sich so viel gespart, dass er füglich ein halb Jahr ohne Arbeit leben konnte – und diese Zeit über befriedigte er den brennenden Durst nach Wissenschaft, der ihn schon so manche Träne gekostet hatte
Freilich hatte er vom Emeritus in Gellenhausen mehr gelernt, als ihn alle Doktoren in Erfurt lehren konnten – aber es war ihm doch auch nun um Ausbreitung des Geistes, es war ihm um das Extensive zu tun, da er es in dem Intensiven schon ziemlich weit gebracht hatte.
Er hörte Matematik, geschichte, Naturlehre, u.s.w. – Aber er las mehr, als er hörte – Die Erfurter Universitätsbibliotek mag wohl lange ihren geringen Schatz nicht so sorgfältig gebraucht gesehen haben, als es von Hartknopfen geschahe.
Hartknopf machte erstaunliche Fortschritte; denn zu allem was er begann, brachte er ein Licht mit, das ihm der Emeritus angezündet hatte, und wodurch es ihm da schnell Tag wurde, wo es andern oft lange Nacht bleibt, ehe sie sich durch die Finsternisse durchgearbeitet haben.
Er lebte übrigens in Erfurt sehr verborgen – und ich habe ihn dort im Jahr 177*, bei einem gewissen Doktor Sauer, der nun tot ist, kennen lernen.
Möge die Asche des Doktor Sauers in Frieden ruhen; er verdiente wohl von Hartknopfen gekannt zu werden; ob ihn gleich die Welt nicht gekannt hat. – Welche herrliche Talente, welch ein Umfang von Kenntnissen sind mit diesem mann begraben worden, der die Bewunderung seiner Zeitgenossen hätte sein können, wenn der edle Sprössling nicht in der Jugend zerknickt worden wäre.
Solch ein Kopf mit solch einem Herzen vereinigt, musste ohne eine Spur hinter sich zu lassen, unrühmlich in die Verwesung übergehen. – Er wohnte in einer kleinen Ggsse, in eines Schusters haus, und da man seinen Sarg heraustrug, fragte nicht einmal ein Nachbar: wen begräbt man da? Und keine Träne wurde ihm nachgeweint.
Hier lernte ich Hartknopfen dem leib nach und zum teil auch dem geist nach kennen – die eigentliche Bekanntschaft unsrer Seelen aber fällt in das Jahr 178*, zwei Jahr vor seinem Märtyrerstode.
Als ich ihn nun beim Doktor Sauer zuerst erblickte, war es mir, als sähe ich einen Unsterblichen hereintreten – Er kam aber in der Dämmerung, da es Feierabend war, und hatte sein Schurzfell vor – denn es war damals gerade sein Arbeitshalbesjahr. – Da er dem Doktor Sauer die Hand gab, so war es, als wolle er mit seinem starken nervichten Arm, das zerknickte Rohr wieder aufrichten; jedes seiner Worte goss neuen Mut in die Seele des darniedergebeugten – dem die Führer seiner Jugend, da sie ihn Bescheidenheit lehren wollten, unglücklicher Weise das Selbstzutrauen, diese unentbehrliche Stütze des schwachen Sterblichen aus den Händen entwunden hatten – Hartknopf wollte sie ihm wiedergeben, aber auch die hände waren schon gelähmt, die sie ergreifen und festalten sollten.
Unaufhaltsam sank der Hülflose hinab; die Kräfte seines Geistes und seines Körpers verzehrten sich in sich selber. – Um nicht vor Hunger umzukommen, musste er das elende Geschmiere eines marktschreierischen Arztes für ein Spottgeld ins Lateinische übersetzen; und dieser erwarb sich dennoch, bei der Welt, die einmal betrogen sein will, Ruhm und Ehre damit, und wurde mit einem ansehnlichen Gehalt irgendwo, als Brunnenarzt befördert, während dass der ehrliche Sauer die Zöllner und Sünder heilte, und für das Geld, was er mit dem Uebersetzen verdient hatte, noch die Arzeneien anschafte, die er statt Bezahlung von den Kranken zu nehmen, ihnen noch unentgeldlich dazu gab. Der Schwung seines Geistes in einigen vortrefflichen Gedichten wurde einem elenden Geschmiere von Wochenschrift zu teil, das ein Buchdrucker in Erfurt herausgab, für welchen Sauer zuweilen als Korrektor Tagelöhnerarbeit verrichtete. Endlich schien ihm die Glückssonne ein wenig zu lächeln; der Stadtalter von Dahlberg lernte ihn kennen, und dachte auf seine Beförderung, als der Tod ihn weit schneller und besser beförderte, wie alle Fürsten und ihre Stadtalter hätten tun können. Ok..rd, wo du auch seist, der du von ungefähr dieses liesest, erinnere dich mit mir des guten Sauers, mit dem wir manche frohe Stunde verbrachten, der dich auch Weissheit lehrte, und lass uns seinem Andenken noch eine freundschaftliche Träne weihen! Hast du je den Schmiedegesellen bei ihm gesehen, so erinnere dich, wenn du kannst, seiner Gestalt und seiner Rede, und wisse, dass dieser mein Hartknopf war. Nachdem ich ihn das erstemal beim Doktor Sauer gesehen hatte, sprach ich ihn nur noch einigemale; denn er verliess bald darauf Erfurt, wo er sich eine geraume Zeit aufgehalten hatte, ohne dass man sich um ihn bekümmerte – da es sonst in Erfurt, weil die Universität sehr klein ist, für einen der sich mit den Wissenschaften beschäftigt, schon ziemlich schwer hält, ganz unbemerkt zu bleiben; nun war aber Hartknopf ordentlich als Student inskribirt – weil er jedoch nach dem ersten halben Jahre nur noch selten die öffentlichen Vorlesungen besuchte, in keine Studentengesellschaft ging, und überhaupt sich nicht viel öffentlich sehen liess, so betrachtete man ihn, als ob er gar nicht da gewesen wäre.
Der Doktor Froriep stellte damals mit einigen Studenten Predigtübungen in der Universitätskirche an, die in der Woche bei verschlossnen Türen gehalten wurden. – Hier hat auch Hartknopf, wie ich weiss, einmal gepredigt, ich glaube aber schwerlich, dass sich der Doktor Froriep seiner erinnern wird; denn wenn er in sich zurückgezogen da stand, so hielt man ihn für einen äusserst unbedeutenden Menschen.
Nachdem ich ihn nur erst einmal beim Doktor