sein Vetter darüber wunderte, und ihn um die ursache dieses Beginnens fragte, worauf Hartknopf aber weiter nichts antwortete, als dass das Salz eine vorzügliche Gabe Gottes sei, wofür man ihn also auch vorzüglich mit einer aufmerksamen Hinsicht auf die Sache danken müsse – dabei schien es nun dem Vetter Knapp, als ob Hartknopf immer noch starr auf das Salzfass hinsähe, und mit seinen Augen gleichsam in das Allerinnerste dieser ihm heiligen und geweihten Körner einzudringen suchten – Mit diesem Blicke noch immer auf das Salzfass geheftet, fing er an von den gegeneinander wirkenden Kräften in der natur, von Neuheit und Jugend, von ewiger Auffrischung des Alten und Vergangnen zu reden – und Knapp sah auch aus einem sympatetischen zug bald auf das Salzfass und bald wieder auf seinen Vetter, der mit einer Art von heiliger Ehrfurcht, das Salz auf die Rettigscheiben zu streuen schien, indem er sprach – und der in jedem Salzkorn auf seiner Zunge einen hohen Sinn, eine wundersame Bedeutung gleichsam zu schmecken schien.
Da sie nun gegessen hatten, so gingen sie in der Stadt umher, und besahen die bekannten Plätze, wo Hartknopf als Kind gespielt hatte. – Die Hütte, wo zuletzt Hartknopfs Eltern wohnten, war eingefallen – sie gingen auf den Kirchhof, um ihre Grabhügel zu sehen – es war Mondschein – da stand der Verfasser der sich entknospenden Frühlingsrose und stellte auf den Gräbern der Tobten eine dramatische Uebung an. Es hatten nämlich eine Anzahl Jünglinge und Mädchen, jeder eine von den Personen, die in Klopstocks Messjade vorkommen, als eine Rolle übernommen, und die Reden, welche sie sagt, auswendig gelernt: der Frühlingsrosenentknosper hatte dem Ganzen eine Art von dramatischer Form gegeben, und er selbst spielte denn natürlich die Hauptperson, den Auferstandnen, um den die Weiber weinen und klagen, und der ihnen dann plötzlich erscheinet. Diesen Abend wurden die Jünger von Emaus aufgeführt, wovon Hagebuck den einen und Küster den andern, der Stifter des Spiels selbst aber Christum vorstellete. – Das Parterre war eine Reihe von Grabhügeln, worauf die Zuschauer sassen, und eine Reihe Lindenbäume, hinter welchen die spielenden Personen hervorkamen, waren die Kulissen. Die Erleuchtung machte, wie gesagt, der Mond. – Sie hatten nun die Reden aus der Messiade auswendig gelernt; Hagebuck machte den etwas lebhaftern und Küster den sanftern Jünger; und gerade da der eine sagt: bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget, kamen Knapp und Hartknopf auf den Kirchhof gewandert, und die beiden Jünger von Emaus erkannten Hartknopfen, mit dem sie die Nacht gewandert hatten, und ob sie ihn nun gleich in so unangenehmer Gesellschaft kommen sahen – denn der Gastwirt Knapp war ihnen immer ein Dorn im Auge gewesen – so nötigten sie ihn doch, im Ernst bei ihnen zu bleiben, und mit ihnen vorlieb zu nehmen – denn es wurde wirklich, da es so weit kam, dass die beiden Jünger von Emaus ihren unbekannten gefährten zum Essen einluden, ein artig besetzter Tisch unter einen der Lindenbäume gebracht, und Parterre und Teater floss nun in eins zusammen; denn die bisherigen Zuschauer setzten sich alle mit an den Tisch, und waren also nun Personen mit im Spiele – Jesus brach das Brodt und dankte, aber er verschwand nicht, nachdem er sich zu erkennen gegeben hatte, sondern liess es sich mit den übrigen recht gut schmekken, und Hartknopf mit seinem Vetter mussten sich auch mit an den Tisch setzen, ehe liess man ihnen keine Ruhe. – Es war diess eine Art von Pickenik, wozu ein jeder das seinige mit beitrug; die beiden Jünger von Emaus gingen frei aus; um desto herzhafter aber fingen sie an zu zechen; denn für gute Leute, sang Hagebuck, ist der gute Wein, und dabei machte er Hartknopfen ein schiefes Maul zu – denn so oft ihn Hartknopf ansahe, so war es immer, als wenn der Hahn zum zweitenmal gekrähet hätte – Der blick durchschaute Hagebucks Geist und Seele, aber er war schon zu hart zum Schmelzen, er ging nicht hinaus, und weinte bitterlich, sondern, da er sich nicht anders mehr zu helfen wusste, machte er Hartknopfen ein schiefes Maul zu. – Die Verzerrung seiner Muskeln dabei war krampfhaft und fürchterlich – Du wirst der Schlange den Kopf zertreten, aber sie wird dich in die Fersen stechen. – – Hartknopf sass erst da, still und unbemerkt und schwieg – Die Sonne war untergesunken, das Gespräch lenkte sich auf Tod und Unsterblichkeit Hartknopf sagte ein paar Worte darüber, die der einfältigste Bauer auch hätte sagen können, so kunstloss und ungelehrt waren sie – und doch ward eine allgemeine Stille, da er gesprochen hatte, und es getraute sich eine Weile niemand weiter zu reden. – So gross war die herrschaft über