und Blut der betrognen Menschheit – Er kniff meinem guten Hartknopf in den Arm, dass es ihm blau wurde, da er ihn untergefasst hatte, und sagte: Du alter Kauz, wie ist dir denn das Schwimmen bekommen? – daraus war denn zu schliessen, dass er ihn nicht in einen trocknen sondern mit wasser angefüllten Graben hatte stossen wollen, dieser Borstige.
Der Kosmopolit zur Rechten war der reuige Schächer, und sagte: Lieber Bruder, wir hätten dieses Menschen schonen sollen – – und hätten ihn nicht sollen in die Grube stossen, worin kein wasser war – der arme Mensch! – indem drückte er Hartknopfen sanft die Hand – und dieser sagte halb im Schlummer: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein! Er meinte aber den Gastof in dem Städtchen, das vor ihnen lag, wo er immer einzukehren pflegte, wo die Zöllner und Sünder herbergten, und wohin jetzt sein sehnlichstes Wünschen ging. – Die idee vom Paradiese schlug in den beiden Kosmopolitenköpfen, wie ein Feuerfunken an – – sie hatte so etwas Erhabenes und Feierliches in der dunkeln, schauervollen Nacht, so wenig Erhabenes sich auch mein guter ehrlicher Hartknopf dabei gedacht hatte – – Der Schächer zur Rechten und der Schächer zur Linken fühlten die ganze Macht der Worte, die sie nun wirklich auf sich abgezielt glaubten. – – Ihre Seelen wurden zerknirscht, Tränen entströmten ihren Augen; sie fingen an, sich wirklich für ein paar arme Schächer zu halten, welche in ihrem verkehrten Sinn die hohe Würde der Menschheit beleidigt hätten: – –
Fühlst du das, lieber Bruder? sagte der zur Rechten – – Ich fühl' es! antwortete der Linke mit bebender stimme – lass uns hier niederfallen im Staube, und den grossen Allvater bitten, dass er uns vergebe die Sünden unsrer Jugend und die Sünden unsrer grauen Jahre; dass er nicht ansehe unsre Missetat, und uns nicht strafe, wie wir es verdient haben – denn wo will man einen Reinen finden, unter denen da keiner rein ist – Bewahre meinen Fuss – – und so lang wie er war lag der borstige Betende ausgestreckt da – denn sein Gebet war schwarze Heuchelei und verflog in den Lüften – er mass die Erde mit seiner Länge, denn er hatte sich an einem alten Stubben am Wege sein Schienbein zerstossen, dass es ihn bis in den Wirbel hinauf schmerzte. – Das sanfte Erbarmen meines Hartknopfs mit seinem Beleidiger hob den Gefallnen wieder auf – und der Gefallne dankte ihm nicht, denn sein böser Geist hatte dem Stubben Hartknopfs Gestalt gegeben – und der Gefallne sagte zu dem Schächer zur Rechten: mein Bruder, was meinst du, der Schurke da hat mir ein Bein untergeschlagen, um sich an mir zu rächen! Ei so soll ihn ja auch – – rief der reuige Schächer, und fing an tüchtig auf meinen Hartknopf losszuschlagen, und der zur Linken war dabei sein getreuer Rat und Assistent – – aber das Blättchen fing sich bald an zu wenden. – – Die Weissheit in der Mitte nahm ihren Dornenstock in die Hand, und schlug damit rechts und links um sich, und die Torheit taumelte an beiden Seiten von ihren wiederhohlten Schlägen zu Boden, und als mein Hartknopf die beiden Besoffnen nach Herzenslust durchgeprügelt hatte, so sagte er: Vater vergieb ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun! – –
Und nun hob er sie beide wieder auf, und sie wanderten wieder einträchtig und brüderlich miteinander fort – darüber brach der Tag an, und der Rausch in den Köpfen der beiden Kosmopoliten fing allmälig an zu verfliegen – ihr nächtlicher Zwist mit Hartknopfen verlohr sich in ein dunkles Schattenbild – und sie sahen jetzt seine offne Stirn und sein edles freies Auge, womit er sie im Glanz der aufgehenden Sonne anblickte, und schlugen beschämt ihre Augen nieder.
Alle drei schienen stillschweigend in einen Vertrag eingewilligt zu haben, alles in der Nacht vorgefallne in gänzliche Vergessenheit zu begraben. Sie unterhieltet sich miteinander über die Schönheit des Morgens, über die Pracht der aufgehenden Sonne, und über den herrlichen Anblick der wiedererwachenden natur – und liessen ihren strafenden Unwillen gegen diejenigen aus, die den schönsten Morgen in ihren Pflaumfedern verschlafen könnten. – Dann fragten erst die beiden Kosmopoliten ihren nächtlichen gefährten, wo er denn eigentlich herkomme, und wo er eigentlich hinwolle?
Beides wusste er nicht eigentlich zu beantworten. – Er kam aus dem Abend, und wanderte gerade gegen den Morgen zu; denn der Weg von Westen nach Osten hatte für ihn so etwas Reitzendes und Anziehendes, das sich zum teil mit auf seine besonderen Meinungen gründete. – Da er nun in Süden und Norden eben so wenig Schätze zu hohlen hatte, als in Osten und Westen, so nahm er seine Richtung immer nach Osten zu, und richtete es gemeiniglich so ein, dass er den ersten frühen Strahl der Sonne mit seinem Morgengebet begrüssen konnte. Welche Städte und Dörfer nun hier auf seinem Wege lagen, durch diese ging er oft hindurch, ohne nur nach ihrem Nahmen zu fragen, und wenn man ihn denn auch nicht nach seinem Nahmen fragte, sondern wie irgend ein unbedeutendes Wesen, einen Hund oder eine Katze, ihn durchwandern liess, ohne nur einen blick auf ihn zu werfen, wie froh war er dann!
Als er aber durch das Land kam, wo man am Tore die Geheimnisse seines Herzens und seiner Taschen ausforschen wollte, ehe man ihn durchliess; so nahm er einen weiten, weiten Umweg, wenn er an eine Stadt kam, und musste von seiner geliebten