1786_Moritz_073_28.txt

, der sich aus der Welt innerhalb dieser geweihten Mauern geflüchtet hat, darf eine Erlösung daraus hoffen, wenn ihn je sein Entschluss wieder gereuen sollte. Und wer es wagen wollte, diese Mauern zu überspringen, den würde, wenn man ihn ergriffe, ein schreckliches Schicksal erwarten, und wäre er vorher noch nicht lebend begraben gewesen, so würde er es dann sein.

Hartknopf hatte sich diesen Kartäusermönch ausgesucht, um an ihm seine Weissheit zu versuchendenn hier war es, wo sie die probe halten musste. – Wenn es eine wahre Weissheit gibt, so muss sie lehren, wie man auch als Kartäusermönch, sobald man es einmal ist, auf seine Weise glücklich sein kann.

Freilich ist es besser, wenn sie einen vorher schon gelehrt hat, dass man nie ein Kartäusermönch werden müsseaber was hilft das besser, wenn das schlechter nun einmal da ist. –

Das Schlechtere was da ist, muss doch wohl mehr die Aufmerksamkeit des Weisen an sich ziehen, als das Bessre, was nicht da ist. – Aber die Afterweisen, die Weltreformatoren, die Hagebucks, schwärmen in den Zaubergefilden des Bessern was nicht da ist, mit ihrer müssigen Phantasie umher, und lassen indes auf dem verwilderten Acker des wirklichen festen Erdbodens, auf den sie treten, Dornen und Disteln wachsen.

Das tat nun Hartknopf nichtder suchte die Dornen und Disteln auszujähren, wo er sie nur fand; und aus der Seele des Jünglings hatte er einen sehr schmerzenden Dorn gezogen, indem er ihm seinen vom Blitz erschlagenen Freund wiedergab, und ihm in sich eine Welt zeigte, die ihn für die Ausschliessung der äussern Welt schadloss hielt.

Dieser junge Mensch konnte nun mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit berechnen, dass er sein ganzes Leben hindurch keinen einzigen Tag Langeweile haben würde, wenn er den Weg verfolgte, den ihm Hartknopf vorgezeichnet hatte.

Ja er musste sich sogar ein ziemlich langes Leben wünschen, wenn er in diesem Leben einige beträchtliche Fortschritte tun wollte, die ihm dort zu statten kommen könnten.

Und das war es, was ihm fast immer Angst und Furcht gemacht hatte, nicht der Gedanke des Todes, der war ihm süss und erquickend, sondern der Gedanke an die unerträgliche Last des Lebensan alle die leeren Stunden, die er mit nichts auszufüllen wusste, oder wo doch die Quellen mit denen er sie auszufüllen strebte, immer sobald versiegten.

Ach, in das einsamste voll der Welt abgeschiedenste Leben, das der Nacht des Grabes am nächsten kommt, lässt sich noch, wie mich Hartknopf gelehrt hat, eine unnennbare Seligkeit des Genusses legen. –

Eben so wie dem die Ewigkeit nie zu lang werden könnte, der von den Millionen Welten, die aus dem Firmamente leuchten, eine nach der andern im ungehemmten Fluge bereiste, und die unendliche Verschiedenheit des Wesens der Bewohner aller dieser Welten nach und nach kennen lernteeben so wenig kann dem die Dauer seiner irrdischen Tage zu lang scheinen, der nur einen blick in sich selbst, in seine innere Welt getan, und die unermesslichen Gefilde des Denkens überschaut, die sich da vor seinem Blicke eröfnen.

Und diese Wonne des Denkens, des in sich Blikkens kann doch auch der dunkelste Kerker dem unsterblichen geist nicht rauben

Selbst der Verlust des süssen Augenlichts kann den Tag nicht verfinstern, der noch immer in der Seele des Weisen und des Denkers strahlt

Nicht den Tag, der in Homers, und Miltons, und Ossians Seele glänzte, da sie die geschichte der Vorwelt sangen.

Hartknopf sprach: es werde Licht! und es ward Licht in der trüben Seele des Jünglings. Die Morgendämmerung des reinen Denkens brach hervor: die Nebel der Vorurteile wälzten sich allmälig von dem hellen Horizont hinwegund bei dem allen blieb feste Resignation in Ansehung dessen, was einmal nicht zu ändern war. Hartknopf lehrte den Jüngling die Reue überwindener liess ihn einen blick in die notwendige Verbindung der Kette der menschlichen Schicksale tun, welcher Trost in seine Seele goss. – Er sprach sich selber frei, ohne das Schicksal anzuklagen. – Er unterwarf sich der notwendigkeit, und lernte sie lieben. – –

Und Hartknopf sah an, alles, was er hervorgebracht hatte, und siehe da es war sehr gut

Darum glänzte sein Auge so heiter, da ich ihn am Feste des heiligen Bruno in der Kirche des Kartäuserklosters traf. – Er sah in der Miene des Jünglings, edle Lebenslust, Entschlossenheit und Standhaftigkeit nicht nur auf den kommenden Tag, sondern auf kommende Jahreund nun sah er mich da stehen, in dem er seine neue Schöpfung angefangen, aber noch nicht vollendet hatte.

Er fand diesen Ort zu einem wichtigen Fortschritt schicklicher sagte mir mit einer so kalten, festen, und trocknen Miene, dass ich sterbensterben müssewie es mir noch nie in meinem Leben gesagt war, wie ich es mir selbst noch nie gesagt hattees war, als hätte er mich mit diesem blick von Haut und Fleisch entblösst

Und indem er meine Hand dabei anfasste, und schnell wieder fahren liess – – –

Fuhr mir der Gedanke an die Verwesung durch die Seele, und erschütterte mein Innerstes

AlsoStaub, wie der, auf dei ich treteohne Gestalt, ohne Form, ohne Umrissin der ganzen weiten Welt gleichund eins die Todtenasche aller Sterblichen, wenn sie sich zusammen mischt

Die Schaumblase ist zerplatztdem Bilde ist sein Umriss genommen

Abgeschieden von der