hell ins Kirchfenster, und beleuchtete den Kranz des Altarblattes, und die grünen Blätter der duftenden Citronenbäume, womit die kleine Kirche an diesem hohen Feste geschmückt war – Die Mönche sassen in zwei Reihen auf ihren erhabnen Sitzen, und vor jedem Sitze stand ein grüner Orangebaum in einem mit Erde gefüllten Behältnisse – Die Mönche sassen noch, ihre weisse Kappen über das Gesicht gezogen, in feierlicher Stille da, und die Bäume warfen einen sanften Schatten auf ihr langes weisses Gewand, dessen weite Ermel herunter hingen. –
Dumpf und traurig, in tiefen Tönen hub darauf ihr Gesang an – dann warfen sie sich auf ihr Antlitz nieder, und zogen indem sie anbeteten ihre Kappen über das Gesicht herunter. –
Da standen Greise mit kahler Scheitel, und Jünglinge mit blassen Wangen, die einst geblühet hatten. –
Vor dem Altar hängt von oben ein Seil herunter, woran die Glocke gezogen wird, und so wie der erste Mönch hereintritt, tut er den ersten Zug an dem Seile, und überreicht es denn seinem Nachfolger, der den zweiten tut, so dass alle an dem Läuten teil nehmen, und alle in diesem Tempel dienen, ohne sich dienen zu lassen. – Eben so ist es auch wieder beim Weggehen. –
Hartknopf war nicht umsonst hier, er besuchte einen neunzehnjährigen Jüngling, dem der Freund seiner Jugend an seiner Seite vom Blitz erschlagen war – und der dadurch einen Ekel an allen Freuden des Lebens bekommen hatte, welcher ihn hieher trieb, wo er dem grab entgegen welkte.
Bei ihm gelang es Hartknopfen das zerknickte Rohr wieder aufzurichten – er erhielt auf sein dringendes Anhalten, vom Prior die erlaubnis, den Jüngling in seiner Zelle zu besuchen: und dieser liess sich durch den erhabnen Ton seiner stimme, durch seinen mitleidsvollen blick, bewegen, ihn anzuhören – und da er ihn erst anhörte, so fesselte ihn Hartknopf schnell mit starken Banden der erbarmenden Liebe und Freundschaft. – Solch ein Ton war noch nie in des armen Jünglings Ohr gedrungen, seit er seinen Freund verlohren hatte. – Hartknopf brachte ihm diesen wieder, und sicherte ihm sein Dasein, und nun wurde der Jüngling allmälig ruhig – aber Hartknopf hütete sich wohl, bei den lebend Begrabnen den Reiz des Lebens zu sehr wieder anzufrischen – Er lehrte ihn, in sich selber, in tausend kleinen Beschäftigungen seine Glückseligkeit finden, die er vorher nicht gekannt hatte. –
Hartknopf folgte in der Behandlung dieses Jünglings der natur, welche den Mangel des einen Sinnes dadurch einigermassen zu ersetzen sucht, dass sie die ganze Kraft desselben in einen andern Sinn zusammendrängt, der dadurch bis zu einem ausserordentlichen Grade erhöhet wird – so suchte Hartknopf bei diesem Jüngling den Mangel des Entzückens, welches nur die Mitteilung gewährt, in dem Umgang mit seinem edlern Ich, in die grossen Beschäftigungen mit seinem eignen geist zurückzudrängen – er lehrte ihn in sich eine Welt finden, da die Welt ausser ihm, auf immer vor ihm verschlossen war.
Trauben von den Dornen und Feigen von den Disteln lesen, war Hartknopfs Wahlspruch, so oft er etwas bemerkte, was aus dem grossen Plane der natur hinweggerückt zu sein schien – Hier ist das Künsteln nötig, sagte er, um das Verdorbne wieder gut zu machen. – Was ein Unvernünftiger zu einem schlechten Endzwecke hervorgebracht hat, kann der Vernünftige immer noch zu einem bessern Endzwecke nützen – Die Unvernunft kann nichts so sehr verderben, dass die Vernunft es nicht sollte wieder gut machen können – Die Unvernunft reisst nieder, damit die Vernunft wieder etwas zu bauen habe, so bleibt alles in Tätigkeit.
Wer sich einmal lebendig begraben will, der tur doch immer noch am besten, wenn er sich in ein Kartäuserkloster begräbt, wo er sich doch sein Grab selbst nach Gefallen ausschmücken, und sich, wenn es ihm beliebt, darin umwenden kann, ob er gleich auch nicht wieder heraus darf.
Oft wenn ich aus meinem Stubenfenster über die alte Stadtmauer nach dem Kartäuserkloster hinüberblickte, fühlte ich eine geheime sehnsucht nach diesen stillen Hütten – die ihren sehr guten Grund in meinem damaligen Verhältnisse gegen die Welt, und gegen die Menschen hatte.
Die Kartäuser wohnen nicht, wie andre Mönche in einem haus, wo ein jeder seine besondre Zelle hat, sondern ein jeder Mönch hat hier sein eigenes kleines Haus, das nur ein Stockwerk hat, und mit einer hohen Mauer umgeben ist, innerhalb welcher ein kleiner Garten bei jedem dieser Häuser befindlich ist. Die einzelnen Häuser sind durch die hohen umgebenden Mauern so voneinander abgesondert, dass man durch keine tür aus einem ins andre, wohl aber aus allen gemeinschaftlich in die Kirche und den Speisesaal kommen kann. Auf diesen Gängen ist es also allein wo sich die Mönche begegnen, und sich durch ihr unverbrüchliches memento mori miteinander unterhalten.
Ein jeder hat in seinem haus seine eigne kleine Einrichtung, bauet selbst seinen kleinen Garten, spaltet sich selber sein Holz zum brennen, hat auch wohl eine Drechsel- oder Hobelbank, womit er sich die Zelt verkürzt, und seinem Körper eine heilsame Bewegung gibt. Sein Lager ist auf der blossen Erde, zu seinen Füssen steht ein Todtenskelet, und ein harter Block dient ihm zum Kopfküssen. Dreimal die Nacht über muss er sich des süssen Schlafs erwehren, wenn ihn bei vollem Einbruch der Finsterniss, um Mitternacht, und gegen Morgen die Stunde zum Gebete weckt –
Einmal im Jahr am fest des Ordensstifters bekömmt er Fleisch zu essen, und Wein zu trinken, der sonst nie seine Lippen berühren darf über Tische herrscht ein unverbrüchliches Stillschweigen.
Keiner